Robert Hartlauer
"Arbeitsleistung endlich weniger besteuern"

Robert Hartlauer im MeinBezirk-Interview: "Wir haben das Glück, dass wir eigentlich kein klassischer Händler mehr sind, sondern schon vor Jahren in den Dienstleistungsbereich eingestiegen sind." | Foto: MeinBezirk/Thomas Siegl
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Vom einstigen "Fotolöwen" hat sich Hartlauer zum Dienstleister in Sachen Optik, Hörgeräten, Smartphones und Foto entwickelt. Eigentümer Robert Hartlauer verriet MeinBezirk Oberösterreich-Chefredakteur Thomas Winkler im Interview, wo er die Zukunft für sein Unternehmen sieht, welche Forderungen er an die Politik stellt ,und dass Künstliche Intelligenz bei Hartlauer fast überall eingesetzt wird.  

STEYR. 1.800 Mitarbeiter und knapp 200 Lehrlinge haben 2024 in den 154 Hartlauer-Filialen und der Zentrale in Steyr 354,6 Millionen Euro erwirtschaftet.

Der Handel hat durch die schwache Nachfrage und die Billigkonkurrenz von Onlineplattformen schwer zu kämpfen – wie geht es Hartlauer?
Robert Hartlauer:
 Wir haben das Glück, dass wir eigentlich kein klassischer Händler mehr sind, sondern schon vor Jahren in den Dienstleistungsbereich eingestiegen sind. Optik und Hörgeräte sind mit rund zwei Drittel Umsatzanteil die wichtigsten und sehr konstante Geschäftsbereiche. Sie haben mit klassischem Handel eigentlich nichts zu tun, die Dienstleistung ist das Thema: Seh- und Hörtests, die nachfolgende Beratung fürs richtige Produkt, die Anpassung. Und dazu kommt der komplexe Bereich der Brillenfertigung, die haben wir vor zwei Jahren neu aufgebaut, und darüber eine riesige Ausbildungswerkstätte. 

Preisvergleiche sollen niemanden an den Pranger stellen

Hartlauer ist bekannt für seine vergleichende Werbung und wird dafür auch immer wieder kritisiert. 
Mein Vater hat damit begonnen, und wir haben auch heuer zwei solcher Preisvergleiche gehabt. Eher um unseren Mitarbeitern zu zeigen, was wir können. Wir liegen bei einer Premium-Gleitsichtbrille bei ungefähr 50 Prozent vom Marktpreis. Wir haben mit den Preisvergleichen nicht die Intention, einen einzelnen Optiker an den Pranger zu stellen, sondern wollen ausdrücken, wie günstig wir sind. Das ist eines unserer Erfolgsgeheimnisse: Höchste Qualität – wir beschäftigen zu 100 Prozent Optiker – und eine sehr wirtschaftliche eigene Fertigung. Einziger Nachteil ist die etwas längere Lieferzeit gegenüber jenen Optikern, die im Geschäft die Gläser einschleifen. Aber dafür machen wir das mit wesentlich höherer Genauigkeit, weil wir in unserer Fertigung Messungen und Prüfungen haben, die es im Geschäft gar nicht gibt. Dazu kalkulieren wir eben bescheidener, weil wir aus einem Geschäftsbereich kommen, wo das immer notwendig war. Und der Einkauf in größeren Mengen hilft uns beim Preis natürlich auch.

Blaulichtfilter zum entspannteren Lernen

Gibt es im Brillenbereich noch Innovationen, mit denen man sich abheben kann?
Ja, erstens mit Individualgleitsichtgläsern, für die sehr aufwändig alles vermessen werden muss, weil man den genauen Sitz der Brille mit berücksichtigt. Auch da liegen wir bei der Hälfte des Marktpreises. Dazu kommen eigene Glas-Geometrien für Kinder mit fortschreitender Kurzsichtigkeit. Das wird immer mehr zum Thema, weil die Kinderaugen immer stärker in der Nähe arbeiten müssen, durch den Gebrauch von Smartphones. Und ein großer Trend in den letzten Jahren sind Blaulichtfilter. Du bist entspannter, wenn das Blaulicht weggefiltert wird, unsere Kinder setzen sich solche Brillen zum Lernen auf.

Welche Rolle Fotografie noch fürs Unternehmen spielt? Robert Hartlauer: "Nur mehr eine untergeordnete, auch wenn es mein Lieblingsbereich ist. Sehr gut sind wir bei den Passbildern, das ist unser Steckenpferd." | Foto: MeinBezirk/Thomas Siegl
  • Welche Rolle Fotografie noch fürs Unternehmen spielt? Robert Hartlauer: "Nur mehr eine untergeordnete, auch wenn es mein Lieblingsbereich ist. Sehr gut sind wir bei den Passbildern, das ist unser Steckenpferd."
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Welche Rolle spielt die Fotografie noch für den "Fotolöwen"?
Nur mehr eine untergeordnete Rolle, auch wenn es mein Lieblingsbereich ist. Sehr gut sind wir bei den Passbildern, das ist unser Steckenpferd.

