13.09.2017, 19:00 Uhr

Polizei steckt im Überstunden-Dilemma

Schärdings Polizisten haben alleine im Jahr 2016 über 22.000 Überstunden geleistet. Die Stimmung steht auf der Kippe. (Foto: BezirksRundschau/Auer)

Polizisten leisteten 22.102 Überstunden. Für die SPÖ ein Wahnsinn. Dabei wartet bereits der nächste "Schock".

BEZIRK (ebd). Die Polizei steckt laut SPÖ in einem Überstunden-Dilemma – Fakt ist: Laut einer aktuellen Erhebung des SPÖ Landtagsklubs fehlen im Bezirk Schärding 13 Vollzeitposten (siehe unten). Im Oberösterreich-Ranking liegt der Bezirk damit im Mittelfeld. Ein unhaltbarer Zustand, wie die SPÖ findet. "Mit Journaldienst und Überstunden kommen auch viele langjährige Polizeikräfte oft auf 60 Stunden oder mehr. Das grenzt an Überforderung, vor allem wenn man bedenkt, welch große Verantwortung sie im Einsatz tragen", so SPÖ-Klubvorsitzender Christian Makor. "Die Bezirksbilanz macht deutlich, dass dort, wo besonders viele Vollzeitkräfte fehlen, besonders viele Überstunden anfallen. Deshalb muss endlich gehandelt werden." Schärdings Bezirkspolizeikommandant Matthias Osterkorn bestätigt auf Anfrage das Überstunden-Dilemma. "Die von unseren Beamten geleisteten Überstunden waren zur Sicherstellung des polizeilichen Regelbetriebs unbedingt erforderlich. Meine Führungskräfte sind täglich gefordert darauf zu achten, dass die Stimmungslage nicht kippt. Aufgrund der Personalfehlstände ist die aktuelle Lage als angespannt zu betrachten."

Stimmung könnte kippen

Dabei könnte sich die Lage im Bezirk in den kommenden Jahren dramatisch zuspitzen. Denn das Durchschnittsalter der Beamten ist in Schärding relativ hoch, wie Osterkorn weiß: "In den nächsten zehn Jahren stehen die pensionsstarken Jahrgänge an. Dies stellt eine zusätzliche Herausforderung dar." Dazu OÖVP-Sicherheitssprecher Wolfgang Stanek: "Die angespannte Personalsituation ist nicht erst seit heute bekannt. Die größte Belastung gab es bei der Bewältigung der Flüchtlingswelle. Seither gehen auch die Überstunden nachweislich zurück." Wie Stanek betont, hat der Landtag mittels Beschluss bereits mehrfach mehr Personal gefordert. "Schade ist, dass die SPÖ im Land hier noch mitzieht, auf Bundesebene aber dann bei so wichtigen und notwendigen Dingen, wie dem Sicherheitspaket, blockiert." Osterkorn plädiert an die Politik, endlich Nägel mit Köpfen zu machen. "Es ist absolut wichtig, dass das Versprechen der Politik – die Region zu stärken – in der nächsten Legislaturperiode tatsächlich umgesetzt wird. Bei Personalwünschen muss man der Realität ins Auge sehen, da die Neuausbildung mit dem aktuellen oberösterreichweiten Bedarf schwer Schritt halten kann", weiß Osterkorn. Nachsatz: "Grundsätzlich gibt es genug Bewerber für den Bezirk."

Zur Sache

Laut der SPÖ-Erhebung leisteten die Polizeibeamten in Oberösterreich im vergangenen Jahr 679.316 Überstunden. Das entspräche 404 Vollzeitkräften. Mit den 22.101 "Schärdinger Überstunden", liegt der Bezirk im OÖ-Vergleich im Mittelfeld. Zum Vergleich: Im Bezirk Ried wurden 19.396 Überstunden und in Braunau 25.258 geleistet. Wie Bezirkspolizeikommandant Matthias Osterkorn sagt, wird ein Großteil der Überstunden in finanzieller Form abgegolten. Auf Wunsch auch als Zeitausgleich.
Aktuell befinden sich laut OÖVP-Sicherheitssprecher Wolfgang Stanek 225 Polizeischüler in der Ausbildung. 2018 werden 250 mit der Schule beginnen. Mit Herbst 2017 startet der rund 100 Personen umfassende Personalpool. Bereits im Dienst stehen rund 50 Beamte der mobilen Bereitschaftseinheit für besondere Einsätze im Land. Im Endausbau werden es 80 sein.
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