24.01.2018, 11:12 Uhr

Der Skilehrer und die Gangsterbraut

Das ungleiche Paar während der Flitterwochen 1950. (Foto: Burda Verlag)

Ob Virginia Hill ermordet wurde wird nie geklärt werden, aber ihre Flucht nach Unken ist gut dokumentiert.

UNKEN. Die herzergreifende Love-Story zwischen der amerikanischen Mafiabraut und dem Salzburger Skilehrer hätte Hollywood nicht spannender erfinden können. Ein packendes Drama, das auch im Unkner Heutal spielt und ein tragisches Ende fand.

In den Fängen der Mafia

Der Museumsverein Unken hat die Lebensgeschichte des schillernden Callgirls gemeinsam mit dem Pinzgauer Autor Peter Blaikner recherchiert. 2014 wurde darüber eine Broschüre veröffentlicht, die im Regionalmuseum Kalchofengut erhältlich ist. Nun hat Blaikner mit "Virginia Hill" ein Theaterstück verfasst, das am 25. Jänner im Kleinen Theater Salzburg Premiere feiert. Am 9. März wird das Werk im Kunsthaus Nexus in Saalfelden aufgeführt.

Wie schaffte es Hans Hauser, der von der Zistelalm am Gaisberg stammte, Virginia Hill, die Geliebte der höchsten Mafiaganster, so zu verzaubern, dass sie ihn heiratete und sogar mit ihm in seine Heimat ging? Bei beiden schien es jedenfalls Liebe auf den ersten Blick zu sein. Als Mitglieder der Cosa Nostra ihr nahe legten, das Verhältnis zu beenden, weigerte sie sich und beteuerte, sie würde keine Geheimnisse der Mafia ausplaudern. Darauf erhielt sie sogar einige Jahre noch regelmäßige Zahlungen ihrer ehemaligen "Arbeitgeber".

Flucht ins Heutal

Als diese jedoch versiegten, beging Virginia Hill-Hauser offensichtlich den Fehler, mit ihrem Insiderwissen zu drohen. Sie wurde daraufhin gewarnt, dass ihr Leben in Gefahr sei, und versteckte sich daher im Unkener Heutal, wo die Familie Hauser eine kleine Hütte besaß. Drei Jahre lang lebte die einstige Diva hier in fast völliger Abgeschiedenheit unter bescheidensten Verhältnissen. Kontakt hatte sie vor allem zu Maria Pichler, einer Nachbarin, die sie häufig besuchte. Viele Unkner kamen ins Heutal, um die interessante Amerikanerin zu sehen. "Unken war in Aufruhr, das war ja eine sehr fesche Frau", erzählt Josef Auer, Kustos vom Regionalmuseum Kalchofengut. Virginia Hill war aber sehr "leitscheich", wie Pichler berichtet, da sie ja ständig in Angst lebte, entdeckt zu werden. 1966 ist Hill an einer Überdosis Tabletten gestorben. "Ich bin sicher, dass sie von der Mafia zur Einnahme gezwungen wurde", meint Emanuel Ketteler vom Museumsverein, der den Fall recherchierte.

Hans Hauser hat nach dem Tod seiner Frau versucht, ihr Tagebuch zu veröffentlichen. Auch das dürfte gewissen Kreisen nicht recht gewesen sein. Er wurde 1974 erhängt aufgefunden, nachdem er Besuch von drei unbekannten Männern erhalten hatte. Sohn Peter starb 1995 bei einem mysteriösen Autounfall. Ketteler ist überzeugt davon, dass die Mafia die Familie ermordet hat. Beweise dafür gibt es allerdings nicht.

Auf jeden Fall ein spannender Stoff, der auch im Kalchofengut bereits an zwei "Mafia-Abenden" mit Peter Blaikner thematisiert wurde. Die Bilder und abenteuerlichen Erzählungen über diese Frau, die sich in Unken vor der Mafia verstecken musste, ist beim Publikum auf großes Interesse gestossen.
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