09.11.2016, 16:21 Uhr

Atommüll-Endlager in Tschechien könnte in 50 Jahren Wirklichkeit werden

Das tschechische Atomkraftwerk Temelin (Foto: williem/Fotolia)
Radioaktiver Müll aus Atomkraftwerken (AKW) ist ein weltweit ungelöstes Problem. Bis heute gibt es kein einziges Endlager. Die Zwischenlager füllen sich immer weiter und selbst wenn der Ausstieg in manchen Staaten beschlossen ist, weiß man nicht, wohin mit den bis heute produzierten 350.000 Tonnen radioaktiven Materials. In Tschechien sind es 100 Tonnen Atommüll pro Jahr. Für etwa eine Million Jahre (!) sichere Lagerung müsste gesorgt werden. „Obwohl das Problem der Endlagerung bekannt ist, wurden und werden weltweit AKW in Betrieb genommen, Fragen der Zukunftsfähigkeit und Sicherheit unter den Teppich gekehrt“, macht Landesrat Rudi Anschober das Problem deutlich. Unsere nördlichen Nachbarn suchen seit Jahren nach einem geeigneten Ort um den produzierten Müll endgültig einzulagern. Bis 2065 soll ein Endlager betriebsbereit sein. „Österreich hat durch einen klugen Bürgerentscheid keinen Beitrag zur Erzeugung des Atommülls geleistet, also dürfen wir auch durch die Entsorgung nicht gefährdet werden“, so Anschober weiter. Die ohnehin bestehende Gefahr durch die beiden AKW, Temelin und Dukovany, würde durch ein Endlager in relativer Nähe dieser beiden Standorte noch vergrößert werden. Alle anderen Möglichkeiten wären für Österreich aber kaum weniger gefährlich.

Insgesamt neun mögliche Standorte

Sieben mögliche Standorte für ein Atom-Endlager wurden in Tschechien – nach erfolgreichem Ausschluss des oö-nächsten Standortes Boletice – gefunden. Diese sollen ausführlich auf die geologische Eignung untersucht werden. Allerdings zeigen fünf davon bereits Widerstand – die Gemeinden klagen den Staat wegen der Genehmigung der Erkundungsarbeiten. Zusätzlich werden seit 2015 auch Endlager-Möglichkeiten direkt bei den beiden AKW in Betracht gezogen – diese würden Österreich am nächsten liegen. Letztere Standorte werden zurzeit unter dem Projekttitel „Moldanubikum“ geprüft. Es wird von einem zustimmenden bzw. zumindest neutralen Verhalten der Bürger ausgegangen. Habe anfangs noch die geologische Eignung an erster Stelle gestanden, so zeige sich mittlerweile die Tendenz zu Gebieten in denen die Zustimmung der Bevölkerung vorhanden ist, erklärt der Antiatom-Beauftragte des Landes Oberösterreich Dalibor Strasky.

Widerstand in der Bevölkerung

16 Gemeinden und 11 Vereine, die durch die Vorbereitung des Endlagers direkt betroffen und gleichzeitig mit der Vorgehensweise der verantwortlichen Staatsinstitute unzufrieden sind, haben eine Plattform gegen die Pläne der tschechischen Regierung gegründet. Hauptziel dieser Plattform ist es, eine gesamtgesellschaftliche Debatte über das Problem der Endlagerung verbrauchter Brennelemente anzustoßen – denn verschwinden wird der radioaktive Müll aus den AKW, bei allen Protesten, nicht bzw. erst in etwa 1.000 Jahrtausenden.
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