Drei Jahrzehnte gelebter Naturschutz
Naturpark Geschriebenstein-Írottkõ feierte 30 Jahre
30 Jahre Naturpark Geschriebenstein-Írottkõ bedeutet drei Jahrzehnte gelebten Naturschutz und nachhaltige Regionalentwicklung - grenzüberschreitend. Zum Jubiläum wurden drei weitere Gemeinden in den Naturpark aufgenommen und ein neuer Naturparkkindergarten zertifiziert. Überdies wurde Obmann Engelbert Kenyeri für sein jahrzehntelanges Engagement vom Land Burgenland ausgezeichnet.
RECHNITZ. Der grenzüberschreitende Naturpark Geschriebenstein-Írottkõ feierte am Samstag sein 30-jähriges Bestehen. Seit seiner Gründung im Jahr 1996 als erster grenzüberschreitender Naturpark Österreichs steht der Naturpark beispielhaft für die Verbindung von Naturschutz, Erholung, Bildung und nachhaltiger Regionalentwicklung. Gleichzeitig wurde im Rahmen der Feierlichkeiten, die wetterbedingt von der NaturArena Rechnitz, die am Pfingstmontag offiziell eröffnet wird, in die Naturpark-Mittelschule Rechnitz verlegt wurden, die Erweiterung des Naturparks von vier auf künftig sieben Gemeinden gefeiert.
"Natur und Tourismus sind kein Widerspruch, sondern passen gut zusammen. Das beweist auch der Naturpark. Tradition und Zukunft werden ausgezeichnet miteinander verknüpft."
Anja Haider-Wallner, Landeshauptmann-Stellverteterin
Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner betonte bei der Festveranstaltung: „Es ist ein großartiges Fest mit Jubiläum, Mitglieder- und Bildungserweiterung. Der Naturpark Geschriebenstein zeigt als erster grenzüberschreitender Naturpark seit drei Jahrzehnten, dass Naturschutz und Lebensqualität wunderbar zusammenpassen — und dass man für Erholung nicht immer ans andere Ende der Welt reisen muss. Oft reicht schon ein Spaziergang durch die hiesigen Wälder oder ein Blick über die Streuobstwiesen. Der Naturpark ist aber nicht nur Heimat für Rothirsche, Wimperfledermäuse und seltene Pflanzen — er ist auch Heimat für Ideen, Zusammenarbeit und nachhaltige Entwicklung.“
- Schülerinnen der Naturpark-Mittelschule gaben einen kurzen Rückblick auf 30 Jahre.
- Foto: MeinBezirk/Michael Strini
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Naturschatz in der Region
Auch Landesrat Leonhard Schneemann hob die Bedeutung der Naturparke für das Burgenland hervor: „Der Naturpark Geschriebenstein-Írottkõ ist ein Motor für nachhaltige Entwicklung im Südburgenland. Er verbindet Naturschutz mit regionaler Wertschöpfung, stärkt den sanften Tourismus und schafft Perspektiven für Gemeinden, Betriebe und die Menschen vor Ort.“
"Wir haben viele Naturschätze im Burgenland, die es zu schützen und schätzen gilt. Der Naturpark zeigt, wie wichtig die Natur für die ländliche Entwicklung ist. Ein Naturpark bereichert die Region und Gemeinden."
Leonhard Schneemann, Landesrat und ehemaliger Bürgermeister von Unterkohlstätten
Mit einer Gesamtfläche von derzeit rund 37.500 Hektar – davon 8.500 Hektar in Österreich und 27.000 Hektar in Ungarn – zählt der Naturpark Geschriebenstein-Írottkõ zu den bedeutendsten Natur- und Kulturlandschaften der Region. Bereits 1972 wurde die Umgebung von Bernstein, Lockenhaus und Rechnitz als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Heute prägen wertvolle Eichen-Hainbuchenwälder, Streuobstwiesen, Trockenrasen sowie artenreiche Waldränder und Lichtungen das Landschaftsbild. Seltene Tierarten wie Rothirsch, Wimperfledermaus, Äskulapnatter oder Ringelnatter finden hier ebenso geschützte Lebensräume wie die Gemeine Kuhschelle.
