Dietmar Schennach im Gespräch
"Ich hatte mächtig viel Spaß!"

"Ein Anpacker geht in Pension" titelten die Bezirksblätter kürzlich über den Abschied von Dietmar Schennach.
  • "Ein Anpacker geht in Pension" titelten die Bezirksblätter kürzlich über den Abschied von Dietmar Schennach.
  • Foto: Reichel
  • hochgeladen von Günther Reichel

Dietmar Schennach ist ab 1. Februar 2019 Pensionist. Wir luden ihn zu einem abschließenden Gespräch ein.

REUTTE. Bis 31. Jänner 2019 ist Dr. Dietmar Schennach noch Landesamtsdirektor-Stellvertreter, und damit zweithöchster Beamter im Land. Ab 1. Februar ist er dann offiziell Pensionist. Sein Büro in Innsbruck hat er aber schon geräumt, offiziell ist er im Urlaub, in Wahrheit aber doch nicht so ganz.
Vor einigen Tagen begab er sich im Bezirk Reutte auf Abschiedstour. Die führte ihn u.a. in seine ehemalige Arbeitsstätte, die Bezirkshauptmannschaft Reutte, und auch den Bezirksblättern stattete der gebürtige Bichlbacher einen Besuch ab.
Um mit uns Rückschau zu halten und den "Pensionisten" Dietmar Schennach kurz vorzustellen.

Spuren hinterlassen

Als Bezirkshauptmann von Reutte haben Sie viele Spuren im Bezirk hinterlassen. Ab 1. Juli 2009 waren Sie dann stellvertretender Landesamtsdirektor (LAD-Stv.). Was waren Ihre Aufgaben in dieser wichtigen Funktion?
Dietmar Schennach: Die waren sehr vielfältig, wobei der Aufgabenbereich als LAD-Stv. nur ein kleiner Teil meiner Arbeit war.
Meine Hauptaufgabenbereiche lagen woanders, etwa in der Leitung der Gruppe Gesundheit und Soziales. Eine der großen Herausforderungen in meiner Zeit war die Abwicklung der Ausschreibung für den "Rettungsdienst Neu" in Tirol. Ich denke, dass wir hier nun eine sehr gute Lösung haben.
Ein weiterer großer Bereich war das Flüchtlingswesen. Gemeinsam mit anderen Organisationen, etwa der Polizei, ganz speziell aber auch dank der Hilfe vieler Freiwilliger, hat Tirol hier Großes geleistet. Speziell im Zeitraum von August 2015 bis Mitte 2016. In dieser kurzen Zeit ist es gelungen, 95.000 transitierende Flüchtlinge sicher durch Tirol zu bringen. Meine Aufgabe lag in der Gesamtorganisation der Infra-#+struktur. Eine echte Challenge! Wir haben durchschnittlich 900 bis 1200 Personen täglich, an Spitzentagen sogar 1600 Flüchtlinge registriert, ärztlich versorgt, verpflegt und dann weiter nach Deutschland begleitet. Im Grunde ist jeden Tag ein ganzes Dorf angekommen und am nächsten Tag wieder abgereist.

So etwas hinterlässt bestimmt Spuren. Wie stehen Sie heute zum Flüchtlingsthema?
Wichtig für die Zukunft wird sein, dass wir die Hilfe dort hinbekommen, wo sie benötigt wird, also in die Herkunftsländer der Flüchtlinge. Dort braucht es unser Engagement. Wir können sicher nicht alle Flüchtlinge bei uns aufnehmen. Es gibt aber Menschen, die zu uns kommen, die wirklich traumatisiert sind. Sie haben oft ihre Familie verloren. Ihnen muss man helfen. Es geht um Menschen!

