Nach dem Ruf von Santiago de Compostela folgten sie den Ruf des Franz von Assisi

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Dass der Beginn des Jakobweges vor der eigenen Haustüre beginnt, ist ein altes Sprichwort, welches Franz Bergmann aus Rohrbach an der Lafnitz wörtlich nahm und zu Fuß nach Spanien pilgerte. Da es damals den weststeirischen Jakobsweg (von Thal/Graz bis Lavamünd/Kärnten) noch nicht gab, wanderte er – gemeinsam mit seinem Kollegen „Sigi Haas“ aus Friedberg von zu Hause nach Graz und danach der Mur entlang bis Marburg und von dort an der Drau entlang. Ab Genf pilgerte er alleine weiter bis Moissac in Frankreich, und von dort bis Santiago gemeinsam mit seiner Frau Christine, wo sie planmäßig zu ihren 40. Hochzeitstag ankamen.
Als begeisterte Pilger und Bewunderer des Franz von Assisi begaben sie sich nun zu Fuß von Florenz nach Assisi, auf den Wegen, die auch Franziskus damals benutzte. Gleich zu Beginn stellten sie fest, dass ihr Weg im Vergleich zum Jakobsweg wesentlich steiler und daher kräfteraubender ist. Noch dazu ist der Weg teilweise sehr steinig. Da der Franziskusweg nicht so „in“ ist wie der Jakobsweg, wird er seltener begangen, weshalb man allein auf dem Weg ist. Es gibt nur wenige Wasserstellen, weshalb eine volle Wasserflasche zu den wichtigsten Gepäckstücken zählt. Schlangen, sogar giftige Arten, Wildschweine und freilaufende Hunde sind auch nicht unbedingt eine Seltenheit. Sie erweisen sich als sehr „blutdruckfördernd und nervenelastisch.“ Dazu kommt noch – zumindest in der Toskana - dass die Wegmarkierungen manches Mal ein „philosophisches Problem“ darstellen, was dann notgedrungen zu kleinen, nicht freiwilligen „Ehrenrunden“ führt.
Aber all diese „Kleinigkeiten“ werden durch die unglaubliche Schönheit der Natur und in Gedanken an Franz von Assisi zur Nebensache. Da die Bergmanns diese Wege immer ohne jegliche technischen Hilfsmittel bewältigen und auch ohne Vorbuchung der Unterkünfte (mit Ausnahme am Zielort) ist zusätzlich noch ein großes Gottvertrauen erforderlich. Da sie nie wissen, was nach der nächsten Kurve, nach der nächsten Steigung passiert, wo sie nächtigen werden, wissen sie dieses Gottvertrauen auch sehr zu schätzen. Durch diese spirituelle Kraft haben sie die Erkenntnis gelernt, dass „der da oben“ immer hilft! Und genauso war es auch auf diesem Weg. Das ist ja auch eines der Geheimnisse des Pilgerns und machen „diese Wege“ zu etwas Besonderen. Genauso wie man auf diesen Wegen immer wieder unglaublich interessanten Menschen begegnet, die man sonst nie treffen würde, wie etwa die Ingrid, eine Bergwanderführerin aus Kals, die allein unterwegs war, von fünf Wildschweinen angegriffen wurde und eine Nacht sogar im Freien übernachtete musste und dabei – wie sie erzählte – noch nie zuvor so große Angst hatte. Oder wie „Cäsar Pedrotti“ dem ehemaligen Sänger der Hard Rock- und späteren Punkband „Kaos Rock“, der sein Leben von einen Tag auf dem anderen komplett änderte und jetzt in der Einsiedelei von San Pietro in Vigneto (zwischen Gubbio und Valfabrica) teilweise mit zwei anderen Personen ein „Einsiedlerleben“ führt. Cäsar wusch den Bergmanns am Abend – nach alter Tradition – in der kleinen Kapelle sogar die Füße, bereitete ihnen ein ausgezeichnetes Mahl zu und ließ sie dort auch nächtigen. Sehr groß war auch die Freude der Bergmanns, als sie in der Einsiedelei von Montecasale auf sehr herzlichen Personen aus ihrem Bezirk (Hartberg-Fürstenfeld) trafen, die mit einem „Retter – Bus“, gelenkt von der sympathischen „Wilma“, begegneten.
Im Vordergrund dieses Weges ist natürlich der hl. Franz von Assisi. Es sind ja auch die Wege, die er selbst zu seinen Mitbrüdern zwischen Florenz und Rom gewandelt ist. Er ist auf Schritt und Tritt immer vor dem geistigen Auge sichtbar und natürlich führt er zu den wichtigsten Aufenthaltsorten seines Lebens, wie etwa La Verna, wo er stigmatisiert wurde. Oder Gubbio, wohin er vor seinem Vater flüchtete und den menschenfressenden Wolf zähmte, oder eben Montecasale und, und und… Als ein unvergessliches Erlebnis erwies sich auch der Ankunftstermin am 03. Oktober (Todestag des hl. Francesco) und der 04. Oktober (Welttierschutztag). An diesen Tagen stellt sich jährlich eine italienische Region vor. Heuer war Neapel an der Reihe, wo mehr als 400 Bürgermeister aus dieser Region anwesend waren. Die Fernsehastalt RAI UNO berichtete sehr ausführlich darüber und sogar der Italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte ist zum Gedenktag des heiligen Franz von Assisi (1181/82-1226) am 04. Oktober ins umbrische Assisi gereist um Italiens Landespatron zu würdigen. Nach dem Festgottesdienst in der Franziskus-Basilika hielt Guiseppe Conti eine Ansprache. Laut Medienberichten waren heuer mehr als 10.000 Pilger zu den Feierlichkeiten in der Stadt des Friedens gekommen. Der Pressesprecher des in Assisi ansässigen Franziskanerordens, Pater Enzo Fortunato, sagte, der 4. Oktober sei "Frieden, Brüderlichkeit und dem Dialog zwischen unterschiedlichen Kulturen" gewidmet. Die Stadt wolle den Italienern und der Landesregierung die "Schönheit des Willkommens" vermitteln. Fehlte eigentlich nur die Anwesenheit von Papst Franziskus. Allein die Atmosphäre dieses Festes führte den Bergmanns den Unterschied zwischen Wandern und Pilgern deutlich vor Augen: Pilgern ist gehen mit dem Kopf und beten mit den Füßen. Diese Kombination lässt augenblicklich sämtliche körperliche Strapazen vergessen. Und die Ehrfurcht und der Respekt vor dem großen Heiligen Franz von Assisi, der ja bekanntlich auch zu den Tieren predigte, hinderte sie sogar daran, eine lästige Fliege in ihrem Nachtquartier zu erschlagen!

Autor:

Franz Bergmann aus Hartberg-Fürstenfeld

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