26.10.2016, 00:00 Uhr

Wie man mit Tod und Trauer richtig umgeht

"Erlauben Sie sich Ihre eigenen Gefühle. Das Bemühen, stark zu sein, kostet unglaublich viel Kraft", rät die Psychologin Maria Leibetseder. (Foto: Foto: fotolia/Kzenon)
BEZIRK. Der Tod trifft uns meist unvorbereitet. Er nimmt uns das Kind, die Mutter, den Vater, den Bruder, die Schwester, den Partner oder Freund. Nichts ist mehr so, wie es war. Und wer einen wichtigen Menschen verloren hat, muss sein Leben neu ausrichten und muss sich an eine Welt anpassen, in der die verstorbene Person fehlt.

Trauer kommt in Wellen

„Während man früher annahm, dass der Trauerprozess in Phasen verläuft, zeigen neueste Erkenntnisse im Bereich der Trauerforschung, dass Trauer und Schmerz in Wellen kommen, die mit der Zeit immer kürzer und weniger intensiv werden“, weiß Maria Leibetseder, klinische Psychologin am Landes-Krankenhaus Rohrbach. „Bei der Trauerbewältigung wechseln sich Momente des Haderns, des Schmerzes, der Verzweiflung, der Wut mit denen der tröstenden Erinnerungen, der Freude und sogar mit Momenten des Lachens ab. Wer also kurz nach einem Todesfall wieder mal herzlich lachen kann, verdrängt nicht, wie bisher oft angenommen, seine Trauer, sondern nutzt die gesunden Mechanismen seiner Psyche, die ihm eine Pause vom Schmerz gönnen.“

Aus eigener Kraft fertig werden

Die Forschungen machen Mut, denn sie gehen davon aus, dass wir Menschen die Fähigkeit besitzen, aus eigener Kraft mit einem schmerzlichen Verlust fertig zu werden, sodass die psychische Gesundheit relativ schnell wieder das Niveau vor dem Ereignis erreicht. „Ein Trauerfall weckt diese natürliche Widerstandskraft, auch Resilienz genannt, im Menschen und lässt ihn Stärken entdecken, die er nicht vermutet hätte. So kann ich des Öfteren von Patienten einige Zeit nach einem Todesfall hören: „Ich weiß nicht, wie ich es geschafft habe, aber irgendwie ist das Leben weitergegangen und ich kann wieder nach vorne blicken“, beschreibt die klinische Psychologin.

Zur Sache:
Was kann helfen, die Trauer zu bewältigen?
• Im anfänglichen Schockzustand braucht es manchmal helfende Hände, die beim Erledigen alltäglicher Aufgaben zur Seite stehen.
• Erlauben Sie sich Ihre eigenen Gefühle. Das Bemühen, stark zu sein, kostet unglaublich viel Kraft.
• Wenn die Frage nach dem Warum oder die Suche nach Erklärungen für den Verlust kommt, ist es wichtig, jemanden zu haben, der einem zuhört.
• Rituale wie z.B. Friedhofsbesuche, Gebete, Arbeit etc. können dem Leben einen Rahmen geben, der auch dann hält, wenn im Inneren etwas zerbrochen ist.
• rauerreaktionen sind unterschiedlich lang und stark. Gönnen Sie sich die Auszeit, die Sie brauchen, damit Sie als gestärkte Person aus der bewältigten Trauer hervorgehen.
• Wenn Sie merken, dass die Trauer in eine Depression übergeht und Sie keinen Weg aus der Hilflosigkeit finden können, suchen Sie fachärztlichen Rat und psychologische Hilfe. Aber in den ersten sechs Monaten sind sämtliche Verhaltensweisen als ganz normale individuelle Trauerreaktionen zu sehen.
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