- Gemeindeehrungen: Anneliese Schranz, Andreas Ringhofer, Emmerich Gager, Elvira Reschl, Reni Gossi, Sonja Kramelhofer und Engelbert Kenyeri (vorne); Michael Kefeder, Leonhard Schneemann, Anja Haider-Wallner, Christian Pinzker, Daniel Karaconyi und Joachim Radics (hinten)
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Zukünftig sieben Gemeinden
Bislang waren auf österreichischer Seite die Gemeinden Rechnitz, Markt Neuhodis, Unterkohlstätten und Lockenhaus Teil des Naturparks. Mit der Erweiterung um die Gemeinden Bernstein, Stadtschlaining und Weiden bei Rechnitz wächst der Naturpark künftig auf sieben Mitgliedsgemeinden an.
Im Rahmen der Jubiläumsfeier wurde außerdem der Kindergarten Rechnitz als Naturpark-Kindergarten ausgezeichnet. Die Zertifizierung erfolgt durch den Verband der Naturparke Österreichs und unterstreicht die Bedeutung frühzeitiger Umweltbildung in enger Verbindung mit der Region.
- Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner und Thomas Böhm (Wirtschaftsmanagement Burgenland) überreichten Kindergartenleiterin Michaela Tader die Urkunde.
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Vier Naturpark-Kindergärten und sechs Naturpark-Schulen
"Für die Zertifizierung benötigt eine Bildungseinrichtung die Erfüllung bestimmter Kriterien. Markt Neuhodis war die erste Naturparkschule. Heute gibt es im Burgenland 28 Naturpark-Kindergärten und 36 Naturpark-Schulen, davon jetzt vier Kindergärten beziehungsweise sechs Schulen im Naturpark Geschriebenstein-Írottkõ. In Österreich gibt es 117 Naturpark-Kindergärten und 197 Naturpark-Schulen. Alle vier Jahre werden die Zertifizierungen evaluiert", erläutert Thomas Böhm von der Wirtschaftsagentur Burgenland.
Dazu erklärte Haider-Wallner: „Wer einmal mit Kindern durch den Naturpark unterwegs war, weiß: Die besten Naturvermittler sind oft die Kleinsten. Sie entdecken jeden Käfer mit Begeisterung und stellen Fragen, auf die Erwachsene manchmal gar keine Antwort haben.“ Schneemann ergänzte: „Gerade in ländlichen Regionen zeigen Naturparke, wie Lebensqualität, wirtschaftliche Entwicklung und der Schutz unserer einzigartigen Kulturlandschaften Hand in Hand gehen können. Die Erweiterung auf sieben Gemeinden ist ein starkes Signal für gelebte Zusammenarbeit über Gemeinde- und Staatsgrenzen hinweg.“
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Bewahren und erhalten
Neben dem Fokus auf die Natur spielt auch Brauchtum eine große Rolle. "Es geht um die Verbindung aus Bewahren und Weiterentwickeln", lautet ein Motto, das sich in der Bewahrung und Weitergabe von altem Handwerk widerspiegelt. Das "Rechnitzer Dirndl" in Blaudruck ist ein Beispiel, das durch den Naturpark nachhaltig entstanden ist. Auch die Bürgermeister der Mitgliedsgemeinden tragen diesem Motto Rechnung. Die neuen Mitglieder wollen sich mit Aktivitäten ebenfalls entsprechend einbringen.
"Wir haben verstärkt auf Brauchtum und altes Handwerk gesetzt. Bei uns in der Gemeinde kann man Köhlern (Herstellung von Kohle) und Kalkbrennen. Wer Kohle braucht, wir haben noch genug für Grillereien und Ähnliches", schildert Christian Pinzker (Unterkohlstätten). "Der beste Indikator für den Erfolg ist, wenn die Veranstaltungen gut besucht werden und das werden sie. Wir haben einen Walderlebnisweg geschaffen, beliebt ist auch die Margarthenwarte. Es gab über Jahre auch eine Langlaufloipe, die durch den Naturpark entstanden ist. Wetterbedingt ist diese aber die letzten Jahre nicht mehr aktiv", fasst der Lockenhauser Bürgermeister Michael Kefeder zusammen, der betont: "Der Naturpark Lockenhaus hat über 120 Mitglieder. Wir sind eine Tourismusregion, es ist wichtig, dass ein Miteinander da ist."
"Der Naturpark wird in der Bevölkerung gut angenommen. Die Veranstaltungen wie "Frühstück im Grünen" oder die "Geschriebenstein Roas" haben viele Teilnehmende. Es gibt auch eine lebendige Kooperation mit den Bildungseinrichtungen. Da wurden in den drei Jahrzehnten viele Projekte umgesetzt", meinte der Rechnitzer Vizebürgermeister Daniel Karacsonyi. "Die Zusammenarbeit ist wesentlich. Es ist wichtig, gemeinsam mit Vorteilen gut zu leben, statt alleine zu sein mit Nachteilen. Der Naturpark ist dafür ein hervorragendes Beispiel", ergänzte Bürgermeister Joachim Radics (Markt Neuhodis).
- Die Kinder vom Naturpark-Kindergarten Rechnitz sangen über die Tiere im Wald.
- Foto: MeinBezirk/Michael Strini
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Kinder und Natur
Ein zentraler Aspekt ist die enge Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen. "Kinder in die Natur zu bringen, ist einfach. Sie sind fasziniert und begeistert. Auch die Eltern werden davon angesteckt und sind sehr interessiert", meint Kräuterpädagogin Sonja Kramelhofer. Veronika Schacht ist Naturvermittlerin und in der Umweltbildung beziehungsweise Bewusstseinbildung tätig: "Auch die neuen Gemeinden sollen gezielt in unsere Bildungsaktivitäten eingebaut werden, um weiteres Bewusstsein zu schaffen."
Direktorin Elke Hasler, Schulcluster-Leiterin Lockenhaus/Bernstein, strich die gute Kooperation mit dem Naturpark hervor: "Artenvielfalt, Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind für zentrale Themen, die wir den Kindern vermitteln. Von den vielen Naturerfahrungen und Bildungsskills profitieren alle. Die Aktivitäten fördern auch das Miteinander."
- Großes Silberne Ehrenzeichen des Landes Burgenland für den Obmann: Landesrat Leonhard Schneemann, Engelbert Kenyeri und Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner
- Foto: MeinBezirk/Michael Strini
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Ehrenzeichen für Engelbert Kenyeri
Im Rahmen des Festaktes wurde überdies Naturpark-Obmann Engelbert Kenyeri für seine außergewöhnlichen Verdienste um die nachhaltige Entwicklung des Burgenlandes mit dem Silbernen Ehrenzeichen des Landes gewürdigt. Als langjähriger Bürgermeister der Marktgemeinde Rechnitz, Obmann des Naturparks Geschriebenstein-Írottkõ und engagierter Sprecher der burgenländischen Naturparke prägte er die Entwicklung der Region über Jahrzehnte hinweg maßgeblich mit.
"Manche Menschen hinterlassen Spuren, andere ganze Wanderwege. Zu diesen zählt Engelbert Kenyeri."
Anja Haider-Wallner
Kenyeri setzte sich mit großem persönlichem Engagement dafür ein, Naturschutz, nachhaltigen Tourismus und regionale Wertschöpfung miteinander zu verbinden. „Unter seiner Mitwirkung wurden die Naturparke zu lebendigen Entwicklungsräumen weiterentwickelt, die ökologische Verantwortung, wirtschaftliche Perspektiven und hohe Lebensqualität vereinen“, betonte Haider-Wallner. Stellvertretend für viele (ehrenamtliche) Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden aus den Naturpark-Gemeinden einige ebenso geehrt: Anneliese Schranz (Rechnitz), Andreas Ringhofer (Unterkohlstätten), Emmerich Gager (Lockenhaus), Elvira Reschl (Markt Neuhodis) erhielten Urkunden, Reni Gossi und Sonja Kramelhofer (beide Rechnitz) Blumen als Dankeschön
- Foto: MeinBezirk/Michael Strini
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Musikalische Begleitung
Musikalisch umrahmt wurde die Feier von den Kindern der Naturpark-Volksschule und des Naturpark-Kindergartens sowie einem Ensemble der Musikschule Rechnitz. Schülerinnen der Naturpark-Mittelschule gaben einen kurzen historischen Einblick in die Geschichte des Naturparks.
So prägen die Aktivitäten des Naturparks zahlreiche Veranstaltungen wie die 2007 erstmalig durchgeführte "Geschriebenstein Roas", bei der damals vier Personen mitmachten. Im Vorjahr zählte der Wanderevent rund 450 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, heuer wird diese am 5. September stattfinden.
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