Steinmetzschüler
Denkmal in Goldegg neun Monate nach Schmieraktion vollständig gereinigt

Steinmetz-Schüler der HTL Hallein konnten die Gedenksteinreinigung in Goldegg nach den Beschmierungen im September 2018 jetzt erfolgreich abschließen.
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  • Steinmetz-Schüler der HTL Hallein konnten die Gedenksteinreinigung in Goldegg nach den Beschmierungen im September 2018 jetzt erfolgreich abschließen.
  • Foto: Verein "Freunde des Deserteurdenkmals in Goldegg"
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Der mit grüner Farbe beschmierte Gedenkstein in Goldegg zur Erinnerung an die Wehrmachtsdeserteure wurde mit Hilfe von HTL-Schülern jetzt fachgerecht gereinigt.

GOLDEGG, HALLEIN (aho). Rechtzeitig vor der großen Gedenkfeier "75 Jahre Sturm auf Goldegg" am 6. Juli konnte der Gedenkstein in Goldegg, der an die Deserteure erinnert, mit Unterstützung von HTL-Steinmetzschülern erfolgreich gereinigt werden. Das Denkmal war im September 2018 ebenso wie zwei kupferne Gedenktafeln am Friedhof mit grüner Farbe beschmiert worden.


Reinigung fachgerecht abgeschlossen

Nachdem die erste Grobreinigung, die durch die Gemeinde Goldegg initiert wurde, nicht zum gewünschten Erfolg führte, nahm der Verein "Freunde des Deserteurdenkmals in Goldegg" Kontakt mit der HTL Hallein auf. Die Steinmetz-Schüler aus dem Tennengau konnten nun die Gedenksteinreinigung fachgerecht und erfolgreich abschließen. "Wir sind sehr froh, dass die Reinigung jetzt doch möglich war. Die Gemeinde und der Bürgermeister sind uns zuletzt auch sehr entgegengekommen und wir blicken auf eine gute weitere Zusammenarbeit voraus", sagt der Obmann des Vereins, Paul Chalupny.


Mit Geschichte befassen

Im Zuge des Schulprojekts klärte man die Schüler auch über die Geschichte des Denkmals auf. Der Historiker Michael Mooslechner informierte die Jugendlichen einen ganzen Vormittag lang in der Schule über die Hintergünde zum Gedenkstein. "Es ist wichtig, die Schüler mit solchen Dingen zu konfrontieren, damit sie ein Bewusstsein für die Gräueltaten entwickeln. Auch wenn man sich nur praktisch mit dem Gedenkstein auseinandersetzt, sollte man die Geschichte dahinter kennen", sagt Chalupny.


Heuer regionaler Gedenktag

"Die Gedenkfeier, die üblicherweise mit einer Wanderung zur Hirtenkapelle bei der Meislsteinalm begangen wurde, wird heuer zu einem regionalen Gedenktag ausgeweitet. Wir nehmen das traurige Jubiläum '75 Jahre Sturm auf Goldegg' dafür zum Anlass", erklärt Chalupny. In diesem Rahmen findet zuerst ein Vortrag beim Russenfriedhof in St. Johann statt. Annemarie Zierlinger von der Geschichtswerkstatt St. Johann erzählt dort vom Schicksal der mehr als 3.700 sowjetischen Kriegsgefangenen, die im STALAG XVIII "Markt Pongau" ums Leben kamen. Im Anschluss hält Josef Neumaier einen Vortrag beim Schloss Schernberg über die 123 Euthanasie-Opfer. Zum Ende referiert der Präsident des Wiener Landesgerichts für Strafsachen, Friedrich Forsthuber, in seiner Gedenkrede zum Thema "Formen des Widerstandes gegen Diktaturen".

Zum Hintergrund des Denkmals

In den frühen Morgenstunden des 2. Juli 1944 wurden die Bewohner in Goldegg-Weng von Schüssen und Geschrei aus dem Schlaf gerissen. Gestapo, Gendarmerie und SS hatten in der Nacht die Wälder um den beschaulichen Weiler durchkämmt, jeden Heustadel mit Lanzen durchbohrt und Verdächtige verhaftet. Ziel der Razzia waren junge Männer aus dem Ort, die seit 1943 nicht mehr zu Wehrmacht einrücken wollten. Der Krieg schien verloren, dem sinnlosen Morden wollten sie sich nicht mehr länger aussetzen. Schorsch Kößner, Franz Unterkirchner, Richard Pfeiffenberger und Peter Ottino hatten sich bei Fronturlauben dem Sägearbeiter Karl Rupitsch angeschlossen, der sich seit Herbst 1943 in den Wäldern und auf den Almen um Goldegg-Weng versteckt hielt. Beim Unterdorf wurden die unbeteiligten Söhne Alois und Simon Hochleitner von der Gestapo meuchlings ermordet. Peter Ottino fiel im Kampf mit der SS, Karl Rupitsch und Gustl Egger wurden im Oktober 1944 im KZ Mauthausen erhängt, Schorsch Kößner noch im März 1945 in Glanegg erschossen. Richard Pfeiffenberger fiel in einer Strafkompanie. Nur Franz Neukirchner und Sebastian Bürgler, der bereits vor Karl Rupitsch desertiert waren, überlebten. Dutzende Sennerinnen, Altbauernleue und Nachbarn, die ihre Verwandten und Freunde unterstützt und nicht verraten hatten, sind in Konzentrationslager verschleppt worden. Wer überlebte, kam nach dem Krieg mit schweren körperlichen und seelischen Verwundungen nach Goldegg zurück.

Steinmetz-Schüler der HTL Hallein konnten die Gedenksteinreinigung in Goldegg nach den Beschmierungen im September 2018 jetzt erfolgreich abschließen.
Steinmetz-Schüler der HTL Hallein konnten die Gedenksteinreinigung in Goldegg nach den Beschmierungen im September 2018 jetzt erfolgreich abschließen.
Autor:

Alexander Holzmann aus Pongau

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