Dienstleistung ums Smartphone immer wichtiger

Rund ums Smartphone dürfte die Konkurrenz auch groß sein ...
Wir sind da einerseits die Partner der Netzbetreiber, andererseits sind sie mit ihren Shops auch unsere Mitbewerber – vor allem, weil viele Kunden nicht wissen, dass sie ihre Vertragsverlängerung oder den SIM-Karten-Tausch auch bei uns machen können. Unsere Strategie ist die Beratungsqualität – Dienstleistung ist auch im Handybereich im stärker gefragt. Wir überspielen Smartphones, sichern Daten, helfen, das digitale Amt einzurichten, die Berechtigungen oder ein Familienkonto richtig einzustellen. Diese entgeltlichen Dienstleistungen werden in Zukunft noch wichtiger, weil das Smartphone das wichtigste Gerät des Lebens ist. 

Mit den österreichweit 154 Filialen sind Sie in diesem Bereich auch sowas wie ein Nahversorger – wollen Sie diese flächendeckende Präsenz aufrechterhalten? 

Oberstes Ziel ist, dass ich jedes einzelne Geschäft positiv führe. Das hat weniger mit dem Standort zu tun, sondern eher mit der Qualität des Teams. Entscheidend ist für mich nicht, ob es eine große oder kleine Stadt ist, sondern etwa, ob es einen Ohrenarzt gibt. Ich glaube an die Zukunft unserer flächendeckend verteilten Filialen, weil wir eben nicht reines Handelsgeschäft betreiben. 

Robert Hartlauer: "Denken darüber nach, ob wir den Onlineshop langfristig brauchen." | Foto: MeinBezirk/Thomas Siegl
  • Robert Hartlauer: "Denken darüber nach, ob wir den Onlineshop langfristig brauchen."
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Wie wichtig ist der Onlineshop für Hartlauer? 
Unser Onlineshop funktioniert in einzelnen Bereichen sehr gut, aber wir denken natürlich auch darüber nach, ob wir den langfristig brauchen. Unser Ziel ist: Wenn wir was machen, wollen wir Nummer 1 sein, nicht Nummer 3 oder 4. Dafür müsste man viel investieren, um gegen die großen Online bestehen zu können, bei denen teils noch am Tag der Bestellung geliefert wird. Insgesamt hat der Onlineshop für Hartlauer nie große Bedeutung gehabt, weil unser klassischer Kunde das Persönliche, die Beratung liebt. 

Temu, Shein & Co. – "Wahnsinn, dass man das zulässt"

Im Online-Bereich machen dem Handel Billig-Angebote von Temu, Shein & Co. zu schaffen, die großteils nicht angemessen verzollt werden und deren Qualität oft nicht europäischen Anforderungen entspricht. 
Da hätte schon längst was passieren sollen, vor 15 Jahren. Damals habe ich das erste Mal gesagt, dass es Wahnsinn ist, dass man das zulässt. Es ist ein Irrsinn. Wenn ich keine Mehrwertsteuer abführe, mache ich mich sofort strafbar. Und bei diesem Onlinehandel sagt man "lustig" und schaut zu. Aber das ist nur ein Bereich, der daneben läuft.

Robert Hartlauer: "Ganz wesentlich für mich wäre, dass man endlich Arbeitsleistung weniger besteuert und Menschen, die gerne und fleißig arbeiten, mehr profitieren lässt." | Foto: MeinBezirk/Thomas Siegl
  • Robert Hartlauer: "Ganz wesentlich für mich wäre, dass man endlich Arbeitsleistung weniger besteuert und Menschen, die gerne und fleißig arbeiten, mehr profitieren lässt."
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Sie sind bekannt dafür, sich bei der Kritik an der Politik kein Blatt vor den Mund zu nehmen – was läuft sonst noch falsch?
Ganz wesentlich für mich wäre, dass man endlich Arbeitsleistung weniger besteuert und Menschen, die gerne und fleißig arbeiten, mehr profitieren lässt. Über alle Hartlauer-Mitarbeiter gerechnet – vom Lehrling bis zum Topverdiener – kommen von unseren gesamten Lohnkosten nur 47 Prozent als Nettolohn bei den Mitarbeitern an. Da kann mir keiner erzählen, dass das okay ist. Meinem Gefühl nach müssten mindestens 60 Prozent bei dem ankommen, der etwas leistet. Aber begünstigt wird der, der weniger arbeitet, weil er in eine niedrigere Steuerklasse fällt. Das kann doch kein ernsthaftes Konzept sein. Natürlich muss es eine Regelung für Mütter nach der Karenz geben. Erziehungsarbeit sollte viel höher wertgeschätzt werden, Mütter oder auch Väter, die nachweislich für die Erziehung bei ihren Kindern bleiben, sogar vom Staat bezahlt werden, weil Kindererziehung eine der wesentlichsten Aufgaben für unsere Zukunft ist. Aber es wäre nur fair, dass die, die ohne Notwendigkeit weniger arbeiten, mehr Steuern zahlen – weil sie ja das Sozialsystem gleich beanspruchen wie Vollzeitarbeitende. Und wer Überstunden arbeitet, soll die steuerfrei ausbezahlt bekommen – wenn etwa jemand mehr arbeitet, weil er das Geld braucht, um sich den extrem teuer gewordenen Traum vom Haus verwirklichen. Auch wer weiterarbeitet, obwohl er seine Pensionsjahre beisammen hat, sollte das steuerfrei machen dürfen. 

