Grasski
Tina Hetfleisch: "Rettenbach hat etwas Magisches!"
- Redaktionsleiter Michael Strini beim Shakehands mit Tina Hetfleisch.
- Foto: Michael Strini
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Grasski-Juniorenweltmeisterin Tina Hetfleisch blickt auf eine sensationelle Saison zurück.
OBERDORF. Die zweifache Grasski-Juniorenweltmeisterin und WM-Silbermedaillengewinnerin Tina Hetfleisch blickt im MeinBezirk-Interview auf ihre sensationelle Saison zurück.
MeinBezirk: Wie ist es für dich jetzt nach dieser langen Saison. Kannst du ein wenig abschalten?
Tina Hetfleisch: Es tut einmal gut ins normale Leben zurückzufinden. Jetzt steht erst einmal der Führerschein an und der Maturaball. Ich will auch die Prüfung zur Kinderschilehrerin und D-Trainerin machen. Ich liebe es mit Kindern zu arbeiten.
Gehen sich auch Rennen im Winter aus?
Ein paar Schirennen im Winter werde ich schon fahren, aber nur aus Spaß und völlig ohne Druck. Schulcuprennen sind Pflicht, die Joglcuprennen machen mir großen Spaß. Ich kann die Winterrennen aber befreit und völlig ohne Druck fahren – rein aus Spaß eben. Sommer und Winter sind für mich zwei paar Schuhe. Im Sommer bin ich quasi ein Profi, im Winter zählt nur der Spaß!
Zurück zum Sommer: Wie groß war der Druck vor der Junioren-WM in Rettenbach?
Der Druck war extrem – von den Trainern, den Medien und natürlich auch mir selbst. Ich selber hatte praktisch nur einen Tunnelblick auf die J-WM in Rettenbach. Das mediale Interesse war ein Wahnsinn. Das kannte ich bislang so nicht. Der Druck war groß, die Nervosität ebenso. Das alles hat dann zusammengespielt, dass es im Super G so gar nicht funktionierte. Ich war bitter enttäuscht über Platz 5 und bin so richtig zusammengeklappt. Ich musste mich erst zurückziehen und konnte erst später Emma zu ihrer Goldmedaille gratulieren.
- "Golden Girls" jubelten: Lara Teynor, Tina Hetfleisch und Emma Eberhardt
- Foto: Michael Strini
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Die restliche Rennen verliefen dann völlig anders und mit drei Medaillen?
Im Super G der Superkombination lief es dann ja auch nicht so gut. An eine Goldmedaille hätte ich nie mehr gedacht. Mit dem Sieg fiel dann der gesamte aufgestaute Druck von mir. Ich habe mich da gefühlt wie ein kleines Kind. Die Goldmedaille in der Superkombination war die Schönste, weil ich mit dernie gerechnet hatte und das nach dem Rückschlag im Super G.
Nach der Goldenen im Slalom konnte ich meine Tränen nicht mehr zurückhalten. Ich konnte nur noch jubeln. Ich hatte alles geschafft. Es war einfach ein Wahnsinn. Im Riesentorlauf, meine schwächste Disziplin, war ich dann Vierte im ersten Lauf. Da zählte nur voller Angriff und schauen, was passiert. Im Ziel war ich dann völlig losgelöst und habe dann mit Lara mitgejubelt über ihre Goldmedaille. Ich hatte Silber, damit war die J-WM schon das große Highlight.
Was ist das Besondere an Rettenbach?
Rettenbach ist irgendwie magisch. Der Hang ist etwas ganz Besonderes und dazu sind praktisch nirgendwo so viele Leute wie dort. Die Kulisse bei der J-WM war unglaublich. Bei der Siegerung am Podest zu stehen und die vielen Leute zu sehen, die dir und deinen Teamkollegen zujubeln, ist einfach wunderschön. Das gibt es nur in Rettenbach.
Es gab auch noch die "große" WM in Cortina und auch da Silber für dich. Das Rennen war da auch spektakulär?
