Google Rechenzentrum
Protest in Kronstorf gegen Großprojekt, Land OÖ sieht große Chance
- 17. Juli 2026, 16:52 Uhr
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„Ich bin hier, ich bin laut, weil man uns den Boden und das Wasser klaut“ – mit diesem Sprechchor zogen die Demonstranten am 17. Juli vor die Baustelle des geplanten Google-Rechenzentrums in Kronstorf. Mit selbst gemalten Plakaten, zahlreichen Transparenten machten rund 200 Teilnehmer bei der Protestkundgebung auf ihre Anliegen aufmerksam und forderten Transparenz, Bürgerbeteiligung sowie strengere Umweltauflagen. Während die Organisatoren vor möglichen Folgen des Großprojekts warnte, verteidigte das Land Oberösterreich die Ansiedlung: Wirtschafts- und Energie-Landesrat Markus Achleitner spricht von einem „internationalen Vertrauensbeweis für Oberösterreich“ und verweist auf die wirtschaftlichen Chancen der Milliardeninvestition. Achleitner: „Bedenken werden ernstgenommen!“
Ö./OÖ./LINZ-LAND. Mit einer Kundgebung direkt vor der Baustelle des geplanten Google-Rechenzentrums haben die Teilnehmer der Kundgebung vor dem Rechenzentrum Kronstorf auf die aus ihrer Sicht möglichen Auswirkungen des Großprojekts aufmerksam gemacht. Unterstützt wurde die Veranstaltung von mehreren Umwelt-, Klima- und zivilgesellschaftlichen Organisationen.
Die Initiative, in der sich Vertreter aus Wissenschaft, Kunst, Aktivismus und der Bevölkerung zusammengeschlossen haben, betont, dass sich der Protest nicht gegen die Digitalisierung richte. Im Mittelpunkt stünden viel mehr Forderungen nach mehr Transparenz bei Großprojekten sowie der Schutz von Boden, Wasser und natürlichen Ressourcen.
Kritik am Energieverbrauch
und Flächenversiegelung
Bei der Kundgebung wurden vor allem der erwartete Energie- und Wasserbedarf des Rechenzentrums sowie der Flächenverbrauch thematisiert. Die Bürgerinitiative warnt vor einer möglichen Belastung der Stromnetze und fordert klare gesetzliche Vorgaben für den Energie- und Wasserverbrauch großer Rechenzentren.
Zudem verlangt die Initiative eine verpflichtende Nutzung der entstehenden Abwärme und kritisiert die Versiegelung wertvoller landwirtschaftlicher Flächen. Nach Ansicht der Organisatoren müsse der Schutz von Boden und natürlichen Lebensgrundlagen stärker berücksichtigt werden.
Bürgerinitiative fordert
Transparenz und Schutz der Anrainer
Zu den zentralen Forderungen der Organisatoren zählen die Offenlegung von Vereinbarungen zwischen Politik und Unternehmen sowie umfassende Prüfungen zu möglichen Auswirkungen auf Verkehr, Lärm und Infrastruktur. Auch der Schutz der Anrainer spielt eine wichtige Rolle. Die Initiative fordert verbindliche Maßnahmen gegen mögliche Belastungen durch den Betrieb des Rechenzentrums, etwa durch Lärm oder Abwärme.
Ein weiterer Schwerpunkt der Kundgebung war die digitale Souveränität. Die Organisatoren sprechen sich dafür aus, kritische IT-Infrastruktur stärker unter gesellschaftliche Kontrolle zu stellen und verweisen auf datenschutzrechtliche Fragen bei internationalen Cloud-Diensten.
Achleitner sieht Google-Projekt
als Chance für Oberösterreich
Während die Bürgerinitiative vor möglichen Belastungen durch das Großprojekt warnt, hebt das Land Oberösterreich die wirtschaftlichen Vorteile hervor. Wirtschafts- und Energie-Landesrat Markus Achleitner bezeichnet die Ansiedlung als wichtigen Schritt für den Standort.
„Die Ansiedlung eines neuen Google-Standorts in Kronstorf ist ein klarer internationaler Vertrauensbeweis für unser Bundesland“, erklärt Achleitner. Die geplante Erweiterung mache das Projekt insgesamt zu einer der größten Einzelinvestitionen in der Geschichte Oberösterreichs.
Laut dem Landesrat sollen am Standort rund 100 Arbeitsplätze entstehen. Darüber hinaus erwartet er positive Effekte für die Bauwirtschaft sowie weitere Betriebsansiedlungen. „So wie die erste Ausbaustufe penibelst geprüft worden ist, gibt es auch für die weiteren Ausbaustufen intensive Prüf- und Genehmigungsverfahren“, betont Achleitner.
Stromversorgung und
Umweltprüfung im Mittelpunkt
Auch die Energieversorgung des Rechenzentrums wird kontrovers diskutiert. Das Land verweist darauf, dass die Energieregulierungsbehörde E-Control selbst bei einem möglichen Endausbau mit bis zu 500 Megawatt Leistung keine Gefährdung der Stromversorgung sehe.
Parallel dazu werde der Ausbau erneuerbarer Energien in Oberösterreich weiter vorangetrieben. Achleitner verweist unter anderem auf geplante Windkraftprojekte sowie den Ausbau von Speicher- und Energieinfrastruktur.
Für das Gesamtprojekt liegt laut Land bereits eine wasserrechtliche Genehmigung vor. Die Wasserentnahme für die Kühlung soll unter den gesetzlichen Schwellenwerten bleiben. Auch die Auswirkungen auf die Enns durch zurückgeleitetes Kühlwasser werden vom Land als gering eingestuft. Die entstehende Abwärme soll nach Angaben von Google am Standort selbst genutzt und auch benachbarten Betrieben zur Verfügung gestellt werden.
Bundespolitik meldet sich zu Wort
Die SPÖ fordert angesichts des geplanten Ausbaus des Google-Rechenzentrums in Kronstorf eine Überarbeitung des UVP-Gesetzes. SPÖ-Umweltsprecherin Julia Herr kritisiert, dass Rechenzentren derzeit nicht als eigene Vorhabenskategorie gelten und das Projekt deshalb keiner Umweltverträglichkeitsprüfung unterzogen werde.
„Rechenzentren sind für Wirtschaft, Forschung und Digitalisierung wichtig. Das darf aber nicht bedeuten, dass bei den Auswirkungen auf die Umwelt einfach weggeschaut wird“, so Herr. Die geplante Erweiterung könnte laut Netz Oberösterreich einen Stromverbrauch von bis zu 4,4 Terawattstunden pro Jahr verursachen – fast ein Drittel des gesamten oberösterreichischen Stromverbrauchs. Zudem warnt die SPÖ vor möglichen Belastungen durch Wasserverbrauch und Kühlung.
Kronstorf als Beispiel für
künftige Großprojekte
Die Bürgerinitiative will die Erfahrungen aus Kronstorf künftig weitergeben. Geplant ist unter anderem ein Leitfaden, der andere Bürgergruppen bei ähnlichen Projekten unterstützen soll.
Die Kundgebung wurde unter anderem von „da Huat brennt“, der Solidarwerkstatt Österreich, Parents for Future Oberösterreich, Teachers for Future Oberösterreich, der Klima-Allianz Oberösterreich sowie der Kulturplattform servus.at unterstützt.
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