"Das Internet ist ein riesiger Zeiträuber"

Gert Thalhammer, ehemaliger Lehrer an der Hak Spittal, im Gespräch mit der WOCHE
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  • hochgeladen von Verena Niedermüller

SPITTAL. Die WOCHE im Gespräch mit dem Italien-Fan Gert Thalhammer.

THALHAMMER: Bitte einen schwarzen Ribiselsaft mit Wasser. Das ist mein Lieblingssaft. Ich habe zuhause in meinem Garten 20 Stauden, die noch meine Urgroßeltern gepflanzt haben.
WOCHE: Also haben Sie einen grünen Daumen?
THALHAMMER: Nein, ich habe zwar eine grüne Ader, auch mein Pullover ist heute grün. Politisch aber nicht.
WOCHE: Wie sehen sie als passionierter und mittlerweile pensionierter Lehrer die Entwicklungen in der Bildungspolitik?
THALHAMMER: Ganz schlecht. Das heutige Schulwesen ist eine schiefe Ebene nach unten. Das genaue Messen von Leistungen ist nicht mehr gefragt. Heute ist man nur dann ein guter Lehrer, wenn alle durchkommen. Dann ist man "everybody's darling", mit dem partnerschaftlichen Unterrichten. Am besten sollte man mit dem Lehrer noch per Du sein. Vor zehn oder 30 Jahren haben die Schüler auch mehr gewusst als heute.
WOCHE: Sie waren 36 Jahe lang Lehrer für Italienisch, politische Bildung und Volkswirtschaft. Vermissen sie das Lehren?
THALHAMMER: Das Lehren insgesamt ja. Aber vier Stunden pro Woche unterrichte ich noch bei der Dante Alighieri-Gesellschaft. Einen Kurs gebe ich seit zehn Jahren und einen seit 30 Jahren.
WOCHE: Also wird Ihnen in der Pension nicht langweilig....
THALHAMMER: Nein gar nicht. Ich habe mir auch einen neuen Beruf zugelegt. Vor zwei Jahren machte ich die Prüfung zum Gerichtsdolmetscher. Sie fragen sich jetzt bestimmt, was einen antreibt, das mit 65 noch zu machen. Es ist eine neue Perspektive. Und ich muss dazu sagen, auch eine der schwersten Prüfungen meines Lebens. Aber es war einer meiner großen Würfe. Meine Frau hat mir zum Lernen freigegeben. Die Prüfung fand dann in Wien im Justizpalast statt. Der selbe Ort, wo ich vor 40 Jahren meine 2. Staatsprüfung als Jurist abgelegt habe. Das war für mich schon etwas Besonderes.
WOCHE: Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?
THALHAMMER: Ich gehe gerne schwimmen, in den See oder in meinen Pool. Ich gehe auch im Regen schwimmen. Aufgewachsen bin ich in Gmunden am Traunsee, da bin ich niedrige Wassertemperaturen gewöhnt. Ich bin auch gerne in den Bergen unterwegs und mache ein bisschen Gartenarbeit. Ich lese auch sehr sehr viel.
WOCHE: Welches Buch liegt gerade auf ihrem Nachtkästchen?
THALHAMMER: Sehr viele. Ich habe rund 40 Bücher, die ich teilweise nur angelesen habe. Das letzte Buch war "Triest. Portrait einer Stadt". Es ist fast alles mit Italienbezug.
WOCHE: Sie sind ein Italien-Liebhaber. Haben Sie daran gedacht, auszuwandern?
THALHAMMER: Nein, niemals. Das wäre zu viel Aufwand. Ich habe einmal an ein Ferienhaus dort gedacht, aber Besitz ist eigentlich nur eine Last. Man wird ja auch älter und hat zuhause schon genug zu tun. Österreich ist mir zu lieb und zu sehr ans Herz gewachsen.
WOCHE: Was bedeutet für Sie "zuhause"?
THALHAMMER: Zuhause ist dort, wo ich mich wohl fühle, wo ich schlafen gehe. Das ist Spittal für mich.
WOCHE: Was mögen Sie an Spittal am meisten?
THALHAMMER: Das europäische südliche Flair, darum beneiden uns viele Menschen. Es ist eine wunderschöne Stadt. Ich bin gerne beim Simeter oben, und auch hier, auf der Terrasse im Stadtpark.
WOCHE: Freuen Sie sich auf das Salamanca-Fest?
THALHAMMER: Ich wünsche dem Stadtfest einen guten Verlauf, aber das Parkfest vor zwei Jahren hat mir besser gefallen. Es war schön, am weichen Gras zu gehen.
WOCHE: Verfolgen Sie die WM?
THALHAMMER: Wie ein Wahnsinniger! Ich bin selbst schon früh draufgekommen, dass ich als Profi-Spieler zu wenig Talent besitze. Jetzt sitze ich jeden Abend vor dem Fernseher und schaue bis zum Geht-nicht-mehr.
WOCHE: Was sagen Sie zum Ausscheiden von Italien?
THALHAMMER: Die sind verdient ausgeschieden. Es war direkt fader Fußball. Meine Favoriten sind heuer Frankreich und Holland. Meine Frau schaut auch gerne mit.
WOCHE: Stichwort neue Medien und Smartphones....
THALHAMMER: Mein Sohn hat versucht, mich zu bekehren, aber er hat es mittlerweile aufgegeben. Ich habe mich ja lange gegen ein Handy gewehrt. Ich nutze weder Facebook, noch Youtube, noch Ipads und kaum das Internet. Es ist für mich ein riesiger Zeiträuber. Ich schreibe und empfange lediglich E-Mails. Früher habe ich entspannt meine Post erledigt, heute bimmelt es ja zwischen 15 und 20 Mal am Tag. Das ist für eine Privatperson ja doch sehr viel. Den Computer nutze ich als erweiterte Schreibmaschine. Und mein Handy ist für mich nichts weiter als ein Telefon.

Zur Person:
Name: Gert Thalhammer
Geburtstag: 17.12.1947
Wohnort: Spittal
Familie: verheiratet, einen Sohn, eine Tochter und zwei Enkelinnen
Hobbys: Garteln, Schwimmen, Lesen, Bergwandern
Lieblingsessen: italienisch
Vorbild: meine Eltern
Tätigkeiten: Präsident der Dante Alighieri-Gesellschaft, Gerichtsdolmetscher

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