Stark nach Verlust
Christina aus Wolfsberg: "Du kannst immer neu anfangen"

Ganz unerwartet hat Christina Plattner vor sechs Jahren ihren Ehemann verloren und stand plötzlich mit zwei kleinen Kindern alleine im Leben. Ihre Lebensgeschichte hat sie in einem Buch verarbeitet. | Foto: MeinBezirk
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  • Ganz unerwartet hat Christina Plattner vor sechs Jahren ihren Ehemann verloren und stand plötzlich mit zwei kleinen Kindern alleine im Leben. Ihre Lebensgeschichte hat sie in einem Buch verarbeitet.
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Als ihr Mann Bernd völlig unerwartet an einem Herzinfarkt starb, änderte sich das Leben für Christina Plattner aus Wolfsberg schlagartig. Allein mit zwei Kindern musste sie viele Herausforderungen meistern. Dennoch blickt sie der Zukunft positiv entgegen.

WOLFSBERG. Wenn man mit Plattner spricht, spürt man schnell: Diese Frau weiß, wie zerbrechlich das Leben ist und wie viel Kraft trotzdem in ihm steckt. Sie lacht herzlich, spricht offen über Schmerz, Verlust und Hoffnung und darüber, dass es immer einen Weg weitergibt, auch wenn man ihn anfangs nicht sehen kann. Geboren in Klagenfurt, lebt die 35-Jährige heute in Wolfsberg. Dazwischen führte sie die Liebe nach Oberkärnten. Dort baute sie sich mit ihrem Mann Bernd ein Leben auf: zwei Kinder, Hochzeit, Hauskauf, Alltag. Sie arbeitete als Ordinationsassistentin, zuerst im Krankenhaus, später in einer Privatordination. „Es hat einfach alles gepasst“, sagt sie heute.

Dann kam der 3. April 2020

Mitten im ersten Lockdown kam ihr Mann nach der Arbeit nach Hause und ging Rad fahren. Doch wenige Minuten später stand er wieder in der Tür. „Er war grau im Gesicht und bekam schwer Luft. Durch meine Arbeit wusste ich sofort: Das ist kritisch.“ Obwohl er keine Rettung wollte, alarmierte sie Hilfe. Hubschrauber, Reanimation, hoffen. Eineinhalb Stunden lang kämpften Ärzte um sein Leben. Er war erst 37 Jahre alt. Kurz später kam der Anruf aus dem Krankenhaus: Er hatte einen schweren Vorderwandherzinfarkt nicht überlebt.

Eineinhalb Stunden lang kämpften Ärzte um das Leben von Bernd. Er war erst 37 Jahre alt. | Foto: Privat
  • Eineinhalb Stunden lang kämpften Ärzte um das Leben von Bernd. Er war erst 37 Jahre alt.
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Man funktioniert nur

Tochter Melissa war damals acht, Sohn Felix vier Jahre alt. „In der ersten Zeit funktioniert man einfach nur.“ Die Pandemie machte alles besonders schwer. Umarmungen waren verboten, Begräbnisse streng limitiert. „Trauer hatte plötzlich keinen Platz mehr.“ Erst Monate später konnte die Familie einen Gedenkgottesdienst mit Urnenbeisetzung abhalten. „Erst da beginnt das wirkliche Abschiednehmen.“ Neben der Trauer kamen Existenzängste. Hauskredit, Kinder, Beruf. Die Rückkehr ins Arbeitsleben verlief schwierig. Also begann sie neu. Sie machte eine Ausbildung zur Cranio-Sacral-Praktikerin, richtete sich einen Praxisraum zuhause ein und fand darin ihre Berufung. Gleichzeitig baute sie sich als Markenbotschafterin für Ringana ein neues berufliches Standbein auf.

Buch als Mutmacher

Ihre Erfahrungen hat sie in dem Buch „Wir hatten / haben noch so viel vor“ niedergeschrieben. Was als Tagebuch begann, wurde zu einer bewegenden Geschichte über Liebe, Verlust und Hoffnung. Auf Facebook startete sie außerdem die „Bernd-Stein-Reise“: Menschen bemalten Steine für ihren verstorbenen Mann und schickten Fotos aus ganz Österreich. Eine Anlehnung an den Trend aus der Lockdown-Zeit. „Der Kopf hat oft nicht funktioniert, aber die Hände.“

Heute spricht sie offen über Trauer, Einsamkeit und darüber, wie wichtig Hilfe ist. „Viele wissen nicht, was sie sagen sollen. Manche haben sogar die Straßenseite gewechselt. Dabei reicht es oft, einfach da zu sein.“ Seit zwei Jahren lebt die Familie wieder in Wolfsberg, seit drei Monaten in ihrem neuen Haus. Ihren Kindern geht es gut. Und auch sie selbst blickt nach vorne und möchte anderen Mut machen: „Man muss sich nicht allein durchkämpfen. Es gibt Trauerbegleitung oder Psychotherapie. Du kannst immer neu anfangen. Es ist nicht alles zu Ende.“

„Man ist niemals Opfer seines Schicksals, sondern kann stets neue Wege und Lösungen finden.“ Christina Plattner

Gemeinsamer Austausch

Christina Plattner möchte eine Anlaufstelle sein für Menschen, denen es ähnlich ergangen ist. Sie sagt: „Mir ist es einfach wichtig, ein Umdenken zu schaffen. Man ist niemals Opfer seines Schicksals, sondern man kann stets neue Wege und Lösungen finden.“ Kontaktieren kann man sie unter Tina.plattner@gmx.at oder 0660/5892400. Auch ihr Buch soll anderen Mut machen. Nach allen Erfahrungen und Schicksalsschlägen sieht die 35-Jährige positiv in die Zukunft: „Ich glaube daran, dass es das Leben jetzt so richtig gut mit uns meint.“

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