13.10.2014, 12:50 Uhr

Schlachthof Fließ momentan "still gelegt"

Bernd Jurschitsch hat sich als Metzger einen Namen gemacht.

Keine Schlachtungen derzeit für Bauern in Fließ

FLIESS (jota). Bestrebungen zur Schließung gibt es derzeit beim Schlachthof in Fließ. Metzgermeister Bernd Jurschitsch, der seit Oktober 2007 den Schlachthof in Fließ gepachtet hat, legt den Betrieb voraussichtlich bis Mitte November nieder. Gespräche mit der Gemeinde und Agrar sollen möglichst bald eine für alle zufriedenstellende Lösung bringen.
Auslöser für die Differenzen sind ua laut Jurschitsch die Stromversorgungsengpässe im Schlachthof. Jurschitsch, der jährlich über 1000 Stück Vieh für Bauern aus dem ganzen Bezirk und den angrenzenden Bezirken Imst und Reutte schlachtet, hat nach eigenen Angaben in den letzten Jahren zwischen 12.000 und 15.000 Euro in elektronische Geräte investiert. "Durch die Stromausfälle sind sensible Geräte, wie Waage, Vakuumiermaschine oder Selchanlage kaputt gegangen, die ich auf eigene Kosten ersetzt habe", resümiert Jurschitsch.

Stromversorgung passt

"Von Seiten der Gemeinde passt nun die Stromversorung, wobei die Gemeinde noch nicht für den Schlachthof zuständig ist", so Bgm. Hans-Peter Bock. Eigentümer des Schlachthofes ist derzeit die Agrargemeinschaft Fließ Wald mit Obmann Siegfried Schranz. Es gibt einstimmige Beschlüsse des Gemeinderates und Agrarausschusses für die Regulierung, der Bürgermeister wird dann Obmann und der Gemeinderat Ausschuss.
"Es hat Gespräche mit Bernd Jurschitsch und einem potentiellen Nachfolger gegeben. Ich gehe davon aus, dass wir spätestens in 4 Wochen den Betrieb wieder aufnehmen können", so Bock.

Viel Unterstützung

Unterstützung erhält Jurschitsch von Bauern und Kunden. Seine Produkte, die höchste Qualität aufweisen, sind über die Grenzen des Bezirkes hinaus gefragt. Zwischen 40 und 50 alte Gäule hat der Metzger jährlich geschlachtet, zu Hundefutter verarbeitet und den Tieren somit einen unnötigen Transport nach Italien erspart. Für Notschlachtungen war Jurschitsch rund um die Uhr erreichbar. "Ich habe bei Null begonnen", so Jurschitsch, der sich einen großen Kundenstock aufgebaut hat.
Sollte der Betrieb geschlossen werden, bangt auch Tommi Spiß, der seit ca. 3 Jahren bei Jurschitsch angestellt ist, um seinen Arbeitsplatz.


Verlorene Regionalität

"Wir brauchen einen Metzger wie Bernd", so Reinhard Mair, der bei Jurschitsch schlachten lässt. Denn "Metzger ist nicht gleich Metzger". Das weiß auch Seppl Haueis aus Zams, der ebenso wie viele andere seine Tiere bei Jurschitsch schlachten lässt und Fleischprodukte bezieht. Ein großer Teil der Regionalität ginge verloren, wenn Fließ geschlossen bleibt. Denn es gibt ohnehin kaum mehr kleinstrukturierte Metzger, so die Bedenken. Der Verlust der Regionalität wirkt sich auch auf die Bauern, die ihr Endprodukt nicht mehr schlachten bzw. verarbeiten lassen können, auf die Landwirtschaft und Landschaft aus. "Immer mehr Auflagen und Bürokratie machen das Arbeiten ohnehin schwierig, auch in kulinarischer Sicht", zieht Haueis Bilanz.
Gemeinde und Agrar sind interessiert, dass der Schlachthof wieder geöffnet wird. Verhandlungen, um sämtliche Probleme auszuräumen, werden derzeit geführt, dass es für alle eine zufriedenstellende Lösung gibt. "Wir wollen nicht, dass der Betrieb still steht, ich bin überzeugt, dass der Schlachthof nur kurzzeitig geschlossen bleibt und es dann wieder weitergeht", so Bock.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.