Vor 575 Jahren
Als Niederösterreich gegen die Macht des Kaisers rebellierte
- Noch zu jung zum Regieren, aber bereits im Mittelpunkt der Politik: Ladislaus Postumus wurde in Niederösterreich zum Auslöser eines historischen Kräftemessens.
- Foto: Kunsthistorisches Museum Wien, Bilddatenbank
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Ein Schloss im Weinviertel, ein junger Thronerbe und mächtige Männer, die dem Herrscher die Stirn bieten: Im Jahr 1451 wird Mailberg zum Schauplatz eines außergewöhnlichen Machtkampfs. Adelige und Vertreter von Städten aus Nieder- und Oberösterreich schließen sich zusammen, um gegen den Einfluss des späteren Kaisers Friedrich III. aufzutreten. Ihr Bündnis geht als Mailberger Bund in die Geschichte ein und zeigt, dass politische Mitsprache schon vor mehr als 570 Jahren ein umkämpftes Thema war.
NÖ. Um die Geschichte zu verstehen, muss man sich ins 15. Jahrhundert zurückversetzen. Damals gibt es weder ein Parlament wie heute noch Wahlen, bei denen die Bevölkerung über die politische Führung entscheidet. Die Macht liegt vor allem bei Herrschern und Adeligen. Doch auch diese sind sich nicht immer einig.
Ein junger König und ein mächtiger Vormund
Im Mittelpunkt steht Ladislaus Postumus. Er ist der Erbe der Habsburger, aber noch ein Kind. Deshalb steht er unter der Vormundschaft seines Onkels Friedrich IV., der später als Kaiser Friedrich III. bekannt wird. Friedrich kontrolliert damit auch, wer im Namen des jungen Erben Entscheidungen treffen kann.
Das gefällt vielen Adeligen und Städtevertretern nicht. Sie wollen, dass Ladislaus die Vormundschaft hinter sich lässt und selbst die Herrschaft übernimmt. Dahinter steckt auch die Frage, wer im Land tatsächlich das Sagen hat.
Ein Bündnis mit weitreichenden Folgen
Am 14. Oktober 1451 kommen auf Schloss Mailberg im heutigen Bezirk Hollabrunn Vertreter der nieder- und oberösterreichischen Stände zusammen. Unter der Führung von Ulrich von Eyczing verbünden sie sich gegen Friedrichs Vormundschaft. Zahlreiche Adelige, Ritter und Städtevertreter unterstützen das Vorhaben.
- Zwischen historischen Mauern wurde Politik gemacht: In Mailberg schlossen sich Adelige und Städtevertreter im Kampf um mehr Einfluss zusammen.
- Foto: Kupferstich von Georg Matthäus Vischer
- hochgeladen von Lina Chalusch
Man kann sich das Treffen als Zusammenschluss einflussreicher Gruppen vorstellen, die gemeinsam mehr erreichen wollen, als es jede für sich könnte. Der Mailberger Bund ist dabei nicht mit einer modernen Bürgerbewegung gleichzusetzen: Die Beteiligten vertreten vor allem ihre eigenen politischen und wirtschaftlichen Interessen. Trotzdem zeigt das Bündnis, dass selbst ein Herrscher nicht völlig ohne Widerstand regieren kann.
Der Konflikt spitzt sich zu
Der Streit bleibt nicht nur eine Angelegenheit auf Papier. 1452 eskaliert die Auseinandersetzung, als Friedrich in Wiener Neustadt belagert wird. Schließlich müssen er und seine Anhänger nachgeben: Ladislaus wird herausgegeben und kann seine Herrschaft antreten.
Für die Stände ist das ein wichtiger Erfolg. Sie haben gezeigt, dass sie sich organisieren und gemeinsam Druck auf einen mächtigen Herrscher ausüben können. Der Mailberger Bund wird damit zu einem bedeutenden Ereignis der österreichischen Geschichte.
Ein Stück Weltgeschichte mitten im Weinviertel
Heute erinnert Schloss Mailberg an jene Zeit, in der im Weinviertel um Macht, Herrschaft und politische Einflussmöglichkeiten gerungen wurde. Die Anlage befindet sich seit 1146 im Besitz des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens und ist bis heute eng mit der Geschichte des Ortes verbunden.
Der Mailberger Bund macht Geschichte greifbar: Hinter den Namen und Jahreszahlen stehen Menschen, die um Einfluss ringen und ihre Interessen durchsetzen wollen. Die politischen Spielregeln waren damals völlig andere als heute, doch die Frage, wer Entscheidungen treffen darf und wer dabei mitreden kann, ist bis heute aktuell.
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