Robert Hartlauer im Interview mit MeinBezirk OÖ-Chefredakteur Thomas Winkler über die Geschenketrends zu Weihnachten: "Smartwatches sind ein großes Thema, nicht als Modeartikel, sondern wegen des Megatrends Gesundheit und der Trackingfunktionen, die sie bieten." | Foto: MeinBezirk/Thomas Siegl
  • Robert Hartlauer im Interview mit MeinBezirk OÖ-Chefredakteur Thomas Winkler über die Geschenketrends zu Weihnachten: "Smartwatches sind ein großes Thema, nicht als Modeartikel, sondern wegen des Megatrends Gesundheit und der Trackingfunktionen, die sie bieten."
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Von der Kritik an der Politik zu Beschaulicherem: Was sind die Trends im heurigen Weihnachtsgeschäft?
Smartwatches sind ein großes Thema, nicht als Modeartikel, sondern wegen des Megatrends Gesundheit und der Trackingfunktionen, die sie bieten. Und weil man vielleicht in der dunklen Jahreszeit noch stärker auf Audio-Reize angewiesen ist, bekommt das Thema "Hören" um diese Zeit auch größere Bedeutung. Viele sagen sich: Ich möchte ab nächstem Jahr wieder gut hören.

"Gibt fast nix, wo wir KI nicht einsetzen"

Künstliche Intelligenz ist ebenfalls ein Megatrend, wie stark kommt sie bei Hartlauer schon zum Einsatz?
Ganz intensiv, wir haben einen tollen Mitarbeiter, der ganz von Anfang an beim Thema KI dabei war, dazu intern auch immer wieder Vorträge hält, damit wir ganz genau wissen, was geht. Man kann Teile der Software von der KI machen lassen, sich im Marketing unterstützen lassen, auch bei der Geschäftsplanung. Es gibt fast nichts, wo wir KI nicht einsetzen, auch im Geschäft haben wir einige Gesundheitsuntersuchungen, wo mit KI geprüft wird, ob eine Krankheit vorliegt, damit man gegebenenfalls zum Arzt weitervermitteln kann. Künstliche Intelligenz hat Sonnen- und Schattenseiten. Man muss sich die Sonnenseiten als Unternehmen herauspicken, damit man dadurch so schnell wird, wie man heute unterwegs sein muss. Es geht nicht darum, dass man Dinge weglässt oder Menschen dadurch einspart. In der Unterhaltungsindustrie wird KI einen riesigen Einfluss haben. Ich glaube, dass wir uns in zwei Jahren personalisierte Spielfilme mit der KI maßschneidern können: Ich sage, welchen Kinofilm ich als Vorbild haben mächte, in welchem Land der spielen soll, wie die Geschichte vielleicht abgeändert werden soll, wie der Hauptdarsteller aussehen soll, und dass der Streifen mindestens 120 statt 90 Minuten lang sein soll.

Robert Hartlauer: "Ich habe es geschafft, dass ich statt 12 bis 13 nur noch drei Kaffee am Tag trinke, weil ich draufgekommen bin, dass ich wegen meiner Gene Koffein nur mittelmäßig abbauen kann." | Foto: MeinBezirk/Thomas Siegl
  • Robert Hartlauer: "Ich habe es geschafft, dass ich statt 12 bis 13 nur noch drei Kaffee am Tag trinke, weil ich draufgekommen bin, dass ich wegen meiner Gene Koffein nur mittelmäßig abbauen kann."
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Das Unternehmen entwickelt sich immer stärker zum Gesundheitsdienstleister – Sie bleiben aber überzeugter Raucher?
Ja, leider. Ich habe es geschafft, dass ich statt 12 bis 13 nur noch drei Kaffee am Tag trinke, weil ich draufgekommen bin, dass ich wegen meiner Gene Koffein nur mittelmäßig abbauen kann. Und ich bin gar nicht mehr sooo abgeneigt, mich freiwillig zu bewegen, wie noch vor zehn Jahren. Ich würde mich definitiv noch nicht als Sportler einstufe, aber es kann passieren, dass man mich auf einem E-Bike sieht. Das Rauchen steht noch auf meiner Zukunftsagenda, aber da lege ich mich nicht fest, es ist für mich immer noch Genuss.

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Nachhilfe vor Ort: LernQuadrat gibt es an acht Standorten in Oberösterreich. | Foto: Lernquadrat
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