Kulturgastspiele im Ronacher
"Es ist ein Treffen von Freunden"
- Günther Beelitz ist Intendant der Kulturgastspiele im "Das Ronacher"
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BAD KLEINKIRCHHEIM (ven). Günther Beelitz, Intendant der Kulturgastspiele im "Das Ronacher", holt auch heuer wieder Größen der österreichischen Kunst- und Kulturszene nach Bad Kleinkirchheim. Die WOCHE sprach mit ihm über seinen Zugang zum Theater und Bad Kleinkirchheim als Zufluchtsort.
WOCHE: Wie sind Sie zum Theater gekommen?
GÜNTHER BEELITZ: Es war ein verschlungener Weg. Nach der Matura lernte ich Buchhändler und Verlagskaufmann. Erst im Laufe dieser Tätigkeit beschäftigte ich mich mit Literatur und Theater. Dann kam der Wunsch eines Studiums – Theaterwissenschaft mit Germanistik und Kunst. Ich kam aber von klein auf in Berührung mit dem Theater, meine Eltern hatten ein Theaterabo. Ich hatte nie den ausgeprägten Wunsch, es selbst machen zu wollen. Dazu hatte ich zu viel Respekt und auch Angst davor.
Angst?
Ja vor etwas, was man noch nicht kennt. So wie die derzeitige politische Situation, in der wir momentan leben. Das Umfeld zu unserem diesjährigen Programm ist auch sehr politisch, wir scheinen in einer politisch komplizierten, zum Populismus neigenden Epoche zu leben. Literatur, Kunst und Theater kann hier am besten die Lebensverhältnisse durchleuchten und sichtbar machen, aber auch große Empathie bilden.
Wie ergab sich die Zusammenarbeit mit Familie Ronacher?
Auch das war zufallsgeprägt. Ich hatte eine schwere Erkrankung, mein Wiener Primar sagte, ich solle in ein subalpines Reizklima. Auf die Frage, wo ich dieses finde, meinte er 'In Kärnten'. Das war 1969. Ein Jahr später hatten wir hier ein Appartement, seit Jahrzehnten nun ein Haus. In einem Theater-Wanderleben ist es der ruhende Pol, unser beständigster Ort.
Günther Ronacher hatte mich schon damals gefragt, ob ich nicht so eine Veranstaltung auf die Beine stellen möchte. Während ich an den großen Häusern tätig war, ging das aber nicht.
Nach meiner Pensionierung hat mich Simone erneut gefragt. Nun konnte ich es mir vorstellen, eine kleine Insel der Hochkultur in Kärnten zu schaffen.
Was gefällt Ihnen an Bad Kleinkirchheim besonders?
Für meine Familie und mich ist der Ort immer eine Art Inselparadies gewesen. Wir sind neun Mal umgezogen, haben in vielen Großstädten von Wien bis München, Düsseldorf, Heidelberg, Weimar etc. gelebt. Da braucht man einen Fixpunkt, einen Ort, an dem man zuhause ist. Wir sind auch alle begeisterte Skifahrer.
Was macht die Kulturgastspiele aus?
Es ist die einzige Veranstaltungsreihe in Kärnten, die in einer gedrängt kurzen Zeit viele Spitzen-Schauspieler und -Musiker zusammenführt, eine Begegnung mit dem Publikum schafft. Das ist wiederum nur im Hotel möglich, weil die Hotelgäste dort die Möglichkeit haben, mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen. Der Dialog ist extrem wichtig. Das gibt es in diesem Umfang so sonst an keinem Ort in Österreich.
Nächstes Jahr werden es zehn Jahre...
Dass sich das so durchgesetzt hat, ist für mich ein kleines Wunder. Wir wurden von Jahr zu Jahr besser, haben an Zuneigung des Publikums gewonnen. Und mit so einer wunderbaren Gastgeberin wie Simone Ronacher hat sich bei den Künstlern ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt, sie kommen auch gerne wieder her. Es ist für mich wichtig, Vielfalt auf diesem hohen Niveau zu zeigen. Ich glaube, dass es sich auch diesmal wieder zu einem sehr vielschichtigen Programm zusammenfügt.
Wie sieht Ihre Arbeit bei den Kulturgastspielen konkret aus?
Ausgangspunkt meiner Tätigkeit sind in erster Linie die langjährig gewachsenen Beziehungen aus meinem Beruf als Generalintendant von großen Häusern. Ich habe mit den Künstlern Arbeits- und menschliche Beziehungen, und verführe sie, hier her zu kommen.
Ich bespreche mit ihnen, was sie gerne machen würden. Es gibt auch viele, die mich um Vorschläge bitten. Jedes Jahr gibt es eine Art Motto, einen Leitfaden. Den maile ich ihnen und dann kommen gegenseitig Vorschläge. Ein schönes Wechselspiel – auch von klassischen Texten – was ich wichtig finde – oder auch Dingen, die man nicht so kennt.
Also ist es auch ein Treffen mit Freunden?
Freunden und künstlerischen Verwandten. Ich glaube, das spürt man auch im Umgang miteinander und mit dem Publikum. Ich habe das Programm 2018 etwas erweitert und auch ein Gespräch gemacht. Ich habe zum Beispiel Christian Berkel gefragt, was für ihn als Schauspieler der Impuls war, zu schreiben. Das Publikum war gebannt.