Neue Standards im Rettungswesen

Sie haben die Neuorganisation des Rettungswesens unter Ihrer Leitung angesprochen. Im Bezirk Reutte hat ganz aktuell das Tannheimer Tal einen "Hilferuf" losgelassen, weil es an Kräften fehlt. Ist da etwas falsch gelaufen?
Das System funktioniert und wir haben völlig neue Qualitätsstandards. Früher wurde der Rettungsdienst fast ausschließlich von Freiwilligen erbracht. Diese sind natürlich auch weiterhin sehr wichtig. Wenn es um Menschenleben geht, braucht es aber Professionalität. Freiwillige können die geforderten Ausbildungen in ihrer Freizeit oft nur mehr schwer unterbringen. Es braucht mehr hauptamtliche Kräfte. Der Ruf aus dem Tannheimer Tal ist der Ausfluss all dessen.

Highlights im Bezirk

Schauen wir zurück auf Ihre Arbeit im Bezirk Reutte als Bezirkshauptmann. Was waren hier Ihre persönlichen Highlights?
Da gab es viele. Als Bezirkshauptmann hat man selbst kein Budget zur Verfügung, um Projekte abzuwickeln. Aber man kann Themen aufgreifen oder unterstützen und gemeinsam mit Partnern, etwa Gemeinden, umsetzen.

Was fällt Ihnen da zuerst ein?
(Schennach lacht) Die Außerfernbahn! Weil es auch zeitlich das erste große Thema für mich war. Mit 1. Oktober 2000 wurde ich zum Bezirkshauptmann bestellt, einen Tag später flatterte die Meldung herein, die Oberleitung der Bahn werde abgebaut. Das wäre der Todesstoß gewesen. Ich habe daraufhin den Arbeitskreis Außerfernbahn gegründet und die bayerischen Nachbarn entlang der Bahn ins Boot geholt. Wir haben viel erreicht. Jetzt macht man sich daran, die Elektrifizierung bis Vils zu verlängern.
Auch in der Altenversorgung ist einiges gelungen. 2002 wurde ich informiert, dass das private Seniorenheim in Lechaschau binnen zwei Monaten zusperrt. Nach Gesprächen mit den Bürgermeistern hat die öffentliche Hand das Haus übernommen und später ein neues Haus in Ehenbichl eröffnet.
Ich denke, ich darf auch den Naturpark Tiroler Lech nennen. Der war anfangs doch umstritten. Gemeinsam ist es gelungen, dass wir ihn mit Leben erfüllt haben. Heute kann man ihn sich nicht mehr wegdenken.
Die Liste ließe sich sicher noch um einige Punkte ergänzen.

Ein besonderes Haus

Etwa um den Neubau der Bezirkshauptmannschaft.
Als ich Bezirkshauptmann wurde, war die BH auf drei Standorte in Reutte verteilt. Keines der Gebäude entsprach den aktuellen Anforderungen. Außerdem waren die Wege oft weit. Ich habe mit Landeshauptmann Wendelin Weingartner die Problematik besprochen. Er hat gemeint, ich solle mich der Sache annehmen. Das habe ich gemacht. Auch Weingartners Nachfolger Herwig van Staa stand von Beginn an zum Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes, das wir schließlich eröffnen konnten.

Sind Sie zufrieden, wenn Sie heute Ihre ehemalige Wirkungsstätte besuchen?
Es ist ein modernes Haus mit einer sehr modernen Verwaltungsstruktur. Katharina Rumpf als meine Nachfolgerin führt das Haus und ihre Mitarbeiter mit sicherer Hand. Das Bürgerbüro bewährt sich, das Verwaltungsmanagement ist auf Höhe der Zeit. Vor wenigen Tagen habe ich eine Runde durch das Haus gemacht und mich verabschiedet. Das nächste Mal komme ich vermutlich zur Pensionistenfeier der BH Reutte.

Jetzt folgt die Pension

Apropos Pension. Werden Sie jetzt die Füße hochlegen, oder weiterhin sehr aktiv sein?
Ich werde garantiert keine Kommentare zu irgendwelchen tagespolitischen Themen abgeben. Aktiv möchte ich aber schon sein, wenn es die Gesundheit zulässt. Ich freue mich schon aufs Wandern und Radfahren - sicher auch hier im Bezirk Reutte, speziell im Naturpark.
Außerdem kann ich mir vorstellen, dass ich eventuell auf freiwilliger Basis international im Flüchtlingsbereich aktiv werde.

Interview: Günther Reichel

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen