09.07.2018, 15:44 Uhr

Was bringt uns im Pinzgau die EU?

Sophie Hohenwarter, flott unterwegs mit E-Bike. Der Strom an der Ladestation ist dank EU gratis (Foto: Leader)

Der PInzgau profitiert vom Fördertopf

WEISSBACH. Brüssel und die vermeintlichen Bürokraten der Europäischen Union sind ein beliebtes Feindbild. Wie beim Fußball gibt es Millionen selbst erklärter Experten, die genau wissen, was bei der Staatengemeinschaft alles schiefläuft. Dabei gibt es vor der eigenen Haustür viele positive Beispiele für die Vorteile der Mitgliedschaft bei der EU. Man muss sie nur zur Kenntnis nehmen.

Neue Chance für Leader-Regionen

Vor allem für den ländlichen Raum gibt es eine große Bandbreite an Förderungen für Projekte, von denen die Bevölkerung profitiert. So sorgt das Leader-Programm der EU seit 1991 für innovative Aktionen. Es ist darauf ausgerichtet, die Lebensqualität im ländlichen Raum zu verbessern. Die Leader Region Saalachtal mit rund 31.000 Einwohnern hat seit Beginn der neuen Förderperiode im Jahr 2015 bereits 40 Projekte genehmigt. Dazu gehört der Skitourenlehrpfad in Dienten ebenso wie die Dorfplatzgestaltung von Weißbach und die Sammlung des audiovisuellen Erbes von Saalfelden. Bis zum Ende der Förderperiode im Jahr 2020 sind noch ca. 350.000 Euro an Fördermitteln zu vergeben. Die EU legt Wert darauf, mit den Fördermitteln neue Arbeitsplätze zu schaffen bzw. abzusichern.

Auch Geschäftsführerin Astrid Hohenwarter und ihre zwei Kollegen verdanken ihren Job der EU. Ihre Aufgabe ist es, die Förderwerber zu beraten und zu betreuen. "Das ist sehr aufwändig, aber durch unsere intensiven Vorbereitungen müssen wenige der eingereichten Projekte abgelehnt werden und es kommt auch nicht vor, dass Auflagen nicht eingehalten werden", schildert Hohenwarter. Der bürokratische Aufwand sei enorm, aber daran sei nicht die EU schuld. "Die Vorgaben kommen zwar aus Brüssel, aber Bund und Land mischen auch mit und machen alles viel komplizierter", findet die Leader-Managerin. Was zähle, sei letztendlich, dass durch das Leader-Programm viele wertvolle Projekte in der Region umgesetzt wurden.

Nachhaltige Vorzeigeprojekte

"Ich bin ein absoluter Fan der EU, auch wenn es sicher Reformbedarf gibt. Aber alleine die offene Grenze in Unken, als Einstieg in den Pinzgau ist ein riesiger Fortschritt. Dann kommt in den ehemaligen Zollgebäuden die Traditionelle Europäische Heilkunde (TEH), die auch dank Mitteln aus der EU entstanden ist. Das ist ein absolutes Vorzeigeprojekt, das seit mehr als zehn Jahren erfolgreich beweist, wie wichtig diese finanzielle Unterstützung zu Beginn ist." In dieser Förderperiode war der Ausbau der Elektro-Infrastruktur ein wichtiges Anliegen. Durch den Regionalverband Salzburger Saalachtal wurden zwischen Unken und Weißbach 20 E-Bike Ladestellen und eine E-Car Ladestelle errichtet, die Nutzern kostenlos zur Verfügung stehen.

Bisherige Förderungen

Verwendete Fördermittel insgesamt, seit Bestehen der Leader-Regionen:

Leader Saalachtal:
7,5 Millionen Euro
Leader Nationalpark:
22,2, Millionen Euro
Leader Pillerseetal-Leogang:
2,4 Mill. Euro

Drei Leader-Regionen

Im Jahr 2001 haben sich einige Gemeinden als Leader-Region Saalachtal beworben. Diese umfasst heute Unken, Lofer, St. Martin, Saalfelden, Weißbach, Maria Alm, Dienten, Maishofen, Viehhofen und Saalbach Hinterglemm.

Die Leader-Region Nationalpark Hohe Tauern umfasst 21 Gemeinden aus dem Pinzgau, Pongau und Lungau: Krimml, Wald, Neukirchen, Bramberg, Hollersbach, Mittersill, Stuhlfelden, Uttendorf, Niedernsill, Piesendorf, Kaprun, Bruck, Fusch, Zell/See, Taxenbach, Rauris, Lend, Bad Gastein, Hüttschlag, Großarl und Muhr.

Weiters gibt es Leader Pillerseetal mit Leogang. Zwischen diesen drei Leader-Regionen gibt es auch zahlreiche überregionale Kooperations-Projekte. Projekte, die aus Leader-Mitteln gefördert werden, unterliegen strengen Kontrollen. Die Laufzeit beträgt max. drei Jahre, der niedrigste Fördersatz ist 30 Prozent, der höchste 80 Prozent.

Kleine Auswahl bisheriger Projekte

- Mein Tal - Lebensraumgestaltung, Gemeinde Saalbach
- Skitourenlehrpfad Dienten, TVB Dienten
- "VergissDeinnicht", Pinzgauer Demenzcafé
- Winter-Rodelbahn Biberg, Gastwirte in Saalfelden
- Baumzipfelweg, Saalbach
- Peer Gesprächsgruppe Pinzgau für psychisch kranke Personen
- "Komm Bleib", Wirtschaftsplattform zur Bekämpfung des Fachkräftemangels
- Heute für Morgen, Entwicklung und Vermarktung von Heumilchprodukten, Pinzgau Milch
- Traditionelles Bäderwissen, TEH Verein
- Sommererlebnis in der Almenwelt Lofer, Bergbahn Lofer
- Dorplatzgestaltung Weißbach, Gemeinde Weißbach
- Altes Handwerk neu erleben, Landjugend
- Vermieter Akademie Hochkönig, Verbesserung der Qualität im Tourismus
- Ankommenstour Querbeet, Integrationsarbeit von Flüchtlingen, Verein Salzburger Bildungswerk
- Jugend Kunst machen, sehen, hören, Neue Impulse im Jugendkulturbereich, Leader Nationalpark,
- "Damma wos", Freizeitgestaltung für Menschen mit und ohne Beeinträchtigung, Verein Lebensbaum
- Belastete Familien im Pinzgau stärken, Verein Jojo
- Direkt-Vermarktungs-Initiative „COOPinzgau“, Verein Food Coop Mittersill,
- Taxenbach im Zeichen der Elemente, TVB Taxenbach
- Pinzgauer Marienweg,
- Sanierung Kalchofengut, Heimatmuseum Unken
- Verweilen in Viehhofen, Gestaltung des Dorfplatzes, Gemeinde Viehhofen
- Radio aus dem Pinzgau, Saalfeldner Bildungszentrum
- Erlebnispfad Vorderkaser, Gemeinde St. Martin

Weitere Infos:
Leader Saalachtal
Leader Nationalparkregion
Leader Pillerseetal-Leogang
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