20.10.2016, 16:41 Uhr

Schmetterlingserstfund im Pinzgau

Eupithecia inturbata - Feldahorn-Blütenspanner
Ja! Das gibt es noch.
Eigentlich könnte man glauben, dass gerade von der Familie der Schmetterlinge mitten in Europa alle bekannt wären. Das ist aber weit gefehlt, denn in den letzten 100 Jahren beschäftigten sich nur wenige Idealisten und ein paar Spezialisten mit diesem Thema. Und davor? Es gibt von 1909 zurück keine Aufzeichnungen.
Etwa 2300 Schmetterlingsarten kennt man derzeit im Bundesland Salzburg. Etwa 4200 in ganz Österreich. Und im Pinzgau? Wir wissen es nicht. Es werden wohl so an die 1800 bis 2000 Arten sein. Konkrete Aufzeichnungen darüber gibt es nicht.
Vereinzelt beschäftigen und beschäftigten sich mit dieser Thematik Hobby-Schmetterlingsforscher. Es gab einige private Sammlungen, die in verschiedenen Museen untergekommen sind. Vielleicht gibt es noch einige in Privatbesitz. Aber diese werden wohl das ganze Spektrum nicht abdecken.

Seit etwa 3 Jahren beschäftige ich mich mit der Schmetterlingsfauna im Pinzgau und habe in dieser Zeit nun so an die 380 verschiedene Schmetterlingsarten bestimmen und nachweisen können. Eine sehr interessante aber doch auch zeitaufwändige Freizeitbeschäftigung. Oft ist es ein Frage der Zeit und ob man gerade zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort ist. Aber über die Jahre sollte es gelingen, einen repräsentativen Überblick zu schaffen.

Das "Sammeln" von Schmetterlingen (und anderen Insekten) ist heut ungleich einfacher als früher. Selten muss ein Tier getötet werden, da ein großer Teil der Arten über äußere Merkmale bestimmbar sind. Mit guten Makro-Aufnahmen mit einer Digitalkamera schafft man das.

Nicht überall kommen die gleichen Schmetterlinge vor und: es gibt mehr Nachtfalter als Tagfalter.
Professor Embacher aus Salzburg teilte das Bundesland in 5 Zonen entsprechend dem geologischen und klimatischen Aufbau. So liegt der Pinzgau in 3 Zonen. Die Kalkgebirge, die Grasberge und die (Hohen) Tauern. Ein Falter, der die Pflanzenwelt der Grasberge braucht, findet so vielleicht in den Kalkbergen nicht das richtige, botanische Umfeld und kommt daher dort nicht vor.
So ist es also auch wichtig zu erfahren, wann und wo ein Falter gefunden wurde.

Dass man aber bei uns im Pinzgau Falter finden kann, die im gesamten Bundesland Salzburg noch nicht nachgewiesen wurden, ist schon einigermaßen verwunderlich.
So beobachtete ich Ende August 2016 in Saalfelden einen kleinen, nachtaktiven Falter mit einer Flügelspannweite von etwa 26mm. Die Zeichnungen auf den Flügeln sind charakteristisch und das kleine Insekt war bald als Feldahorn-Blütenspanner (Eupithecia inturbata) identifiziert. Es gibt keine Zweifel und somit handelt es sich um einen Erstnachweis im Bundesland Salzburg.
Blütenspanner kommen in vielen Varianten auch bei uns im Pinzgau vor. Da sie aber durchwegs nachtaktiv sind, werden sie kaum wahrgenommen.
Aber noch einmal zurück zu Eupithecia inturbata. Eigentlich sehr unwahrscheinlich, dass es ihn bei uns im Pinzgau gibt, denn auch der Feldahorn (Acer campestre) ist laut Fachmeinung hier nicht heimisch. Von Botanikern wird aber eingeräumt, dass er bestenfalls als Zuwanderer in Hecken vorkommen könnte, sicher aber nicht als Busch oder Baum.
So machte ich mich auf die Suche nach dem Feldahorn, denn: kein Falter ohne Feldahorn. Und ich hatte Glück. Lediglich zwei Häuser weiter "versteckt" er sich in einer Ligusterhecke. So konnte ich auch diesen Nachweis erbringen, dass der Feldahorn Innergebirg - zumindest in Saalfelden - angetroffen werden kann.

Diesem Artikel liegen Bilder bei. Zum einen natürlich der Falter, zum anderen auch die Blätter des Feldahorn, die sehr typisch und wesentlich kleiner sind, als jene des bei uns äußerst häufig vorkommenden Bergahorn (Acer pseodplatanus).
Sollte also jemand einen Standort im Pinzgau dieser Pflanze kennen, so wäre ich dankbar für eine Meldung. Standorte über 800m wären äußerst ungewöhnlich.
guntram@guntram.at
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