Wallnerpass: Raue Gesellen mit weichem Kern

Mitglieder der Wallnerpass Saalfelden mit ihrem Heiligen Nikolaus und einem unglücklichen "Opfer".
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  • Mitglieder der Wallnerpass Saalfelden mit ihrem Heiligen Nikolaus und einem unglücklichen "Opfer".
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SAALFELDEN. Der Besuch bei dem Heiligen Mann und seinen gefürchteten Begleitern muss erst von höchster militärischer Stelle genehmigt werden, denn das Vereinsheim der Gruppe befindet sich in der Wallnerkaserne. Die Krampusse sind nämlich Teil des Heeressportvereins, sie wurden 1995 von einigen Unteroffizieren als Sektion Brauchtum gegründet.

Modebewusste Kramperl

Im Objekt 27 riecht es reichlich streng, hier lagern die geschnitzten Holzmasken und Felle. In mehreren Kammern werden sämtliche Utensilien für die Auftritte aufbewahrt. Ein etwas schauriger Ort, an dem wilde Fratzen von den Wänden lachen. Andererseits scheinen die jungen Burschen, die sich gerade "in Schale" werfen, durchaus sympathisch und keineswegs finstere Gesellen. Routiniert zwängen sie sich in ihre eng anliegenden Lederhosen und gestehen dabei, dass auch Krampusse wert auf gutes Aussehen legen. Der moderne Teufel schätzt daher figurbetonte Verkleidung, auf ein wärmendes Darunter wird verzichtet.

Rabiate Zuschauer

Rund 60 Aktive zwischen 4 und 62 Jahren laufen bei der Wallnerpass mit. Dazu gibt es unterstützende Mitglieder, die wichtige Funktionen als Ordner und Helfer ausüben. "Bei einem öffentlichen Auftritt müssen die Krampusse ja auch vor den Zuschauern geschützt werden. Es kommt teilweise zu gezielten Angriffen, sogar mit Eisblöcken, das sind gefährliche Situationen", schildert Obmann Daniel Mayer aus eigener leidvoller Erfahrung.

Der Heilige Mann der Gruppe hat es scheinbar leichter, ihm wird mehr Ehrfurcht entgegen gebracht. In Zivil scheint Bernd Hirschbichler zu jung und lässig für diese Rolle, aber mit falschem Rauschebart und bischöflichem Umhang wirkt er sehr überzeugend. Er hat bereits jahrelange Erfahrung als Nikolaus-Darsteller und eine gewisse Routine entwickelt, aber Hoppalas passieren immer noch.

Heiliger Schauspieler

"Ich tu' mich schwer mit modernen Namen, die nicht eindeutig als Bub oder Mädchen zu erkennen sind, dann kommt's immer wieder zu peinlichen Verwechslungen", schildert Hirschbichler. Aber bei einem Nikolaus sei ohnehin viel schauspielerisches Talent gefragt, da müsse man cool bleiben und oft improvisieren. "Bei Hausbesuchen ziehen sich manche Zeremonien mit Flötenspiel und Gedichten in die Länge, dann werden die Krampusse unruhig, weil ihnen zu heiß wird" erklärt der Nikolaus.
Mit mahnenden Worten halte er sich kurz. Zimmer aufräumen und Hausaufgaben machen seien dabei die Klassiker. Er schleppe oft Berge von Schnullern im Sack, die ihm die braven Kinder mitgeben (müssen). Viele davon baumeln auch an den Glocken der Krampusse - um das Zutrauen der Kleinen zu gewinnen.

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