KI - Kohr Ideen
Leopold-Kohr-Summerschool 2026: Wie viel Technologie braucht eine nachhaltige Zukunft?
- V.l.: Alexandra Seywald (Musik), Niko Paech (Universität Siegen, Moderation), Susanna Vötter-Dankl (Leopold Kohr®-Akademie), Michael Grobbauer (FH-Salzburg), Stefan Wegenkittl (FH-Salzburg), Stadträtin Andrea Brandner (Salzburg), Martin Stefanec (Universität Graz) und Herbert Zlöbl (ZICON-Systems).
- Foto: tauriska
- hochgeladen von Christian Vötter
Wie viel Technologie braucht eine nachhaltige Zukunft? Mit dieser Frage beschäftigte sich die achte Leopold-Kohr-Summerschool in der Stieglbrauerei Salzburg. Expert:innen aus Architektur, Energietechnik und Künstlicher Intelligenz diskutierten, wie technologische Innovationen dem Menschen und den Regionen dienen können, ohne das menschliche Maß aus den Augen zu verlieren.
Die Eröffnung erfolgte durch Organisatorin Susanna Vötter-Dankl vom Verein Tauriska und der Leopold Kohr®-Akademie, gefolgt von der Salzburger Stadträtin Andrea Brandner. Beide stellten dabei die Frage nach dem richtigen Maß technischer Entwicklung: Wie kann Technologie dem Menschen dienen, ohne zum Selbstzweck zu werden?
Postwachstumsökonom Niko Paech, der durch den Abend führte, brachte die Gefahr auf den Punkt: „Die Chancen realisieren sich sofort, aber die Risiken oft erst mit Verzögerung.“ Technologieverzicht sei keine Option, so Paech. Entscheidend sei vielmehr, Technologien maßvoll einzusetzen und dabei an Denker wie E.F. Schumacher, Ivan Illich und nicht zuletzt Leopold Kohr anzuknüpfen. Damit war die zentrale Frage des Abends formuliert: Technologie soll einen konkreten Nutzen für Menschen, Regionen oder Forschung bringen – und nicht allein eingesetzt werden, weil es technisch möglich ist.
Technologie als Werkzeug, nicht als Selbstzweck
Dr. Stefan Wegenkittl (Fachhochschule Salzburg) nahm die Künstliche Intelligenz selbst kritisch unter die Lupe. Künstliche Intelligenz soll reflektiert und gezielt genutzt werden. Entsprechende Grundkenntnisse müssen zur technologischen Selbstbestimmung vermittelt werden. Er plädierte für Suffizienz als Designprinzip: „Wir brauchen so viel Technik wie sinnvoll, nicht wie möglich.“
Chancen für Bau, Energie und Forschung
Im alpinen Raum ist bebaubarer Siedlungsraum ein knappes Gut. Architekt Michael Grobbauer (Fachhochschule Salzburg) zeigte mit dem „LoftConcept“, wie Nachverdichtung in Massivholzbauweise dazu beitragen kann, vorhandenen Siedlungsraum effizienter zu nutzen. Modelle und Simulationen ermöglichen es, Bauwerkseigenschaften bereits in der Planungsphase zu berechnen. Bei Zielkonflikten, etwa zwischen statischen Anforderungen und energetischer Effizienz, kann Künstliche Intelligenz bei der Suche nach geeigneten Lösungen unterstützen.
Ebenso drängend ist die Frage nach nachhaltiger, dezentraler Energieversorgung. Dr. Herbert Zlöbl stellte die e-Box vor, ein multifunktionales, modulares Energieversorgungssystem. Die Technologie kombiniert Energie- und Wärmeproduktion, um die Effizienz zu erhöhen. Die e-Box soll dezentrale Energienetze ermöglichen, über deren Einsatz gemeinschaftlich in den Regionen entschieden werden kann. Potenzial sieht Zlöbl vor allem in Ländern des Globalen Südens, wo dezentrale Energiesysteme regionale Versorgung und Entscheidungsstrukturen stärken können.
Für die Forschung bringen neue Technologien ebenso konkreten Nutzen: Dr. Martin Stefanec (Universität Graz) und sein Team erforschen die Honigbiene mithilfe biohybrider Systeme an der Schnittstelle zwischen Biologie und Technik. Technische Systeme unterstützen bei der Beobachtung ganzer Gruppen von Bienen und Auswertung großer Datenmengen – insbesondere dort, wo die menschliche Aufmerksamkeit an ihre Grenzen stößt.
Sinnvoller Umgang mit Technologie statt Selbstzweck
In der abschließenden Podiumsdiskussion wurde der Begriff der „künstlichen Intelligenz“ kritisch hinterfragt. „Garbage in, garbage out“ resümierte Dr. Wegenkittl. Damit rückte die Frage ins Zentrum, die alle Vorträge verband: Nicht entscheidend ist, was technisch möglich ist, sondern was gesellschaftlich sinnvoll ist.
Mit viel Gefühl und spürbarem Leben erfüllte Alexandra Seywald die Summerschool musikalisch. Die Salzburger Musikerin schenkte der Veranstaltung mit ihren feinen Klängen einen besonderen Rahmen, der das Publikum sichtbar berührte.
Die nächste Ausgabe der Summerschool ist für 2027 geplant.
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