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Nauders: Vom römischen Posten zum Alpendorf am Reschenpass
- Nauders blickt auf eine bewegte Geschichte zurück.
- Foto: Celina Leitner
- hochgeladen von Celina Leitner
Zwischen Alpenpässen, Handelsrouten und politischen Umbrüchen liegt Nauders an einem der geschichtsträchtigsten Übergänge des Alpenraums. Der Ort am Reschenpass (1507 m) war über Jahrhunderte Knotenpunkt von Verkehr, Rechtsprechung und Machtinteressen – und trägt diese Vergangenheit bis heute sichtbar in seinem Ortsbild.
NAUDERS. Bereits um das Jahr 50 n. Chr. führte die römische Fernstraße Via Claudia Augusta über den Reschenpass vom Römischen Reich bis nach Augsburg. Nauders gilt als identisch mit der römischen Straßenstation „Inutrium“, die vermutlich schon im 2. Jahrhundert auf einer in Alexandria gefundenen Karte verzeichnet ist. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte im Registrum des Benediktinermönchs Goswin von Marienberg aus den Jahren 1149/52 unter dem Namen „Nuders“. Um 200 n. Chr. verlor die Straße – und damit auch die Station Nauders – an Bedeutung, nachdem der Brenner von den Römern ausgebaut wurde und die Via Claudia Augusta als wichtigste Handelsroute ablöste. Spätestens ab 1300 etablierte sich Nauders als Zollstätte an der zentralen Nord-Süd-Verbindung. Der historische Ortskern zeigt bis heute einen ausgeprägten rätoromanischen Einfluss.
Im 10. Jahrhundert wurde Nauders Teil der Grafschaft Vinschgau und entwickelte sich zum Gericht Naudersberg, einem Hoch- und Blutsgericht. Die Vollstreckungen fanden südlich außerhalb des Ortes statt; die Wiesen tragen noch immer den Namen Beim Hohen Gricht’. Der Zuständigkeitsbereich reichte vom Unterengadin bis Zernez, über den Reschenpass bis Finstermünz. In dieser Rolle geriet Nauders in Konflikte zwischen den **Habsburger**n und den Engadinern. Nach ausbleibenden Zinszahlungen 1475 entflammten die sogenannten Engadiner Kriege, die zwei Jahre dauerten und vor allem die Felder, aber auch Schloss Naudersberg in Mitleidenschaft zogen. Erst 1499 kehrte Ruhe ein. Das Gericht Naudersberg bestand bis zur Teilung Tirols 1919; anschließend wurde das Gebiet dem Bezirksgericht Ried in Tirol unterstellt.
Katastrophen prägten die Ortsgeschichte ebenso: Die Pest entvölkerte 1348 das Dorf nahezu vollständig. 1609 verschüttete eine Lawine Nauders und riss 22 Häuser fort. 1871 verursachte eine Mure aus dem Gamoartal schwere Schäden im Oberdorf, 1880 zerstörte ein Großfeuer 83 Wohnhäuser und 72 Wirtschaftsgebäude.
Auch die Napoleonische Zeit hinterließ Spuren: 1799 marschierten französische Truppen ein, es kam zu Plünderungen und zur Vernichtung von Vorräten. Geistige Impulse setzte später Franz Senn, der von 1872 bis 1881 Pfarrer in Nauders war; ihm ist im Ortszentrum ein Denkmal gewidmet. Verwaltungsrechtlich gehörte Nauders bis Ende 1920 zum eigenen Gerichtsbezirk, wurde danach Ried zugeschlagen und ist seit 1978 Teil des Gerichtsbezirks Landeck.
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