NÖ baut Gesundheitswesen um
Es ist fix – diese 11 Notarztstützpunkte werden geschlossen

Gemeinsam mit Vertretern der Rettungsorganisationen, des ÖAMTC, der LGA sowie Städte- und Gemeindebundes, gaben SPÖ-Landesrätin Eva Prischl, VP-Landesrat Ludwig Schleritzko und FPÖ-Landesart Martin Antauer die NEF-Stützpunkte bekannt, die ab April 2027 geschlossen und zu RTW-C Standorten umgebaut werden. | Foto: Sandra Schütz
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  • Gemeinsam mit Vertretern der Rettungsorganisationen, des ÖAMTC, der LGA sowie Städte- und Gemeindebundes, gaben SPÖ-Landesrätin Eva Prischl, VP-Landesrat Ludwig Schleritzko und FPÖ-Landesart Martin Antauer die NEF-Stützpunkte bekannt, die ab April 2027 geschlossen und zu RTW-C Standorten umgebaut werden.
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Mit dem Gesundheitsplan 2040+ bleibt im Niederösterreichischen Gesundheitswesen kein Stein auf dem anderen. Neben der Spezialisierung von Spitälern, der Bündelung von Ressourcen und dem Überarbeiten von Arbeitsabläufen und Prozessen, ist es der Einschnitt im Rettungs- und Notarztwesen, der in vielen Gemeinden in den vergangenen Wochen und Monaten die Wogen hochgehen ließ. Jetzt steht fest, welche der 32 Notarztstützpunkte (NEF) auch in Zukunft erhalten bleiben und welche geschlossen werden.

NÖ. Das Niederösterreichische Gesundheitssystem soll fit für die Zukunft werden. Mit dem Gesundheitsplan 2040+ will es das Land komplett umbauen. Auch das Rettungs- und Notarztwesen ist davon betroffen. Konkret sollen die Notarztstützpunkte von aktuell 32 auf 21 reduziert werden.

21 NEF-Standorte und 86 RTW-C Standorte werden künftig 573 NÖ-Gemeinden versorgen. | Foto: Sandra Schütz
  • 21 NEF-Standorte und 86 RTW-C Standorte werden künftig 573 NÖ-Gemeinden versorgen.
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Übten sowohl Gemeinden als auch Notärztinnen und Notärzte sowie das Rote Kreuz selbst massive Kritik an den Schließungsplänen – sogar Demonstrationen wurden abgehalten und Petitionen ins Leben gerufen – so setzen SPÖ-Landesrätin Eva Prischl, VP-Landesrat Ludwig Schleritzko und FPÖ-Landesrat Martin Antauer nun bisherigen Mutmaßungen über die betroffenen Notarztstandorte ein Ende.

Es ist fix – geschlossen werden ab April 2027:

  • Aspang
  • Groß Enzersdorf
  • Groß Gerungs
  • Hainburg
  • Klosterneuburg
  • Pöggstall
  • Purkersdorf
  • Raabs/Thaya
  • Retz
  • Waidhofen/Ybbs
  • Ybbs Persenbeug.

Diese elf NEF-Standorte werden künftig zu RTW-C Standorten umgewandelt.

21 Notarztstützpunkte für 573 Gemeinden

Im Industrieviertel bleiben somit die Notarztstützpunkte in Baden, Mödling, Neunkirchen, Schwechat und Wiener Neustadt erhalten; im Mostviertel Amstetten, Melk und Scheibbs. Lilienfeld, Neulengbach, St. Pölten und Tulln werden den Zentralraum Niederösterreichs versorgen. Das Waldviertel wird von den NEF-Stützpunkten in Gmünd, Horn, Krems, Waidhofen/Thaya und Zwettl aus versorgt. Im Weinviertel bleiben die Stützpunkte in Gänserndorf, Hollabrunn, Korneuburg und Mistelbach erhalten.

Notruf NÖ-Geschäftsführer Christian Fohringer erläutert mit Landesrätin Prischl die Auswahlkritierien für die weiter bestehenden NEF-Standorte. | Foto: Sandra Schütz
  • Notruf NÖ-Geschäftsführer Christian Fohringer erläutert mit Landesrätin Prischl die Auswahlkritierien für die weiter bestehenden NEF-Standorte.
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Die Entscheidung, welche Notarztstützpunkte geschlossen und welche erhalten bleiben, habe sich nach klaren Kriterien gerichtet, erklärt Landesrätin Prischl.

