80 Jahre OÖ Landesjagdverband
"Jagd ist ein selbstverständlicher Teil der Gesellschaft"
- Landesjägermeister Herbert Sieghartsleitner fordert von "seinen" Jägern Maß und Ziel beim Einsatz modernster Technik bei der Jagd.
- Foto: OÖLJV
- hochgeladen von Felix Aschermayer
"Jagd ist ein selbstverständlicher Teil der Gesellschaft", betont Landesjägermeister Herbert Sieghartsleitner. 80 Jahre nach seiner Gründung habe der oberösterreichische Landesjagdverband deshalb sogar so viele Mitglieder wie nie zuvor, immer mehr Frauen in den Revieren und freut sich über wachsendes Interesse auch im urbanen Bereich. Die Jagd sei im Wandel – zwischen Tradition, Naturschutz und gesellschaftlicher Verantwortung.
OÖ. Gegründet wurde der Landesjagdverband 1946 – in einer Zeit, in der nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur Städte und Dörfer, sondern auch die Wildbestände kaputt waren. 18 Persönlichkeiten rund um den damaligen Landeshauptmann Heinrich Gleißner legten deshalb den Grundstein für die organisierte Jagd in Oberösterreich. "Schon damals hat man erkannt, welchen Wert und welche Schönheit Natur und Jagd haben", so Sieghartsleitner im Rahmen einer Pressekonferenz am Donnerstag.
Neue Herausforderungen
Die Grundidee sei auch bis heute dieselbe geblieben, die Herausforderungen hätten sich jedoch massiv verändert. Freizeitdruck, Zersiedelung, Infrastrukturprojekte und Klimawandel würden Wildtiere zunehmend unter Druck setzen. "Es ist also heute mehr denn je unsere Aufgabe, den Wildtieren eine Stimme zu verleihen und ihre Ansprüche geltend zu machen“, so Sieghartsleitner. Die Jägerschaft verstehe sich dabei als Vermittlerin zwischen Naturschutz, Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Gesellschaft.
"Waren noch nie so viele"
Die Jagd erlebt in Oberösterreich derzeit einen regelrechten Boom. Bereits 22.000 aktive Weidmänner und Frauen gibt es aktuell in OÖ. Rund 800 neue kommen jedes Jahr dazu. "Wir waren noch nie so viele und jeder ist in dieser Familie willkommen“, so Sieghartsleitner. Auffällig sei dabei vor allem, dass immer mehr Menschen aus urbanen Regionen den Weg zur Jagd finden würden. Viele würden Ruhe suchen oder hätten Sehnsucht nach Natur und Ursprünglichkeit. Auch der Wunsch nach regionalem Fleisch und dem selbst erlegten Nahrungsmittel spiele eine immer größere Rolle.
Jagd wird weiblicher
Auch die Rolle der Frauen verändert die Jagd spürbar. Laut der Sozialwissenschafterin und Jägerin Isabella Boitllehner sei das Bild vom ausschließlich männlichen Jäger historisch längst widerlegt. „Die Zukunft der Jagd ist vielfältig, offen und modern“, sagte sie. Frauen würden immer stärker Verantwortung in Revieren und Verbänden übernehmen. Etwa 10 Prozent der aktiven Jäger im Land sind mittlerweile Frauen. Unter den Prüflingen liegt der Wert in vielen Kursen bei bereits knapp 25 Prozent
Technik fordert Selbstdisziplin
Der Linzer Moraltheologe Michael Rosenberger erläuterte die ethische Dimension der Jagd. Insbesondere die vielen Rituale der Jagd seien Ausdruck von Respekt und Achtung gegenüber dem Tier und stünden für eine Haltung der Verantwortung. Gerade angesichts immer leistungsfähigerer Technik brauche es auch klare Grenzen, so Sieghartsleitner: „Der Zweck heiligt nicht alle Mittel.“ Das Wesen der Jagd müsse bleiben, dass Wildtiere eine reale Chance haben zu entkommen. Von den OÖ Jägern fordert er deshalb beim Einsatz modernster Technik wie etwa KI bei der Zielerfassung eine entsprechende Selbstdisziplin.
Aktuelle Nachrichten aus Oberösterreich auf
Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.