18.08.2016, 14:24 Uhr

Burka und Ordensfrau - eine schleierhafte Diskussion

Der Ordensschleier der Barmherzigen Schwestern von Zams - festliches Zeichen und Signal für den Dienst in der Nachfolge Christi - hält dem unpassenden Vergleich mit der islamischen Burka und dem politischen Wind dazu leicht stand. (Foto: Landeck-TV)

Wie die Burka-Ordensschleier-Skandalisierung daneben liegt ---

Eine eigenartige Diskussion ist das, um eine ungeschickte, fast dümmliche Bemerkung eines witzelnden Unwissenden. Die Ordensfrauen von Zams überhaupt in die Burka-Debatte hinein zu ziehen wäre schlechteres Stammtischgeschwätz – wenn auch grün-gescheit angestrichen und auf Facebook veröffentlicht - wäre also eigentlich zu übergehen. Wäre… wenn… ja wenn das donnernde parteipolitische Echo und die damit zu erzielende Polarisierung nicht wären.
Da wird ein grüner Abgeordneter – der sich zugegebenermaßen höchst patschert in ein Nebenproblem der Integration halblustig verwurschtelt hat – mit dem Knüppel der offiziellen Ermahnung bearbeitet. Mit starken, gefühlsgeladenen Ausdrücken preschen da manche vor. Publikumswirksam soll es halt schon sein. Es gilt ja demnächst einen Bundespräsidenten zu wählen… und so wird etwas mehr und knallendere Munition verschossen - jetzt auch österreichweit in den Medien.
Zu viel Aufmerksamkeit an falscher Stelle.
Die Zammer Schwestern kenne ich nun über zwanzig Jahre. Obwohl diese Gemeinschaft so viel Gutes in den mehr als 200 Jahren ihres Wirkens getan hat, steht sie oft als Herausgeforderte und manchmal auch als Beschimpfte da.
Vom ersten Tag an wurden und werden die Initiativen der Ordensfrauen vor Ort nicht immer geschätzt und verstanden.
Vieles von ihrer unermüdlichen Arbeit, ihrem Gebet und ihrer Sorge - und damit das meiste von dem Mehr-Wert, den die Schwestern erarbeitet und in ihre Einrichtungen gesteckt haben, blieb und bleibt unbemerkt, wurde und wird als selbstverständlich und oft unbedankt genommen.
Ja. über alle Parteigrenzen hinweg werden Diskussionen schnell auf finanzielle Gesichtspunkte und das Jetzt reduziert. Begierlichkeiten und verfahrene Polit-Gefühle - ohne das geschichtliche Hintergrundwissen - bezüglich der Liegenschaften und Eigentumsverhältnisse führen da auch schon mal zu offenen und verdeckten Bosheiten gegenüber den Schwestern.
Die Atmosphäre des Zammer Krankenhauses ist lange Zeit durch die Gegenwart der Schwestern, durch ihr Rund-um-die-Uhr–Standby und ihr Gebet geprägt gewesen. Dass dieses Herzstück des Ordens mit so vielen hervorragenden Ärzten, gut ausgebildetem Personal und ausgezeichneten Rahmenbedingungen auch nach 200 Jahren Geschichte noch jedem Vergleich standhält, ist wesentlich ein Verdienst der besorgten und aufmerksamen Führung.
Als noch niemand das Wort "Emanzipation der Frau" kannte, wurde es von den Schwestern bereits gelebt und durch fortschrittliche Bildung und weitsichtige Sorge um die Schülerinnen ermöglicht.
Die Mehrzahl der Schwestern ist in die Jahre gekommen, tiefgehende Veränderungen kommen rasant und wollen vernünftig begleitet sein.
Gute, tragbare Lösungen für die Zukunft müssen überlegt, ausverhandelt und vertraglich gesichert werden. Politisches Fingerspitzengefühl und geschichtliches Bewusstsein sind dabei gefragt.
Die unnötig aufgebrachte Schleier-Burka-Debatte ist dabei weder witzig noch dem dahinter stehenden Problem der Integration angemessen. Allerdings sind auch politische Reaktionen anderer Couleur enttäuschend.
Ein einfaches, unverschleiertes, aber ehrliches „Danke“ an die Schwestern für ihren großen, andauernden und bleibenden Beitrag zur Tiroler Sozial- und Bildungs-, Lebens- und Glaubensgeschichte genügte.
Und das mit der Ver-Schleierung, der Burka und der Würde der Frau braucht dann doch andere und zielführendere Vergleiche als die mit den starken Zammer Ordensfrauen.
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Mag. Monika Himsl aus Innsbruck | 19.08.2016 | 10:26   Melden
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Martin Frank Riederer OPraem aus Landeck | 19.08.2016 | 10:48   Melden
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Mag. Monika Himsl aus Innsbruck | 19.08.2016 | 14:27   Melden
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Martin Frank Riederer OPraem aus Landeck | 19.08.2016 | 19:24   Melden
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