"Es gibt künftig einen Notarztstützpunkt pro Bezirk und einen in der Landeshauptstadt St. Pölten. Die 21 Notarztstützpunkte sowie 86 RTW-C Standorte decken 573 Gemeinden in Niederösterreich ab."

Und Notruf NÖ-Geschäftsführer Christian Fohringer fügt hinzu: "Die Standorte wurden an bestehende Kliniken gekoppelt, die eine zentrale Rolle in der Notarztausbildung übernehmen. Zudem haben wir bestehende Standorte erhalten, um keine neuen Infrastrukturen und Mannschaften schaffen und finden zu müssen."

Gebündelte Kompetenz und Fokus auf Ausbildung

Rund 300.000 Rettungsdiensteinsätze gibt es pro Jahr, bei etwa 7.000 davon ist ein Notarzt vor Ort. Das System gerate an seine Leistungsgrenzen, sagt Landesrätin Prischl. Auch die bevorstehende Pensionierungswelle – etwa 31 Prozent der Notärzte stehen vor dem Ruhestand – sowie erhöhte Teilzeitbeschäftigungen führen dazu, dass Personal zur kritischen Ressource wird.

"Haben früher 60 Mediziner pro Jahr die Notarztausbildung gemacht, so waren es 2024 nur neun",

fügt Prischl hinzu.
Gepaart mit den historisch gewachsenen Strukturen des Rettungswesens, der fehlenden überregionalen Ausrichtung und Steuerung sowie veränderten Bevölkerungsstrukturen sei eine Neuausrichtung notwendig, um flächendeckende Versorgung garantieren zu können.

Und Landesrätin Eva Prischl verspricht: "Erst wenn die Voraussetzungen geschaffen sind, wird es zu Veränderungen in den Regionen kommen – da bin ich den Niederösterreicherinnen und Niederösterreichern im Wort".

"Rettungskette" soll mit April 2027 greifen

Zusätzlich zu den 21 Notarztstützpunkten werden künftig auch 86 RTW-C Standorte für die notfallmedizinische Versorgung in Niederösterreich zuständig sein. Dort sind speziell geschulte Notfallsanitäter mit erweiterten Befugnissen und zusätzlich ausgerüsteten Rettungswägen stationiert.
Ergänzt werde die "Rettungskette" künftig mit wohnortnahen First Respondern, dem Einsatz der Acute Community Nurses – vier weitere Standorte sind in Planung – sowie Telenotfallmedizin. Zudem werden die Versorgungszeiten der Flugrettung optimiert.

70 Millionen für die Gemeinden

Eine der größten Herausforderungen im Gesundheitswesen ist die Finanzierung. Um die Lücke der Jahre 2022 bis 2025 zu schließen, schießt das Land 70 Millionen Euro zu. Damit sei jedoch erst, wie es Landesrat Schleritzko auf den Punkt bringt, die Lücke der Vergangenheit geschlossen. "Dass Reformen notwendig sind, liegt auf der Hand."

Der Finanzierungsschlüssel für das Rettungswesen wird neu aufgeteilt: künftig wird vom Land zu 40 Prozent kofinanziert, gaben Andreas Kollross (Präsident NÖ Gemeindevertreterverband) und Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl bekannt. | Foto: Sandra Schütz
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Um die Gemeinden bei den Kosten im Rettungswesen zu unterstützen, wird der Kofinanzierungssatz des Landes künftig von derzeit 28 auf 40 Prozent erhöht. Zudem werde der Kostenbeitrag der Gemeinden bis 2030 gedeckelt. "Auf die Einwohner umgerechnet, bedeutet das 19,50 Euro pro Kopf und die sind fix bis 2030", erklärt Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl. 
Und eines ist Pressl sowie Andreas Kollross, Präsident des NÖ Gemeindevertreterverbandes, wichtig zu betonen: Städte und Gemeinden sind für die Finanzierung des Rettungswesens zuständig, nicht für das Notfallwesen. "Das System ist mittlerweile so umfangreich geworden, dass es mit den bisherigen, ehrenamtlichen Sturkturen nicht mehr zu bewältigen ist. Die Deckelung und klaren Regeln für die nächsten fünf Jahre geben nun auch Städten und Gemeinden Planungssicherheit", so Kollross.

Rettungs-Schilling

Im Rettungs- und Krankentransport fallen jährlich etwa 900.000 Fahrten an. Pro Kopf wird hier der sogenannte "Rettungs-Schilling" fällig. Dieser beträgt 32 Euro pro Einwohner – 19 werden aktuell von den Gemeinden und Städte getragen, 13 vom Land. Die Kostendeckelung sei, so Pressl, also eine "Ansage an die Reform".

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