Workshop in Ischgl
Maler Mathias Schmid wissenschaftlich gewürdigt

Museumsleiter Erwin Cimarolli, Kustos Peter Scholz und Kunsthistoriker Joseph Imorde (1. Reihe v.l.) mit den TeilnehmerInnen der Tagung im Mathias-Schmid-Museum in Ischgl.
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  • Museumsleiter Erwin Cimarolli, Kustos Peter Scholz und Kunsthistoriker Joseph Imorde (1. Reihe v.l.) mit den TeilnehmerInnen der Tagung im Mathias-Schmid-Museum in Ischgl.
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ISCHGL (otko). Der Seer Künstler Mathias Schmid soll wissenschaftlich neu bewertet werden. Auch ein Tagungsband ist geplant.

20-jähriges Jubiläum

Das Mathias-Schmid-Museum in Ischgl feiert heuer das 20-jährige Jubiläum. Der aus See im Paznaun stammende Maler Mathias Schmid (1835-1923) zählt zu den beinahe vergessenen Künstlern der akademischen Genremalerei. "Wie sein Freund und Zeitgenosse Franz von Defregger war Schmid um 1900 weit über seine Heimat Tirol und den süddeutschen Raum hinaus bekannt. Andres als Defregger, der aufgrund seiner Szenen aus dem Tiroler Freiheitskampf ideologisch vereinnahmt werden konnte, zeigte sich Schmid an einer politisch ausdeutbaren Historienmalerei kaum interessiert. Sein Fokus lag auf sozial- und kirchenkritischen Themen", erläutert Museumsleiter Erwin Cimarolli. In seinem privaten Museum bewahrt der akribische Mathias-Schmid-Sammler rund 500 Werke auf, darunter auch viele Originalbilder und Skizzenbücher.
Passend zum Museumsjubiläum und quasi als Highlight ist es Museumsleiter Cimarolli am 12. April gelungen, hochkarätige ExpertInnen zu einer wissenschaftlichen Tagung nach Ischgl zu holen. Im Rahmen es Wokshops des Lehrstuhls für Kunstgeschichte der Universität Siegen (Deutschland) und der Abteilung Ältere Kunstgeschichtliche Sammlungen des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum wurden die neusten Forschungsergebnisse ausgetauscht.

International größer machen

"Ich bin begeistert vom Mathias-Schmid-Museum und dass eine Privatperson so viel Zeit investiert. Mit dieser Tagung möchten wir Mathias Schmid wieder international größer machen", betonte Mitorganisator Peter Scholz, Kustos des Tiroler Landesmuseums. Er sprach über "Norm(non-)konfrom: Frauenbilder bei Mathias Schmid und Franz von Defregger". "Während Defregger die Damen nur im Innenraum darstellt, werden bei Schmid auch die Verzweiflung und die Schicksale im Außenbereich gezeigt. Hier zeigt sich, dass Mathias Schmid viel sozialkritischer und spannender ist", Scholz.
Joseph Imorde, Mitorganisator und Kunsthistoriker an der Universität Siegen, ging in seinem Vortrag auf "Mathias Schmid in der Kunstreproduktion" ein: "In so genannten Publikumszeitschriften wie der 'Gartenlaube' mit einer Auflage von bis zu 380.000 Stück war Schmid in seiner Karriere sehr präsent." Mitorganisator Andreas Zeising (Siegen) rückte den volkstümlichen Humor in den Schmid-Bildern in den Vordergrund.

Bereits moderne Verbreitung

Für Helmut Hess (München) war der Paznauner Maler bereits sehr modern, da über die Verlage seine Kunst vermarktet und zum Beispiel als Postkarten reproduziert wurde, was ihm zusätzliche Einnahmen bescherte. Gerade die bürgerliche Mittelschicht hätte sich die populären Bilder an die Wand gehängt.
Lars Zieke (München) beschäftigt sich mit der Rezeption der alten Meister im Volkstümlichen. Matthias Memmel (München) sprach über die Grenzen der Genremalerei im 19. Jahrhundert. Die Landschaftsauffassung von Mathias Schmid stand im Mittelpunkt des Vortrags von Jörg Trempler (Passau): "Spannend ist hier das Bild der Alpen, das sich in seinem Lebenswerk geändert hat. Auch pflegte der Künstler Kontakt zu den Erstbesteigern, wie zum Beispiel beim Piz Buin."
Für Angelika Irgens-Defregger (München), die mit einem Nachfahren von Franz von Defregger verheiratet ist, steht die Verbindung der Tiroler Künstler in München und ihr Netzwerk zu den Dichtern im Mittelpunkt ihres Interesses.
Nina Lübbren (Camebridge) verwies darauf, dass in den Genrebildern immer kleine Anekdoten erzählt wurden. In ihrem Vortrag verglich sie Bilder aus ganz Europa.

Buchprojekt ist geplant

Neben zahlreichen interessierten ZuhörerInnen konnte Erwin Cimarolli bei der Tagung auch den Ischgler Gemeindevorstand Bruno Pfeifer sowie Landtagsvizepräsident Anton Mattle begrüßen, der im Nahmen von LH Günther Platter und Kulturlandesrätin Beate Palfrader die Grüße des Landes Tirol überbrachte.
Mit dem Workshop ist es gelungen Mathias Schmid auf ein neues Niveau zu heben und aus neuen Blickwinkeln zu betrachten, sind sich die ExpertInnen einig. Die Ergebnisse sollen in Form eines Buches herausgeben werden. Für den Tagungsband werden laut Museumsleister Cimarolli aber noch Sponsoren gesucht.

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