09.02.2018, 09:54 Uhr

Landeck: Asylheim Kaifenau wird geschlossen

Das Asylwerberheim in der Landecker Kaifenau wird mit Ende Februar geschlossen.

Wegen sinkender Flüchtlingszahlen und aufgrund von betriebswirtschaftlichen Gründen soll das Heim Ende Februar zugesperrt werden.

LANDECK (otko). Das Flüchtlingsheim in der Kaifenau gehört seit Jahren zum Bild der Stadt Landeck. Die dort untergebrachten Flüchtlinge bzw. Asylwerber haben sich gut integriert und es gibt keinerlei Probleme. Längst vergessen sind die Zeiten als es zu Beginn politische Widerstände gegen die Unterbringung von Flüchtlingen in Landeck gab. Allen voran machte die FPÖ dagegen massiv mobil. Der damalige SPÖ-Bürgermeister Bertl Stenico ließ sich aber nicht davon beirren.
"Mit dem Flüchtlingsheim lebt die Stadt seit 15 Jahren gut und es hat sich bewährt", betonte auch Bgm. Dr. Wolfgang Jörg in der Gemeinderatssitzung am Donnerstag. Allerdings informierte der Stadtchef in seinem Bericht über die überraschende Schließung des Flüchtlingsheims.
"Vor fünf bis sechs Wochen bekam ich bei einem Termin noch die Informationen, dass der Vertrag ausläuft und die Verhandlungen gut laufen würden. Auch die große soziale Einstellung des Eigentümers wurde hervorgehoben. Als Stadt hätten wir auch keinen Einwand gegen eine Vertragsverlängerung gehabt. Am Mittwoch wurde dann die Stadt dann kontaktiert, dass das Asylwerberheim mit 28. Februar geschlossen wird", so Jörg.

Verträgliche Lösungen

Als Gründe werden seitens der Tiroler Sozialen Dienste GmbH (TSD) vor allem betriebswirtschaftliche Überlegungen – der Vertrag läuft aus und es gibt keine Abschlagszahlungen – sowie der starke Rückgang der Flüchtlingszahlen genannt. Zudem wären auch eine Renovierungen im Gebäude nötig. Das Gebäude – ein ehemaliges Gasthaus – stammt aus den 1930er Jahren. "Die Sanierungskosten würden laut TSD an die 200.000 Euro ausmachen, was zuviel sei", erläuterte der Stadtchef.
Die BewohnerInnen und MitarbeiterInnen wurden bereits über die Schließung persönlich informiert. Auch stelle sich die Frage nach der Integration. "Wir müssen dies zur Kenntnis nehmen. Hier soll es aber verträgliche Lösungen für die MitarbeiterInnen und jene Flüchtlinge geben, die einen Job haben oder eine Lehre machen. Die BewohnerInnen werden an andere Standort verteilt. Ob es dann in Landeck einen Anlaufstandort gegen wird, ist noch offen. Jedenfalls wird es in der Kaifenau keine Flüchtlinge mehr geben", betonte der Stadtchef.

Weitere Schließungen möglich

Auf Anfrage der Bezirksblätter bestätigt Georg Mackner, Pressesprecher der Tiroler Sozialen Dienste GmbH, die Schließung des Flüchtlingsheims. "Die Kaifenau hat ein gutes Team und in gutes Ehrenamt, ohne die es nicht möglich wäre so zu arbeiten. Wir schauen uns aber derzeit alle Standorte an und reden mit den Anbietern. Fakt ist, dass die Flüchtlingszahlen stark zurückgegangen sind und das BFA (Anmerkung: Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl) die aktuellen Verfahren schneller arbeitet. Daher müssen wir aus rein betriebswirtschaftlichen Gründen reduzieren und verschlanken, um einen gesunden Betrieb und um ein gesundes Unternehmen zu schaffen." Dies sei aber nicht nur auf den Bezirk Landeck begrenzt, sondern betreffe die Unterkünfte in ganz Tirol.
Derzeit sind im Bezirk Landeck 197 Flüchtlinge untergebracht. Das Asylwerberheim in der Kaifenau ist mit 58 Flüchtlingen belegt, wobei Platz für 69 Flüchtlinge wäre. Laut Mackner wird sich die Zahl der Flüchtlinge im Bezirk Landeck zwischen 100 bis 150 einpendeln. Deshalb werden auch die weiteren Standorte durchleuchtet. "In der Kaifenau müssen wir den Vertrag nicht kündigen, da er ausläuft. Pfunds geht ganz sicher zu und auch der ehemalige Milchhof in Zams. Schöwies ist mit 31. Juli ebenfalls vakant. Bis Jahresende laufen zudem die Verträge in Serfaus, Strengen, Tobadill, Ried und Fließ-Nesselgarten und Galtür aus. Hier müssen wir schauen, wie es weiter geht. Sicher bestehen bleiben die Unterkünfte in St. Anton am Arlberg, Pians, Ried und Prutz", informiert Mackner. Falls es wieder einen Ansturm an Flüchtlingen geben sollte, verfügt die TSD bei den Unterkünften aber über einen Puffer.
"Die Flüchtlinge aus der Kaifenau werden an alternative Standorte im Oberland untergebracht. Leute, die Arbeit haben werden jedenfalls im Bezirk bleiben und auch Familienverbände werden nicht auseinander gerissen. Zudem werden auch die Prognosen im Verfahren angeschaut. Ob das alles bis 28. Februar passiert, ist derzeit noch völlig offen. Wahrscheinlich werden sie dort noch länger bleiben", so Mackner abschließend.
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Dietmar Kain aus Landeck | 09.02.2018 | 11:06   Melden
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