Kommentar
Demenzzentrum oder Türöffner für neue Bebauung?
- Kommentar von MeinBezirk Salzburg Chefredakteur Michael Kretz
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- hochgeladen von Sabrina Moriggl
Ein Demenzzentrum ist zweifellos ein sensibles und wichtiges Thema. Die Zahl der Betroffenen steigt, der Bedarf an spezialisierten Pflegeplätzen wächst. Niemand wird ernsthaft bestreiten, dass hier Handlungsbedarf besteht. Doch genau deshalb darf man bei der Standortfrage nicht wegsehen, schon gar nicht, wenn geschütztes Grünland im Spiel ist.
SALZBURG. Im Salzburger Stadtteil Parsch soll ein Demenzzentrum mit bis zu 100 Pflegeplätzen entstehen, ergänzt um rund 140 Wohnungen, frei finanziert, betreut und gefördert. Die Idee klingt auf den ersten Blick nach einem sozialen Vorzeigeprojekt. Auf den zweiten Blick stellen sich jedoch Fragen, die bislang nicht überzeugend beantwortet wurden.
Die geplante Fläche ist Teil der geschützten Grünland-Deklaration. Damit das Projekt umgesetzt werden kann, braucht es einen Flächentausch. Ein Stück geschütztes Grünland würde also aus der Schutzwidmung fallen, im Gegenzug müsste ein anderes Grundstück unter Schutz gestellt werden. Juristisch mag das möglich sein. Politisch und stadtplanerisch ist es heikel.
Denn Grünland ist kein Verschiebebahnhof. Es erfüllt eine ökologische, klimatische und städtebauliche Funktion genau dort, wo es liegt. Wer einmal beginnt, Schutzflächen projektbezogen umzuwidmen, schafft einen Präzedenzfall. Und genau hier liegt der Kern der Kritik: Zu durchschaubar wirkt die Konstruktion, zu wenig nachvollziehbar ist die Notwendigkeit, ausgerechnet an diesem Standort.
Wenn es primär um ein Demenzzentrum ginge, müsste die Frage erlaubt sein. Gibt es tatsächlich keine geeigneten Flächen im bereits gewidmeten Bauland? Warum wird ein sensibles Pflegeprojekt mit einem Wohnbauvolumen von 140 Einheiten kombiniert? Ist das Demenzzentrum der Hauptzweck oder wird es zum Türöffner für zusätzliche Verwertung?
Planungsstadträtin Anna Schiester (Grüne) betont den sorgsamen Umgang mit Grünland und verweist auf das öffentliche Interesse. Das ist gut und richtig. Doch öffentliches Interesse bedeutet auch Transparenz, Alternativenprüfung und eine klare Prioritätensetzung.
Ein Demenzzentrum ist gesellschaftlich notwendig. Eine Aufweichung des Grünlandschutzes ist es nicht automatisch. Wer hier entscheidet, trägt Verantwortung über dieses einzelne Projekt hinaus. Stadtentwicklung braucht Glaubwürdigkeit und die beginnt dort, wo man Nein sagen kann, auch wenn ein Projekt auf den ersten Blick sympathisch erscheint.
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