09.09.2014, 11:00 Uhr

Trübe Sommersaison für die Berghütten

Deutliche Umsatzrückgänge: Wenig Freude haben die Hüttenwirte mit dem heurigen Sommer (im Bild die Steinseehütte). (Foto: Anni Traxl)

Das schlechte Wetter brachte deutliche Umsatzrückgänge. Kritik an verallgemeinernden Wetterberichten.

BEZIRK (otko). Der gefühlt verregnete und kühle Sommer ist inzwischen nahtlos in den Herbst übergegangen.
"In Summe liegt der Sommer 2014 immer noch um 0,2 °C über dem vieljährigen Mittel", bilanziert Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), „allerdings bedeutet das auch den kühlsten Sommer seit 2005."
Die Regenmenge lag österreichweit gesehen in diesem Sommer ziemlich genau im Bereich des vieljährigen Durchschnittes, mit einem leichten Plus von zwei Prozent. „Das Mittel über das gesamte Bundesgebiet und den gesamten Sommer verdeckt aber einige regionale Besonderheiten, so war es stellenweise im Tiroler Oberland und in Vorarlberg um 15 bis 45 Prozent nasser, als in einem durchschnittlichen Sommer", erläutert Orlik.

Deutliche Rückgänge

Neben den Freibäderbetreibern haben unter dem anhaltend schlechten Wetter auch die Hüttenwirte besonders gelitten. Das "Schmuddelwetter" hat viele Wanderer und Gäste abgeschreckt und bescherte für die Berggastronomie Einnahmeneinbußen von teils bis zu 30 Prozent.
"Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen, aber uns fehlen heuer im Sommer 400 bis 500 Nächtigungen. Viele Wochenendgäste haben kurzfristig storniert. Beim Tagesgeschäft verlief der Sommer ganz normal, da hier das Wetter nicht so eine große Rolle spielt", blickt Gottlieb Lorenz von der Jamtalhütte in Galtür zurück.
Von einem "lausigen Sommer" spricht auch Leo Spiss vom Hohenzollernhaus im Pfundser Radurschltal: "Wir waren gut gebucht, aber viele haben abgesagt. Uns haben einfach die Tagesgäste gefehlt". Der Pächter hat heuer mit einem Umsatzrückgang von 30 Prozent zu kämpfen.
"Der letzte Sommer war viel besser, auch wir haben einen deutlichen Einbruch", klagt Andrea Raneburger von der Edmund Graf Hütte. Ähnlich geht es auch den Pächtern der Steinseehütte. "Wir haben einen tollen Rückgang und wir sind zudem noch eine Kletterhütte. Bei schlechtem Wetter gehen die Kletterer nicht auf den Weg", berichtet Jutta Reich.
Wo Aufstiegshilfen in der Nähe sind, schaut die Situation aber besser aus. "Wir haben heuer Zuwächse", freut sich Roland Stecher, Bereichsleiter der Gastronomie am Venet.


Prognosen wenig hilfreich

Wenig erfreut zeigen sich die Pächter über die verallgemeinernden Wetterprognosen und die beliebten Wetter-Apps. Oft seien die Prognosen regional wenig treffsicher. "Die ganze Wettersache ist für unser Geschäft schlecht. Die Wetterberichte sind relativ großflächig und regional haben wir oft unterschiedliches Wetter", verweist Spiss. Zudem werde seit Mai fast jeden Tag Gewitter gemeldet. "Heuer hat es zwei Mal abgeblitzt, aber wenn die Gäste im Wetterbericht Gewitter hören, haben sie Angst", kritisiert Leo Spiss.
Als wenig hilfreich sieht auch Andrea Raneburger die Berichte: "Wir waren wettermäßig teilweise begünstigt, aber wenn die Leute Gewitter hören, machen sie keine Tour."
Auch Gottlieb Lorenz sieht die Vielzahl der Wetter-Apps als wenig hilfreich an. "Es gibt ein paar gute, aber ich kann nicht für fünf bis sechs Tage das exakte Wetter voraussagen."
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