Maria Pötscher berichtet
Sie ist 101 Jahre alt – Dank Kraut, Erdäpfel, Humor und viel Bewegung
- Maria Pötscher ist 101 Jahre alt. Seit 2009 lebt sie im Bezirksalten- und Pflegeheim Haslach.
- Foto: MeinBezirk/Schütz
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Seit 101 Jahren ist Maria Pötscher aus Haslach auf dieser Welt. Im Gespräch mit MeinBezirk Rohrbach berichtet die gebürtige Helfenbergerin über den Zweiten Weltkrieg, ihr arbeitsreiches Leben und was es mit Kraut und Erdäpfeln auf sich hat.
HASLACH. Fotos, Blumen, Pölster, Decken, Stofftiere und andere Dekorationen zieren das Zimmer von Maria Pötscher. Eine Couch zum Entspannen und ein Fernseher zur Unterhaltung finden sich hier ebenfalls. Alles hat seinen Platz, Unordnung mag sie gar nicht. "Aufbetten tue ich selbst. Wenn das jemand anders übernimmt und es nicht gut aussieht, bessere ich gleich nach", sagt die rüstige Dame mit einem Lächeln auf den Lippen. Trotz des hohen Alters legt sie Wert auf Ordnung und Genauigkeit. Ende Jänner feierte sie ihren 101. Geburtstag. "Dass ich eine dreistellige Zahl erreiche, habe ich nicht gedacht. So alt fühle ich mich noch gar nicht", berichtet Maria.
- Küchenleiter Florian Stockinger überbrachte der Jubilarin einen besonderen Kuchen.
- Foto: BAPH Haslach
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Bis vor kurzem war sie noch zu Fuß unterwegs. Nach einigen unglücklichen Stürzen benötigt die Haslacherin nun einen Rollstuhl. Mit diesem bewegt sie sich jedoch selbstständig fort. "Die Pflegerinnen haben mir gezeigt, wie ich am besten aufstehen und mich in den Rollstuhl setzen kann", berichtet Maria, dass sie nach wie vor alleine aus dem Bett steigen oder die Toilette benutzen kann.
Für die Pensionistin ist es vor allem von großer Bedeutung, auch in ihrem hohen Alter noch geistig fit zu sein. "Das wichtigste ist, dass man sich noch auskennt", betont sie. Die vielen Bücher, die sie gelesen hat, dienten nicht nur als Zeitvertreib, sondern auch als Vorbeugung gegen Demenz. Der Roman "Die Sklavin Isaura" ist ihr besonders in Erinnerung geblieben.
Kaum etwas zu essen
Auf die Frage, wie sie es geschafft hat, so alt zu werden, weiß die 101-Jährige schnell eine Antwort: "Kraut, Erdäpfel und viel Bewegung." Der Humor ist bei ihr ebenfalls nicht zu kurz gekommen. Den hat sie auch gebraucht, denn ihre Kindheit und Jugend waren alles andere als einfach: "Ich war neun Jahre alt, als mein Papa gestorben ist. Meine Mutter musste sich dann alleine um meine beiden Geschwister und mich kümmern. Wir hatten kaum etwas zu essen und kein Geld. Mama musste immer zu Fuß von Helfenberg nach Rohrbach gehen, um ein paar Groschen zu bekommen." Brot gab es kaum. "Das war immer zu wenig. Wir sind von einem Bauern zum anderen gegangen, um etwas Brot zu bekommen. Früher gab es keine Semmeln, keine Wurst – gar nichts dergleichen. Wenn unsere Nachbarn Brot gebacken haben, bekam ich, wenn ich Glück hatte, ein Scherzl."
Nur noch "Heil Hitler"
Maria war 13 Jahre alt, als der Zweite Weltkrieg begann. "Das war furchtbar. Hitler hat so viele Leute verschwinden lassen. Man hat sich gar nicht helfen können", erinnert sie sich an die Jahre, über die sie nur ungern spricht. "Es gab kein 'Grüß Gott' mehr, nur noch 'Heil Hitler'." Was in dieser Zeit in vielen Orten vor sich ging und was in Mauthausen passierte, hat Familie Pötscher nicht mitbekommen. "Während der Kriegszeit wurde nicht darüber gesprochen. Erst danach haben wir es gehört und uns dann angesehen, wie sie mit den Menschen umgegangen sind."
Viel Arbeit und kein Geld
Was das Berufsleben betrifft, hatte die 101-Jährige genaue Vorstellungen: Sie wollte Köchin werden und im Gasthaus ihres Onkels in Salzburg arbeiten. Doch daraus wurde nichts. "Das Arbeitsamt hat mich zu einem Gastwirt nach Raiden verwiesen, weil sie dort Leute brauchten." Und Arbeit gab es dort mehr als genug. Maria musste die Kühe melken, mähen, Korn schneiden, beim Dreschen, beim Graben der Erdäpfel und beim Saustechen helfen. Auch in der Gaststube war sie tätig. "Ich hatte die Aufgabe, überall anzupacken, wo ich gerade gebraucht wurde. Geld gab es dafür aber keines – lediglich einen Schlafplatz und etwas zu essen." Nach dem Krieg ist Maria schließlich nach Haslach gekommen, wo sie in einer Weberei zu arbeiten begann.
Nachdem die gebürtige Helfenbergerin nie verheiratet war und somit keine Kinder hat, lebte sie lange Zeit alleine. Dabei hat sie gelernt, dass sie selbst auf sich schauen muss, denn jemand anders übernimmt das nicht: "Ich habe mich immer durchgekämpft." 2009 übersiedelte sie dann auf eigenen Wunsch in das Haslacher Altersheim. 2014 eröffnete das heutige Bezirksalten- und Pflegeheim, wo sie seither wohnhaft ist und sich in der Gemeinschaft sichtlich wohlfühlt. "Es gefällt mir sehr. Hier bin ich einfach daheim."
Lebensfreude auch im hohen Alter behalten
Zu ihrem 100. Geburtstag im vergangenen Jahr überraschten Bewohner, Mitarbeiter und Freunde die Jubilarin mit einer Geburtstagsfeier mit Torten, Sekt und einigen Ständchen. Überwältigt, gerührt und dankbar genoss sie diesen Nachmittag und unterhielt ihre Gäste mit Witzeinlagen. Auch im hohen Alter hat Maria noch viel Freude am Leben, erzählt Witze, singt Gstanzln, maskiert sich zum Fasching und spielt gerne Unteransetzen mit den Mitbewohnern.
- Bezirkshauptmann Valentin Pühringer hat mit Maria Pötscher angestoßen. im Jänner 2025 feierte sie ihren 100. Geburtstag.
- Foto: BAPH Haslach
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Im Wirtshaus, in dem sie in ihrer Jugend viel arbeiten musste, ging es hin und wieder ebenfalls lustig zu. "Es war eine richtig anstrengende und starke, aber auch eine schöne Zeit", sagt Pötscher rückblickend. Für die jüngere Generation hat die 101-Jährige einige Ratschläge parat: "Die Gesundheit ist mit Abstand das wichtigste Gut. Haltet euch fit und bewegt euch viel. Und: Seid ehrlich, freundlich und zufrieden mit dem, was ihr habt." Von Bedeutung ist für sie auch, dass man immer eine Aufgabe hat und am Geschehen teilnimmt. Für Maria spielen auch der Glaube und die Religion eine große Rolle: "Der Herrgott ist wichtig für mich, er gibt mir Kraft."
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