Ja, nach der Junioren-WM war ich ziemlich entspannt und ohne große Erwartung. Unter die Top 6 zu fahren und eine Siegerehrung mitzuerleben, das war mein Ziel. Mit einer Medaille hätte ich als Juniorin nie gerechnet.
Vorm Super G herrschte Panik, da die Bindung vom Schischuh gebrochen ist und es nach einer Zeitverzögerung, diese nur provisorisch gerichtet wurde. Ich überlegte sogar, ob ich überhaupt starten sollte. Ich bin dann die Strecke runtergefahren und hatte großes Glück, dass nichts passierte. Der Schuh ist am Schi hin und her gependlet. Ich war dann auf Platz 11. Eine Disqualifikation stand kurz im Raum, aber ich wurde in der Wertung belassen, weil ich eh chancenlos war. Mit großem Rückstand fuhr ich dann den Slalom ohne Druck und Erwartungen. Mein Papa war da eine große mentale Unterstützung. Als dann plötzlich einige ausfielen oder hinter mir landeten, konnte ich das nicht fassen. Es war einfach unglaublich, als Silber feststand und das hinter das hinter Lara Teynor, die Gold holte. Mein Papa auf der Strecke hatte das nicht bekommen und als er mich anrief, wie es gelaufen ist, schrie ich ins Handy "Papa, ich habe Silber!" Er konnte das - genauso wie ich nicht fassen. Das war einfach unglaublich.
- Foto: Robert Hetfleisch
- hochgeladen von Michael Strini
Du hast aber auch den Gesamtweltcup abgeschlossen?
Ja! In der Slalom-Gesamtwertung wurde ich sensationell Zweite. In der Juniorenwertung holte ich mir trotz eines Sturms beim letzten FIS-Rennwochenende den Gesamtsieg. Das war ein fetter Punkt in meiner To-Do-Liste, die Juniorengesamtwertung zu gewinnen.
Wie würdest du diese Saison für dich zusammenfassen?
Es war eine magische Saison, die schon mit zwei Siegen in den ersten FIS-Rennen begann. Rettenbach war das Highlight und die Silberne in Cortina die Draufgabe. Ich bin natürlich auch ein wenig traurig, dass sie vorbei ist, da wir seit April praktisch im Team jedes Wochenende zusammenverbracht haben. Gleichzeitig bin ich auch froh, dass alles so gut gelaufen ist und ich nun wieder Zeit für andere Dinge habe. Von dieser Saison werde ich aber sicher noch lange reden.
Wie wurden die Erfolge in Oberdorf aufgenommen?
Das war einfach großartig. Einige Oberdorfer waren in Rettenbach mit dabei und auch im Ort wurde ständig gratuliert. Es ist einfach schön zu sehen, wenn der ganze Ort hinter dir steht und sich für dich bzw. mit dir freut. Sogar in der Kirche informierte der Pfarrer in seinen Predigten ständig, wie es bei mir läuft. Dieser Rückhalt ist etwas ganz Besonderes.
Apropos Rückhalt: Wie wichtig ist für dich die Familie?
Die Familie ist ganz wichtig für mich. Ich bin mir auch sicher, dass ich diese tollen Leistungen und Erfolge ohne meinen Papa nicht geschafft hätte. Er macht die Schier und ist auch als Betreuer stets an meiner Seite. Auch meiner Mama ist ein wichtiger Rückhalt, auch als Chauffeurin. Natürlich hat mich auch meine Schwester Kristin unterstützt. In Rettenbach hat sie mich begleitet und angefeuert. Mein größter Fan ist sowieso meine Nichte Johanna. Sie weicht ihrer Tante Tina praktisch nie von der Seite. Selbst bei Interviews steht sie daneben. Ein Medienvertreter meinte bei einem Rennen, wer ist denn die Kleine, die da ständig rum steht. Ich habe dann geantwortet: Das passt schon, das ist meine Nichte!
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