Stadtgeschichte
St. Pölten: Auf den Spuren der Zeit

Bedrückend: Der Luftschutzkeller von Oberbürgermeister Emmo Langer im St. Pöltner Rathaus aus der Zeit des Nationalsozialismus ist noch originalgetreu erhalten. An den Wänden sind die Parolen von damals noch gut lesbar.
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  • Bedrückend: Der Luftschutzkeller von Oberbürgermeister Emmo Langer im St. Pöltner Rathaus aus der Zeit des Nationalsozialismus ist noch originalgetreu erhalten. An den Wänden sind die Parolen von damals noch gut lesbar.
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Beim Stadtspaziergang mit Bürgermeister Matthias Stadler geht es bis in den NS-Bunker.

ST. PÖLTEN (pw). "Ich muss Sie gleich enttäuschen, wir werden heute nicht ganz St. Pölten entdecken." Mit diesen Worten begrüßt Matthias Stadler die Stadtspaziergänger zum Bürgermeisterrundgang. Und es wird wahrlich viel zu entdecken geben.
Los geht es, wie könnte es anders sein, im Bürgermeisterzimmer. Bei Wein (oder auch Wasser) lädt der Hausherr zum geselligen Stelldichein. "Hier steht alles unter Denkmalschutz, außer ich selber", schmunzelt der Stadtchef. An den Wänden hängen die Porträts der Bürgermeister der letzten 120 Jahre, in der Höhe die römisch-deutsche Kaiserdecke von 1722, zu ebener Erde ein kleiner Springbrunnen. Für die Feuchtigkeit im Raum (wegen dem Stuck), nicht zur Beruhigung des Bürgermeisters, wie der Stadtchef betont. "Seit 500 Jahren steht das Rathaus an derselben Stelle. Darauf sind wir stolz. Es ist das Wahrzeichen von St. Pölten", erklärt Stadler. Man erfährt jahrhundertelange Stadtgeschichte aus erster Hand, denn es ist ein waschechter Historiker am Wort. Und er kennt seine Stadt und ihre Geschichte sehr genau.

Dunkles Kapitel

Ein Schwerpunkt liegt an diesem Abend auf der NS-Zeit: Heuer jährt sich der Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland. Beim Rundgang durchs Rathaus wird man im Keller mit der Vergangenheit konfrontiert. Die Stadtspaziergänger finden sich im Luftschutzkeller von NS-Oberbürgermeister Emmo Langer wieder (alles noch originalgetreu). "Besprechungen mit dem Bürgermeister erfolgten nur durch ein Guckloch. Heute lagern wir hier die Unterlagen für den Katastrophenfall", erklärt Stadler. "Im März 1938 war die Besetzung und im Juni/Juli wurden schon die ersten Luftschutzübungen in Schulen und Kindergärten abgehalten. Die wussten schon, was sie vorhatten", so der Stadtchef. Viele NS-Größen waren hier: Heinrich Himmler, Hermann Göhring. Adolf Hitler war 1938 im Hotel Pittner zu Gast, aß Kohlsuppe und die Menschenmenge schrie: "Bitte sei so nett und zeige dich am Fensterbrett!" Der Rathausplatz wurde in Adolf-Hitler-Platz umbenannt und er bekam die Ehrenbürgerschaft verliehen. Die heutige Landeshauptstadt musste während des Nationalsozialismus zehn Bombenangriffe über sich ergehen lassen und war drei Wochen lang Frontstadt. "Es ist mir ein Anliegen, dass das nicht vergessen wird", betont Stadler.

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