Dieses Jahr gewährt Tatort-Star Jörg Hartmann mit „Jugend ohne Gott“ von Ödön von Horvath Einblicke in die Inszenierung bei den Salzburger Festspielen.
Welcher Gast blieb Ihnen besonders in Erinnerung?
Das kann ich nicht sagen, weil wenn ich einen erwähne, würde ich einem anderen Unrecht tun. Es gab meinerseits Lieblingsprogramme, aber das hängt mit dem Programm und der Persönlichkeit des Künstlers zusammen. Da gab es für mich persönlich näherstehendes, aber das muss für das Publikum nicht so gewesen sein. Ich habe es schon ganz gern, wenn es inhaltliche bis politische Auseinandersetzungen gibt. Wenn man versucht, Menschen auf ihre Situation aufmerksam zu machen.
Sie sagen in Ihren einleitenden Worten im Programmheft, Sie wollen ein Fest der Lebensfreude, der Grenzüberschreitung, des Miteinanders. Und den Mut feiern. Was bedeutet für Sie Mut?
Mut in diesen politisch schwierigen Zeiten, sich mit Kunst auseinander zu setzen, die mit dieser Politik, in der wir drin stecken, eine sehr enge Beziehung hat. Damit meine ich nicht das dokumentarische Abbilden, das macht die Zeitung. Aber mit dem Thema mit Überhöhung arbeiten, die Probleme dahinter sichtbar machen, die menschlichen. Was entsteht durch Populismus, warum verhalten wir uns populistisch? Das kann man an bestimmten literarischen Werken wunderbar zeigen. „Jugend ohne Gott“ ist das beste Beispiel, wie Faschismus entsteht. Eine extrem moderne Novelle.
Aber auch Mut, der aus einer Lebensbewältigung kommt und das ist das große Thema von Kunst überhaupt. Wie und wie facettenreich ist es möglich, unser Leben zu begreifen, zu gestalten, zu erleben. Das ist der Ausdruck in der Malerei, in Musik, Literatur, Theater, Architektur, Kino, manchmal auch im Fernsehen. All das sind eigentlich Lebensqualitätsverbesserer, oder könnten es sein, wenn sie gut sind.
Gibt es schon Ideen für das Jubiläum 2020?
Da muss es besonders krachen. Wir wollen schon ein besonderes rundes Jubiläum. Zehn Jahre Hochkultur in Kärnten – da sitz ich schon dran, innerhalb der vielen Highlights einen besonderen Akzent zu setzen. Es hängt natürlich auch damit zusammen, welche Künstler zur Verfügung stehen und mit welchem Programm man arbeitet. Aber es wird uns schon etwas einfallen.
Also jedes Jahr eine neue Herausforderung?
Ja, das ist das spannende und aufregende. Aber auch arbeitsintensiv und es macht Spaß und geht leicht von der Hand. Das Schöne an meinem Beruf war, dass er ungemein Spaß gemacht hat – 38 Jahre lang. Natürlich auch mit Schattenseiten, aber der Spaß hat überwogen. Dann kann einem auch nie langweilig werden, bis der Sarg zu ist.
Das Programm
3. Oktober
String of Pearls & das Hippie-Kammerorchester, wo Julia von Miller und ihre Band mit „Come together“ einen Kulturrausch zum Aufbruch feiern.
5.Oktober
Adele Neuhauser & das Kammerpunkjazz-Trio Edi Nulz laden zu einer musikalischen Lesung der Tierreportagen von Douglas Adam und Mark Carwardine „Die letzten ihrer Art“ ein.
9. Oktober
Manuel Rubey & Gerald Votava garantieren ein Fest des Schmähs, Dialekts und der Musik – zwei Stimmen und zwei Gitarren mit ihrem Programm „Ich dachte, es sind Menschen, es sind aber leider Wiener“.
12. Oktober
Peter Simonischek, die Schauspiel-Legende liest Heinrich von Kleists Meisternovelle „Michael Kohlhaas“
17. Oktober
Jörg Hartmann – der Tatort-Star gewährt im Dialog mit Günther Beelitz mit „Jugend ohne Gott“ Einblicke in die große Horvath-Inszenierung bei den Salzburger Festspielen
19. Oktober
Jörg Hartmann macht mit „Der Trinker“ das persönliche Werk von Hans Fallada – DEN deutschen Autor der Vorkriegszeit – lebendig
22. Oktober
Oliver Welter & Boris Hauf, der Frontmann der weltberühmten Pop-Band und sein Pianist ganz intim mit „Naked Lunch – akustisch“
24. Oktober
Erwin Steinhauer, der Kammerschauspieler liest virtuos das schaurigste Grauen von H.C.Artmann „Dracula, Dracula“ – musikalisch getragen von Georg Graf und Peter Rosmanith
25. Oktober
Stefan Hunstein mit „Unterwerfung“ – der grandiose Schauspieler gewährt Einblicke in einen der meistgelobten und umstrittensten Romane der letzten Jahrzehnte von Michel Houellebecq
27. Oktober
Barbara Auer erzählt uns mit „Der Ball“ eine Familiengeschichte am Abgrund des Antisemitismus von Iréne Némirovsky
Mehr Informationen auf der Homepage der Kulturgastspiele.
Fotos: Antonia Renner, Jules Stipsits, Xenia Hausner, Stefan Klüter, Nancy Horowitz, Janine Guldener, Boris Olze, Mario Lang, Dorothee Falke, Ruth von Chelius
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