Topothek in Großengersdorf ist jetzt online: 100 Archive auf einen Klick

Weinlese im Neusatz 1943.
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  • Weinlese im Neusatz 1943.
  • Foto: Topothek Großengersdorf
  • hochgeladen von Marina Kraft

Ein Traktor von 1939, mehr als 40 Bilder von traditionellen Hochzeiten, zwei flotte Mädels und ein Bursch am Bauernball in den 30er Jahren, die Schulklasse von 1892, … in der Topothek von Großengersdorf gibt es viele historische Schätze zu entdecken – von den 1860er Jahren bis heute. Mit 1251 eingescannten Bildern legt der Ort im südlichen Weinviertel nahe Wolkersdorf nicht nur mengenmäßig die Latte hoch. Die 1550-Einwohner-Gemeinde ist außerdem die 100. Topothek, die ihre virtuellen Pforten öffnet!

4 Jahre Topothek – national und international

Die 100 Topotheken befinden sich zu einem großen Teil in Österreich, aber auch in Deutschland, Finnland, Italien, Estland, Kroatien, Ungarn, Tschechien und Spanien. 2010 ging das erste Online-Archiv für Bildmaterial aus Privatbesitz in der niederösterreichischen Gemeinde Breitenstein online.

Auch heute hat Niederösterreich mit seinen 57 Topotheken die Nase vorne. Ein Grund dafür, ist die aktive Zusammenarbeit mit dem Niederösterreichischen Landesarchiv, das die Topothek im April 2016 zum Landesprojekt machte. Elisabeth Loinig, Leiterin des Niederösterreichischen Instituts für Landeskunde sagt dazu: "Das NÖ. Landesarchiv unterstützt die Topothek nicht nur durch die Vermittlung von archivischem Know-How. Die geplante Langzeitarchivierung auf den Servern des Landes garantiert, dass die Topotheken auch für künftige Generationen erhalten bleiben."

Oberösterreich belegt mit seinen 23 Topotheken Platz übrigens 2, wobei die Bündelung in Regionen seit 2016 hier einen Meilenstein darstellt.

Kostenfreier Zugang zu regionalgeschichtlichem Material

Den Sprung auf internationale Ebene schaffte die Topothek durch die Eingliederung in das Netzwerk der über 160 ICARUS-Institutionen. Das in Wien ansässige Institut für Internationale Archivforschung machte das Online-Archiv 2013 zu einer seiner drei kostenfreien Plattformen zur Bereitstellung von historischem Material.

"In einer digitalen Welt gibt es keinen besseren Weg, um Geschichtswissen zu verbreiten", sagt Thomas Aigner, Präsident des Internationalen Zentrums für Archivforschung und Leiter des Diözesanarchivs St. Pölten.

Topothek-Gründer Alexander Schatek, der das Projekt bei ICARUS koordiniert, fügt hinzu: "Durch die Topothek können wir historische Schätze heben, die ansonsten verloren gehen würden. Kein Archiv der Welt hätte die Kapazitäten, Privatpersonen zu kontaktieren und ihre Fotosammlungen in alten Pappkartons durchzusehen."

Er verweist damit auf das innovative Potential der Topothek, das HobbyforscherInnen zu zentralen "HüterInnen" der Regionalgeschichte macht. "Der einfache Zugang zu historischen Dokumenten ist für mich ein längst notwendiges Bildungsprojekt. Es gibt in fast jeder Stadt und jeder Gemeinde eine Initiative, die historisches Material erschließt und im Web zugänglich macht. Die Topothek hat es sich zum Ziel gesetzt, solche Initiativen sinnvoll und nachhaltig zu verbinden", erklärt Alexander Schatek die Projektidee.

Die Nummer 100 – Großengersdorf

Josef Rögner ist einer dieser "Hüter" - Der Altbürgermeister von Großengersdorf, der bereits 1997 das über die Region hinaus bekannte Museum für Dorfkultur gründete, zeigt sich schon vor Projektstart begeistert: "Endlich gibt es einen Weg, wie mehr Leute die spannenden Fotos aus unserem Museum sehen können. Kaum jemand hat sich bisher die rund 800 Bilder in unseren Ordnern angesehen."

Aber nicht nur bereits vorhandenes Museumsmaterial hat hier Eingang in die Topothek gefunden. Gemeinsam mit acht weiteren Freiwilligen arbeitet der eifrige Pensionist nun schon fast ein Jahr lang daran, Fotos aus dem Privatbesitz der Bevölkerung in die Topothek einzuspeisen. Jeden Dienstag nach 18 Uhr wird in der alten Mühle gescannt, beschlagwortet und verortet!

"Großengersdorf macht deutlich, dass die Topothek auch von sozialer Bedeutung ist"

So können in Großengersdorf auch zukünftige Generationen am Computer entdecken, wie ihre Großeltern und Urgroßeltern in der Region Weinbau und betrieben oder Feste feierten. "Es gibt über 30 verschiedene traditionelle Berufe zu entdecken, vom Schuster, über den Schneider, Tischler und Glaser bis zum Fleischer", fügt Josef Rögner begeistert hinzu.

Um die Topothek in Zukunft auch den älteren Menschen näher zu bringen, sind wöchentliche Topothek-Abende mit den SeniorInnen geplant. "Großengersdorf macht deutlich, dass die Topothek nicht nur von kultureller, sondern auch von sozialer Bedeutung ist", sagt Alexander Schatek. "Sie bringt die Bevölkerung in einem Ort wieder zusammen, und es ergeben sich neue Rollen für die Menschen in den Gemeinden. Das Motto, besonders für ältere Menschen, lautet: Sichert euer Wissen für die nächste Generation."

Weinlese im Neusatz 1943.
Die im Jahre 1618 erstmals urkundlich erwähnte Dorfmühle wurde im Jahr 1997 umgebaut und in ein Dorfmuseum umfunktioniert. Es sind rund 10.000 Exponate aus der damaligen Bauern- und Arbeitswelt ausgestellt. Dorfmuseum und Topothek arbeiten in enger Kooperation.

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