Die Zahlen sprechen eine klare Sprache
Zillertal am Scheideweg: Bettenstopp vs. ungebremstes Wachstum

Die Liste Fritz lässt mit Forderungen aufhorchen. Man will einen Bettenstopp durchsetzen.  | Foto: Haun
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In den vergangenen 50 Jahren hat sich die Zahl der Gästebetten im Zillertal mehr als verdoppelt. Mit 51.658 Betten liegt das Tal bereits über der selbst gesetzten Obergrenze von 50.000. Trotz dieser Vereinbarung, die der Planungsverband Zillertal und die Gemeinden beschlossen haben, entstehen immer wieder neue Hotels, wie zuletzt in Uderns und Fügen. Die Forderungen der Liste Fritz mit Obfrau Andreas Haselwanter-Schneider und Bezirkssprecherin Roswitha Schmida muten radikal an, doch bei genauerer Betrachtung wird die Debatte durchaus interessant

FÜGEN (fh). Andrea Haselwanter-Schneider, Parteichefin der Liste Fritz, betont bei einer Pressekonferenz: „Aus wirtschaftlicher, verkehrspolitischer und raumordnerischer Sicht braucht es keine neuen Betten auf der grünen Wiese. Alles muss daran gesetzt werden, einen echten Bettenstopp zu gewährleisten. Es geht um Haushalten mit dem, was da ist – Qualität vor Quantität. Wir müssen einen anderen Weg finden und da würde ich persönlich das Südtiroler Modell mit einer Bettenobergrenze begrüßen“. Die Liste Fritz geht sogar soweit einen Bettenstopp für das gesamte Land Tirol zu fordern. 

Auslastung und Arbeitskräfte: Ein paradoxes Bild

Die Auslastung der bestehenden Betten liegt im Winter bei 42 bis 45 Prozent (Zahlen der Statistik des Landes Tirol - Anm. der Redaktion), im Sommer sogar nur bei 25 bis 30 Prozent. Ein Bettenstopp, so Haselwanter-Schneider, wäre daher auch im Interesse der heimischen Betriebe. Doch nicht nur die Betten, auch die Arbeitskräfte sind ein Thema: Von den 8.000 bis 10.000 Beschäftigten in Hotellerie und Gastronomie sind nur 2.500 bis 3.000 Österreicher:innen. „Im Zillertal wird die berühmte Tiroler Gastfreundschaft zu 70 Prozent von ausländischen Arbeitskräften serviert“, erklärt Bezirkssprecherin Roswitha Schmida. Die Folge: Immer mehr Personalhäuser werden benötigt, um die Mitarbeiter:innen unterzubringen. Das verschärft den Wohnraummangel und zehrt an den Grünflächen.

Tourismusboom mit Schattenseiten

Rund 38.000 Menschen leben im Zillertal – doch jährlich kommen 1,7 Millionen Gäste, die für 7,7 Millionen Übernachtungen sorgen. Vier Millionen davon entfallen auf den Winter. Auch die Liftkapazität ist beeindruckend: 325.000 Personen pro Stunde können befördert werden. Doch der Preis für dieses Wachstum ist hoch.

Planungsverband: Erfolg mit Schlupflöchern

Der Strategieplan Zillertal (es gab eine Neuauflage des Papiers im Jahr 2023) zeigt: Ohne den Planungsverband sähe das Tal heute noch verbauter aus. Großbetriebe (Hotelketten aus dem Ausland) wurden abgewehrt, doch Schlupflöcher bleiben. „Die Grenze für touristische Betriebe liegt bei 150 Betten – und manche Unternehmer bauen einfach 149“, erklärt Roswitha Schmida, Bezirkssprecherin der Liste Fritz. Hier seien mutige Bürgermeister:innen und ein gestärkter Planungsverband gefragt. Denn: „Die Bürgermeister könnten via Bebauungsplan Projekte eindämmen – weniger Dichte, weniger Stockwerke. Die Gemeinde hat Spielraum.“ Bisher kann der Planungsverband nur bei Neuwidmungen ein Veto einlegen. In Uderns etwa entstand ein großes Aparthotel, weil sich der Bauwerber bereits beim Golfplatzbau eine Widmung gesichert hatte.

Forderung: Mehr Macht für den Planungsverband

Haselwanter-Schneider fordert: „Wer den Bettenstopp ernst meint, braucht entweder eine starke überregionale Raumordnung oder einen Planungsverband, der im Zweifel die Gemeinden überstimmen kann.“ Der Planungsverband Zillertal gelte zwar als Vorbild – doch selbst hier fehle der „letzte Biss“. Das Zillertal steht vor der Frage, wie es sein Wachstum steuern will. Die Zahlen sind bekannt, die Lösungen umstritten. Eines ist klar: Ohne verbindliche Regeln und mutige Entscheidungen wird der Bettenstopp ein zahnloser Tiger bleiben.

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