OFFENER BRIEF FÜR DIE MENSCHLICHKEIT
ALTE MENSCHEN BRAUCHEN STREICHELEINHEITEN

22. Mai 2020, offener Brief an alle Verantwortlichen von Pflege- und Betreuungseinrichtungen

Meine Mutter, mein Vater, meine Tante, mein Onkel, mein Mann, meine Frau… lebt seit Tagen, Monaten, Jahren... in ihrem PFLEGE- UND BETREUUNGSZENTRUM und fühlte sich dort bislang auch sehr gut aufgehoben. Ihren/Seinen Geburtstag haben wir durch Winken zum und vom Balkon „gefeiert“. Seit Anfang März besteht in den Heimen striktes Besuchsverbot, seit 14 Tagen sind angemeldete Kurz-Besuche erlaubt, die „normale“ Besuche niemals ersetzen können. Es ist einzusehen, dass man mit strengeren Maßnahmen begonnen hat, aber die Fortführung der Isolation der Heimbewohner ist in Wirklichkeit durch nichts zu rechtfertigen!

Statistik Austria Todesfälle:
2016 gesamt Österreich = 80.669
2017 83.270
2018 83.975

daraus ergibt sich eine Todesfall-Rate von 6.997 Menschen pro Monat in 2018 (2019 ist nicht verfügbar).

An bzw. mit Corona (!!!) sind bis dato (also in 2 Monaten!!) in Österreich insgesamt 629 Menschen verstorben.

https://www.sozialministerium.at/Informationen-zum-Coronavirus/Neuartiges-Coronavirus-(2019-nCov).html

Sehr geehrter Direktoren, Direktorinnen und Verantwortliche, ich verstehe, dass Sie sich in einer schwierigen Situation zwischen den Fronten befinden, dass Sie eine große Verantwortung tragen und dass Ihnen vieles vielleicht nicht gestattet oder möglich ist...

Telefongespräche und die kurzen und sehr unpersönlich gestalteten Besuche von Angehörigen (über 2 quergestellte Tische hinweg – Heimbewohner drinnen, Besucher draußen mit Maske – sehr förderlich für die Kommunikation mit älteren Menschen, die schlecht hören – und ein echtes Stresserlebnis für Demente, Ältere) können nur als kurze Überbrückung fungieren.

VOR ALLEM IM SOMMER MUSS ES DOCH MÖGLICH SEIN, GEMEINSAM MIT DEN HEIMBEWOHNERN EINEN SPAZIERGANG IM GARTEN ZU MACHEN!? UND IM FREIEN BESTEHT KEINE MASKENPFLICHT!

Aufgrund der Wahrheit (siehe o.g. Statistik) und den Forschungsergebnissen zahlreicher Wissenschaftler, die in der öffentlichen Meinung leider keine Rolle spielen dürfen, muss dringend jegliche weitere Maßnahme in Frage gestellt werden.

Es ist doch hinlänglich bekannt, dass prinzipiell für Menschen der persönliche Kontakt wichtig ist. Und ganz speziell für die Heimbewohner! Für sie ist der Besuch der nächsten Angehörigen mit Augenkontakt, Worten und liebevolle Gesten „das High-Light ihres Daseins“ und für die psychische Gesundheit und damit für das Immunsystem wichtig (und das gilt auch für Menschen mit Demenz).

Auch wenn das Pflegepersonal noch so bemüht ist - und ich möchte hiermit wirklich meinen Dank an die Pflegekräfte in dieser schwierigen Zeit aussprechen - so kann ein „richtiger“ Besuch der Angehörigen, die der Heimbewohner liebt und die ihm am Herzen liegen, nicht ausgeglichen werden. Wird die Parole „die älteren Menschen schützen“ weiter fortgeführt, wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit unter den isolierten, hilflosen Menschen die Zahl der psychisch Kranken sich erhöhen und es wird unnötige Todesfälle geben, so die Einschätzung von Experten.

Dr. Matthias Thöns, Facharzt für Anästhesiologie, Notfall-, Schmerz- und Palliativmedizin: Wenn man ehrlich ist, dann ist Covid-19 keine intensivmedizinische Erkrankung. Es sind im Schnitt über 80jährige Patienten schwer betroffen, die in den allermeisten Fällen multimorbid, also mehrfach erkrankt sind. Die bekommen durch dieses Virus eine Lungenentzündung und die ist dann tödlich. Den Großteil der Betroffenen hat schon immer die Palliativversorgung behandelt. Früher nannte man die Lungenentzündung am Ende des Lebens den Freund des alten Menschen. Und jetzt geht man her, diagnostiziert die Corona-Infektion und macht daraus einen Intensivfall und kann die Patienten natürlich trotzdem nicht retten. Die sehr geringe Pathogenität des Erregers sowie fehlende Abweichung von der normalen, altersbedingten Sterblichkeit wurde in einer ersten Analyse vom Institut für Medizinische Statistik (IMS) in Österreich bestätigt: https://cemsiis.meduniwien.ac.at/ms/ - „Die beobachtete Altersabhängigkeit ist konsistent mit der des allgemeinen jährlichen Sterberisikos in Österreich.“ Mit Stand 14. April 2020 waren 342 Personen, das sind 0,0039% der Österreicher gestorben, wobei ungewiss ist, ob sie „an“ oder „mit“ Corona gestorben sind (eine oder mehrere schwere Grundkrankheiten). (www.eu-infothek.com).

Die wöchentlichen Todesraten "mit Corona" ab Corona-Beginn sind übrigens allesamt geringer als die Todesrate der Woche ab 27.01.2020.

https://www.statistik.at/web_de/presse/122934.html

Obige Fakten geben der Politik kein Recht mehr, alte Menschen, die während ihrer Kindheit und Jugendzeit die Schrecken des zweiten Weltkriegs erlebt haben und danach teilweise unter größten Entbehrungen, Mühsal und harter Arbeit Österreich wieder aufgebaut haben, diese Menschen „zu ihrem Schutze“ zu isolieren, auszugrenzen und wegzusperren.

Jetzt genug der Argumente ! Sehr geehrter Herr Direktor, Frau Direktorin, Sie sind der Chef/Chefin der Pflegeeinrichtung und Ihnen liegt sicher das Wohl der alten Menschen am Herzen. Ich appelliere an Sie, Ihren Einfluss geltend zu machen und für die Ihnen anvertrauten Menschen in den Pflegeheimen einzutreten, und Ihnen eine Stimme zu verleihen!

„Wir sind verantwortlich für das, was wir tun, aber auch für das, was wir nicht tun.“ (Voltaire) Und ich vertraue darauf, dass durch Ihr Tun weitere Schritte zum Wohle der Heimbewohner und der Angehörigen eingeleitet und „normale“ Besuche während der Sommerzeit wenigstens im Freien möglich sein werden. Denn ob wir es wahrhaben wollen oder nicht, letztlich werden wir an unseren Taten gemessen, die von Menschlichkeit, Mitgefühl und Liebe getragen sind.

Danke im voraus für Ihren Einsatz.

Ich wünsche Ihnen alles Gute und bin überzeugt, auch im Namen sehr vieler anderer Angehöriger zu sprechen!

Foto: pixabay

Autor:

Nina Salmutter aus St. Pölten

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