Kommentar zum Pantera Konzert in Wien
Canceln mit zweierlei Maß
- Im heutigen Kommentar von Online-Redakteur Philip Steiner geht es um den österreichischen Umgang mit der sogenannten Cancel-Culture.
- Foto: RegionalMedien Salzburg
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Im heutigen Kommentar widme ich mich dem derzeit umstrittenen Konzert der amerikanischen Metalband "Pantera" in Wien. Die Wiener Grünen fordern, dass dieses aufgrund eines sechs Jahre alten Vorfalls abgesagt wird.
Im Jahr 2003 löste sich mit Pantera eine der bekanntesten Metalbands ihrer Zeit auf. Jetzt sind sie zurück. Zur Freude vieler alter und junger Fans haben sich die zwei noch lebenden Mitglieder zusammengerauft und mit Unterstützung von befreundeten Musikern aus der Szene eine Reunion Tour organisiert. Nun will man dies aber vielerorts unterbinden. Grund dafür ist ein erneut kursierender Live-Mitschnitt des Sängers Philip Anselmo. In dem 2016 bei einem Konzert seiner Band "Down" entstandenen Video hält er die Hand zum Hitlergruß hoch und brüllt "White-Power" in die Menge. Eine Aktion, die selbstverständlich zu verurteilen ist. 2016 startete das Ganze eine große Diskussion rund um rechtes Gedankengut in der Metalszene. Philip Anselmo gab damals an, betrunken gewesen zu sein und es "witzig" gemeint zu haben. Jedenfalls entschuldigte er sich 2016 in aller Öffentlichkeit für sein ungebührliches Verhalten.
- Wird man Panterra in Zukunft in Wien auftreten sehen?
- Foto: Ismael Rosas / Action Press / picturedesk.com
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Sechs Jahre später wurde die Band nun aufgrund dieses Vorfalls von den deutschen Festivals "Rock am Ring" und "Rock im Park" ausgeladen. Die Wiener Grünen fordern nun, auch in Wien das Konzert der Band abzusagen.
Im Vergleich dazu: Gestern gab es am Salzburger Landesgericht eine Verhandlung wegen Wiederbetätigung. Der angeklagte Lungauer soll auf einem von ihm betriebenen Telegramkanal mehrmals den Holocaust geleugnet und gerechtfertigt haben. „Das waren alles Leute, die ihren Job gemacht haben“, lautet eines der von der Staatsanwaltschaft vorgebrachten Zitate. Das Ergebnis der Verhandlung war ein Freispruch. Laut Einschätzung der Geschworenen hatte sich der Mann nicht strafbar gemacht.
Interessant ist in diesem Kontext auch, dass nach vergleichbaren Einzelfällen bei einer gewissen österreichischen Partei, von Wehrsport bis Liederbüchern, die betroffenen Parteimitglieder trotzdem noch lange danach politisch tätig waren oder es noch sind. Ist so etwas in der Politik weniger problematisch, als auf der Bühne?
Bei diesem Thema wird mit zweierlei Maß gemessen. Aber, was mir noch problematischer erscheint, ist die Frage: Gibt es noch so etwas wie Läuterung? Haben wir verlernt, auch einer Person des öffentlichen Lebens ein wenig Vergebung zuzugestehen, wenn sie sich für eine fatale, alkoholisierte Aktion auf der Bühne entschuldigt? Das Internet vergisst nicht. Das Internet verzeiht nicht. Sind wir selbst noch dazu fähig?
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