Wer hat in der Pramtaler Sommeroperette die Hosen an?

Harald Wurmsdobler ist seit Beginn Intendant der Pramtaler Sommeroperette. Heuer ist es die fünfte Auflage.
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  • Foto: Wurmsdobler
  • hochgeladen von Kathrin Schwendinger

MÜNZKIRCHEN, ZELL AN DER PRAM (ska). Der Münzkirchner über Frauenpower, Berliner Schnauze und Erfolg trotz knappem Budget.

BezirksRundschau: In "Frau Luna" haben die Frauen die Hosen an – wie geht es Ihnen als Mann dabei?
Sein wir uns doch ehrlich, das ist doch nicht nur in der Operette so;-)! In unserem Stück ist die „Pusebach“ eine Hausmeisterin, die sagt, wo es langgeht, also ein sogenanntes „Mannweib“. Die gibt es in der Realität auch, aber im Unterschied zur Operette, sind Frauen im realen Leben in ihrem Handeln oftmals subtiler als Männer, während diese laut polternd durch die Gegend wandeln – siehe Donald Trump. Ich denke, es ist gut, wenn man als Mann auch auf das hört, was Frauen sagen. Wir haben ja seit fünf Jahren eine Regisseurin, und ich glaube, sie hatte nie ein Problem sich durchzusetzen!

Wie unterscheidet sich Ihre Rolle heuer von den vorhergehenden?

Da ist an ersten Stelle ganz klar der Dialekt zu nennen. „Frau Luna“ spielt ja in Berlin und daher kommen wir um das „Berlinern“ nicht herum. Der „Steppke“ ist ein Urberliner aus der Arbeiterklasse. So eine Rolle habe ich bisher noch nie gespielt. Das ist eine ganz neue Herausforderung. Die eine Hälfte der Operette ist ein Traum von ihm. Das eröffnet einerseits viele Möglichkeiten bis hin zur Surrealität, andererseits bedeutet das, dass er keine lineare Entwicklung als Persönlichkeit hat, sondern in seinen Gefühlen hin und her springt, wie das halt im Traum so ist.

Was gefällt Ihnen an der diesjährigen Aufführung persönlich am besten?
Die Musik Paul Linckes hat schon etwas Zündendes, da sind viele Ohrwürmer drinnen. Das ist faszinierend. Dramaturgisch gesehen, fehlt es an den großen Finali, die es nicht gibt, aber die durch großartige Einzelnummern kompensiert werden. Die Operette „Frau Luna“ erzählt von ganz gewöhnlichen Menschen: Da gibt es den Mechaniker, den Schneider, den Hausmeister, die Zimmerwirtin und so weiter. Diese Leute auf die Bühne zu heben macht besonderen Spaß und ich denke, damit kann sich jede und jeder gut identifizieren.

Als Intendant stecken Sie seit fünf Jahren viel Herzblut in die Sommeroperette. Warum liegt Sie Ihnen am Herzen?

Ich weiß nicht – eine gute gemachte Operette spricht mich an, da ist so vieles vorhanden: Niveauvolle Unterhaltung, Gesellschaftskritik – etwas, wofür Theater ja eigentlich steht – und Selbstironie. Als Künstlerin oder Künstler muss man nicht „nur“ singen können, man soll auch eine sehr gute Schauspielerin, ein sehr guter Schauspieler sein. Wir sind ein tolles Team und jeder trägt das Seine zum Erfolg bei und ist mit Engagement bei der Sache.

Neben Herzblut haben Sie auch viel eigenes Geld investiert. Haben Sie das Risiko nie gescheut?
Schauen Sie, um einen Vergleich mit der Wirtschaft zu ziehen: Wenn Sie an ein Unternehmen glauben, dann kaufen Sie Aktien und investieren Ihr Geld. Ja, ich glaube an die Zukunft der Pramtaler Sommeroperette, auch wenn die Investition eine negative Rendite abwirft. Diese hätte ich beim derzeitigen Zinsniveau ja sowieso und hier ist das Geld sinnvoll investiert. Außerdem will ich mit gutem Beispiel vorangehen, denn ich würde mir noch (mehr) Unterstützung aus der Wirtschaft wünschen.

Wie schaffen Sie es, dass unter dem „Sparzwang“ die Qualität nicht leidet?

Der Sparzwang ergibt sich aus unserem Budget. Das ist sehr bescheiden und setzt sich zu zwei Drittel aus den Eintrittsgeldern, einem Sechstel Sponsoring und einem Sechstel Subvention zusammen. Da sind eben kreative Lösungen gefragt und ich denke, wir haben das in den letzten Jahren gut hinbekommen. Wir wissen alle, dass am Einfachsten bei der Kultur gespart werden kann. Aber brauchen wir diese nicht, um uns als Gesellschaft zu positionieren? Dass uns unsere Kultur fehlt, würden wir dann merken, wenn es diese nicht mehr gibt. Künstler können Sie im Preis so drücken, dass es beschämend ist, weil sie für ihre Kunst derart brennen, dass sie selbstverständlich auf Vieles verzichten. Das ist leider die traurige Realität.

Sind Sie zuversichtlich, dass es die Sommeroperette auch in Zukunft jährlich geben wird?
Diese Frage entscheidet das Publikum! Auf der einen Seite stehen die Künstler, das Produktionsteam und alle, die zum Erfolg beitragen. Auf der anderen Seite sind es die Zuhörer. Erst gemeinsam wird eine Vorstellung zum Erlebnis. Wir stehen auf alle Fälle für die nächsten Jahre zur Verfügung und freuen uns, wenn das Publikum uns Erfolge ermöglicht.

Termine und Tickets für die Sommeroperette 2017

10., 11., 17., 18., 23., 24. und 25. Juni. Beginn an den Samstagen um 19.30, an Sonntagen um 18 Uhr. Tickets sind erhältlich unter www.sommeroperette.at/tickets, im Schloss Zell/Pram unter www.oeticket.com sowie unter 0664/5931807.
Preise je nach Kategorie 36, 27 oder 18 Euro.

Bei Schlechtwetter findet die Pramtaler Sommeroperette im Mehrzwecksaal statt. Immer Nachmittags wird an den Veranstaltungstagen der Ort auf der Homepage www.sommeroperette.at bekannt geben.

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