Illmitz/Finnland
Willi Opitz feiert: Besuch aus Finnland in Illmitz
- Sigrid zeigt zusammen mit Willi Opitz die Geschichte des Dragontorp
- Foto: Victoria Nagy
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Wenn Willi Opitz ruft, dann kommt die Welt nach Illmitz. Anlässlich seines 70. Geburtstages verwandelte sich das Weingut Opitz in einen Treffpunkt für Freunde und Wegbegleiter aus aller Herren Länder. Unter den Gratulanten fand sich auch ein besonderer Gast aus dem hohen Norden: Sigrid aus Finnland.
ILLMITZ. Die Geschichte zwischen Sigrid und den Opitz’ begann im Jahr 2019. Damals reiste die Finnin in den Seewinkel, um ihren eigenen runden Geburtstag im Gästehaus Opitz zu feiern. Was als Urlaub begann, endete mit einer visionären Idee: Ein eigenes Weingut in Finnland. Im exklusiven Interview mit MeinBezirk schildert Sigrid, wie aus einer Laune beim Glas Wein ein echtes Pionierprojekt wurde.
Von Neusiedl in den hohen Norden
Sigrid überließ nichts dem Zufall. Sie nutzte die Zeit im Bezirk für intensive Weinverkostungen, um herauszufinden, welche Sorte zu ihr und dem finnischen Klima passt. Die Wahl fiel schließlich auf den Grünen Veltliner aus dem Nordburgenland. Nachdem die Bodenanalysen im hohen Norden grünes Licht gaben, wurden die Rebstöcke sicher verpackt und nach Finnland transportiert.
Weinbau-Know-how „Made in Illmitz“
Dass dieses ehrgeizige Projekt im hohen Norden überhaupt Realität werden konnte, verdankt Sigrid der tatkräftigen Unterstützung des Jubilars. Willi Opitz ließ es sich nicht nehmen, sein jahrzehntelanges Fachwissen persönlich einzubringen. Mit viel Liebe zum Detail und echter burgenländischer Handschlagqualität sorgte er für die nötige Präzision: So zeichnete er nicht nur einen exakten Pflanzplan für das finnische Grundstück, sondern übernahm auch die gesamte Kalkulation und sämtliche Berechnungen, die für den Erfolg des fernen Weingartens entscheidend waren.
- Willi und Maria Opitz mit dem Wein vom Weingut Dragontorp
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Andere Länder, andere (Tier-)Sorgen
Beim Aufbau des finnischen Weinguts stieß man jedoch auf Herausforderungen, die ein burgenländischer Winzer so nicht kennt. Während man sich in Illmitz mit Netzen und akustischen Signalen gegen die Stare schützt, hat man im Norden ganz andere „Gäste“ im Visier. „Wir mussten einen insgesamt 2 Meter hohen Zaun bauen“, lacht Sigrid. Denn in Finnland sind es nicht die Vögel, die auf die jungen Triebe scharf sind, sondern Rehe und Elche, die den Weingarten als Buffet betrachten.
Europäische Technik und finnische Tradition
Doch mit den Rebstöcken allein war es nicht getan. Da Finnland bisher kaum für den Weinbau gerüstet ist, musste Sigrid bei der technischen Ausstattung kreativ werden. In einer europaweiten Recherche suchte sie sich jene essentiellen Werkzeuge zusammen, die die Weinwelt revolutioniert haben – von der Presse bis hin zum speziellen Equipment für die Kellerarbeit. Stück für Stück reiste die Ausrüstung in den Norden, bis nach der erfolgreichen Auspflanzung der spannendste Teil begann: das Warten auf die erste Ernte.
Die Sauna als Gärkeller
Eine der größten Herausforderungen im kühlen Norden ist die benötigte Wärme für die Fermentation. Doch hier bewies Sigrid echten finnischen Erfindergeist. Während man im Burgenland auf klimatisierte Keller setzt, nutzte sie eine Ressource, die in Finnland fast jedes Haus bietet: die Sauna. Was traditionell der Entspannung dient, bot hier die idealen Bedingungen und die nötige konstante Wärme, um den Gärprozess perfekt zu unterstützen.
Dragontorp
Besonders stolz ist Sigrid auf den Namen ihres Weinguts: Dragontorp. Der Name ist eine Hommage an die Geschichte ihres Anwesens, das einst als Stützpunkt für berittene Soldaten – sogenannte Dragoner – diente. Die Soldaten waren hier das ganze Jahr über stationiert. Wo früher die Geschichte des Nordens geschrieben wurde, schlägt sie nun mit ihrem finnischen Wein ein neues Kapitel auf, das seine Wurzeln im burgenländischen Illmitz hat.
2025: Die historische erste Ernte
Das Jahr 2025 markierte schließlich den großen Meilenstein: die allererste Ernte auf finnischem Boden. Sigrid wagte sich dabei direkt an die Königsdisziplin und startete mit einem Orange-Wein – einer Stilistik, die besonderes Fingerspitzengefühl und eine „spezielle Hand“ verlangt. Der Mut wurde belohnt: Der Wein präsentiert sich mit einem wunderschönen Spiel am Gaumen, ist leicht und dezent fruchtig, bewahrt sich aber gleichzeitig jene feine Bitterkeit, die charakteristisch ist, ohne dabei aufdringlich zu wirken.
- Der wunderschöne Weingarten im Sommer
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Auch der Grüne Veltliner aus Illmitzer Wurzeln erwies sich als voller Erfolg. Sigrid füllte den Wein in drei Varianten ab, die durch den zeitlichen Abstand der Abfüllung unterschiedliche Charaktere entwickelten. Trocken, Halbtrocken und Lieblich. Während die erste Charge durch jugendliche Frische und Frucht besticht, zeigt sich die zweite Abfüllung deutlich reifer und klarer im Geschmack. In Illmitz war man sich bei der Verkostung einig, dass dieses Projekt ein wunderbares Beispiel dafür ist, wie aus einer Begegnung im Seewinkel eine internationale Erfolgsgeschichte werden kann.
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