Während NS-Zeit beschlagnahmt
Land Oberösterreich gibt umfangreiche Mineraliensammlung zurück
- Die mehr als 1.300 Objekte stammen aus den Klostersammlungen, die während der nationalsozialistischen Klosteraufhebungen beschlagnahmt und in die Sammlungen des damaligen „Museums des Reichsgaues Oberdonau“ eingegliedert wurden.
- Foto: OÖLK
- hochgeladen von Silvia Gschwandtner
Die Oberösterreichische Landesregierung hat einstimmig beschlossen, umfangreiche mineralogische Sammlungen an die Stifte Hohenfurth (Vyšší Brod, Tschechien) und Wilhering zurückzugeben. Insgesamt sind 1.432 Objekte betroffen. Grundlage für die Entscheidung ist ein 358 Seiten starkes Dossier, das die Entziehung und den Verbleib der Sammlungen während der NS-Zeit dokumentiert. Das Landesmuseum Oberösterreich hat dazu fünf Jahre geforscht.
LINZ. Die Objekte stammen aus den Klostersammlungen, die während der nationalsozialistischen Klosteraufhebungen beschlagnahmt und in die Sammlungen des damaligen „Museums des Reichsgaues Oberdonau“ eingegliedert wurden. Das Dossier bewertet diese Übernahmen als eindeutig unrechtmäßig und leitet daraus eine rechtliche und moralische Verpflichtung zur Rückgabe ab. „Oberösterreich stellt sich seiner Geschichte und übernimmt Verantwortung. Wenn Eigentum während der nationalsozialistischen Terrorherrschaft unrechtmäßig entzogen wurde, ist es unsere Verpflichtung, daraus die richtigen Konsequenzen zu ziehen", betont Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP).
Kisten auf Dachboden gefunden
Die Rückgabe ist das Ergebnis einer fünfjährigen wissenschaftlichen Untersuchung der Sammlungs- und Institutionsgeschichte des Oberösterreichischen Landesmuseums. Dabei wurden historische Inventare, Korrespondenzen und Dokumente aus den Jahren 1938 bis 1945 ausgewertet. Besonders bemerkenswert ist der Fund von historischen Holzkisten, die 2016 auf dem Dachboden des Francisco Carolinum entdeckt wurden. Erst 2024 und 2025 wurden diese Kisten vollständig untersucht und die darin enthaltenen Objekte den Klostersammlungen zugeordnet. Viele Stücke befanden sich noch in ihrer ursprünglichen Verpackung aus der NS-Zeit. „Ein Museum muss sich nicht nur mit dem beschäftigen, was es bewahrt, sondern ebenso mit der Frage, wie diese Objekte in seine Sammlungen gelangt sind. Die Rückgabe ist für uns keine Frage des Entgegenkommens, sondern eine Frage historischer Verantwortung", so OÖ Landeskultur-Geschäftsführer Alfred Weidinger.
Weitere Provenienzforschung geplant
Die Rückgabe wird nun formell vorbereitet. Die Objekte werden aus den Inventaren des Landesmuseums entfernt und mit einem Restitutionsvermerk versehen. Der gesamte Vorgang wird transparent dokumentiert. Die OÖ Landes-Kultur GmbH plant, die Provenienz ihrer Sammlungen weiter zu untersuchen, auch in Bezug auf Objekte aus kolonialen Kontexten.
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