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Rotary Club Bad Ischl ermöglicht nepalesischem Buben eine Ausbildung

Alfred Bichler und seine Ehefrau Jutta beim bislang letzten Besuch von Pemas Familie in Nepal im Oktober 2018.
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  • Alfred Bichler und seine Ehefrau Jutta beim bislang letzten Besuch von Pemas Familie in Nepal im Oktober 2018.
  • Foto: Rotary Club Bad Ischl
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Welche Chance jeder einzelne von uns hat, etwas aus seinem Leben zu machen, wird zu einem Großteil dadurch festgelegt, in welchem Teil dieser Erde man geboren wird. Wer, wie Pema, beispielsweise in einem Gebirgsdorf in Nepal zur Welt kommt, hat so gut wie keine Chance, den „vorgegebenen Weg“ zu verlassen. Der Rotary Club Bad Ischl ermöglicht dem Elfjährigen nun eine Ausbildung, um ihm zumindest die Chance auf ein besseres Leben zu bieten.

BAD ISCHL. Simikot zählt nach Eingemeindungen der jüngeren Vergangenheit etwa 12.000 Einwohner und liegt im Nordwesten Nepals auf fast 3.000 Meter Seehöhe. Der abgelegene Ort ist vom Rest des Landes lediglich über den Flugplatz erreichbar. An das Straßennetz Nepals ist der Ort, wie der gesamte Distrikt, nicht angeschlossen. Lediglich eine Straße nach Tibet ist derzeit in Bau, die zumindest den Anschluss an das chinesische Straßennetz herstellen soll. Dass mit Pema ein Bub just aus diesem Dorf Unterstützung aus dem Salzkammergut erfährt, ist dem Zufall zu verdanken.

Zufall führte Regie

Die Geschichte dieser Unterstützung fand ihren Anfang bereits im Jahr 2009 - also in dem Jahr, in dem Pema geboren wurde. Damals war Alfred Bichler, einstiger Leiter der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am LKH Bad Ischl, erstmals in Simikot, um den Aufbau einer Geburtshilfestation zu initiieren und in weiterer Folge zu begleiten. Bichlers Kontaktperson war ein Mann namens Tsepal, der unter anderem als Übersetzer und Organisator agierte. Tsepal war aber eben auch frisch gebackener Vater eines kleinen Buben - namens Pema. Und weil es zahlreiche Treffen im Haus von Tsepal gab, ergab es sich eben, dass der kleine Bub bei Besprechungen immer mit dabei war - anfangs im Tragtuch seiner Mutter, später am Tisch. „Das war ein aufgewecktes Bürscherl“, erinnert sich Bichler, „er hat immer zugehört, wie s ich die Ärzte und Krankenschwestern auf Englisch unterhalten haben - und irgendwann einmal hat er dann auch Englisch gesprochen.“

Perspektivlosigkeit im Ort

Diese Wissbegierde und diese Lernwilligkeit beeindruckten den Ischler Arzt. Nachdem in Simikot die Schullaufbahn nach dem Besuch der Volksschule abgeschlossen ist, reifte der Wunsch, dem kleinen Wiffzack eine Ausbildung in einem Gymnasium zu ermöglichen - beispielsweise in der Hauptstadt Kathmandu. „Wenn der da oben in Simikot bleibt, hat er überhaupt keine Perspektive“, erinnert sich Bichler an seine Gedanken: „Ich habe die Perspektiv­losigkeit der Bevölkerung selbst gesehen. Die jungen Leute fangen an zu trinken, lungern herum und haben sonst nichts. Einige sind in der Landwirtschaft oder bei Gemischtwarenhändlern tätig, die alle dasselbe verkaufen.“ Auch Trekkingführer für Touristen seien in dieser Region nicht gefragt, weil es laut Bichler dort schlichtweg keine Ausflugsziele gibt. Enge Verbindungen zu Sandra Chinnery (einer Ischlerin, die in Nepal als Krankenschwester tätig ist) ließen den Plan immer konkreter werden - schließlich besuchen ihre Kinder internationale Schulen und bekommen so auch in einem der ärmsten Länder der Welt eine ansprechende Ausbildung. Und obwohl Bichlers Projekt „Müttergesundheit“ bereits 2016 abgeschlossen war, flog er im Oktober 2018 gemeinsam mit seiner Frau nochmals nach Kathmandu, um sich mit Pema und seiner Familie zu treffen und sich Schulen anzuschauen. Letztlich fiel die Wahl aufgrund verschiedenster Gegebenheiten auf die „Kathmandu World School“ - eine internationale Schule, die sich in der Hauptstadt befindet. Eine gute Schule zu finden, ist das eine. Sich diese auch leisten zu können, das andere. „Eine Schule wie die hätte die Familie nie, nie, nie finanzieren können“, macht Bichler klar: „Die Kosten für Schulgeld und Internat belaufen sich auf etwa 7.000 Dollar im Jahr.“ Eine horrende Summe, wenn man bedenkt, dass das jährliche Durchschnittseinkommen in Nepal pro Kopf etwa 1.000 Dollar beträgt.

Rotary Club übernimmt Schul- und Internatskosten

Nachdem man das Schulgeld für die gesamte Dauer des Schulbesuchs von acht bis neun Jahren garantieren wollte, brachte Bichler den Vorschlag beim Rotary Club Bad Ischl ein - und mit Unterstützung des damaligen Präsidenten Horst Neuböck fand dieses internationale Projekt Zustimmung. „Der Rotary Club ist dafür gerade gestanden und hat sich auch verpflichtet, dies bis zum Ende durchzuführen“, freut sich Bichler: „Es würde ja auch nichts nützen, wenn man nach drei oder vier Jahren sagt, dass man diese Unterstützung nicht weiterführen will.“ So aber hat Pema tatsächlich die Chance, nicht nur die nationale Matura abzulegen, sondern auch das „Cambridge A-Level“ abzulegen. „Und mit diesem Cambridge A-Level könnte er dann auf der ganzen Welt studieren“, erklärt Bichler, der ergänzt: „Und selbst wenn Pema das Handtuch werfen sollte oder es aus irgendwelchen anderen Gründen nicht schafft, dann hat man ihm trotzdem zumindest die Chance gegeben.“ Und damit entspreche man einem der von Rotary getragenen Grundsätzen - nämlich mit humanitären Projekten weltweit Menschen zu erreichen, die Hilfe benötigen.
Dass die Hilfe auch ankommt, ist in diesem Fall garantiert - hat Bichler doch in regelmäßigen Abständen Kontakt mit der Familie bzw. Pema selbst. Zuletzt schrieb der Elfjährige ein Dankesschreiben an den Ischler Rotary Club, in dem er von seinem ersten Jahr an der Schule berichtet. Dass sein Lieblingsfach Mathematik sei, berichtet Pema, und dass er daneben unter anderem auch Englisch und Informatik lerne. Dass er einen sehr guten Freund gefunden habe, dass er viele sportliche Tätigkeiten unternehme und auch Gitarre lerne. Stolz ist Pema vor allem aber auch, dass er schwimmen gelernt hat. Schwimmen können in Nepal schließlich nur die wenigsten, weshalb dies für ihn und seine Familie etwas ganz besonderes sei.

Alfred Bichler und seine Ehefrau Jutta beim bislang letzten Besuch von Pemas Familie in Nepal im Oktober 2018.
Sichtlich stolz: Pema mit Pokal und Urkunde eines Laufwettbewerbs.

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Autor:

Philipp Gratzer aus Salzkammergut

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