21.11.2016, 11:58 Uhr

Freies Leben ganz ohne Gewalt

Klarer Standpunkt: Katharina Thanmayer, Karin Lobinger und Maria Imlinger hissen im St. Pöltner Frauenhaus schon vorab die Fahne.

Dafür macht sich St. Pölten anlässlich des internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen am 25. November stark.

ST. PÖLTEN. "In Europa hat jede dritte Frau bereits körperliche oder sexualisierte Gewalt erlebt. Tagtäglich sind Frauen struktureller, physischer und psychischer Gewalt ausgesetzt. Tagtäglich erfahren sie Unterdrückung. Mitten in unserer Gesellschaft", weiß Martina Eigelsreiter, Leiterin des Büros für Diversität.


Frei leben - ohne Gewalt

Im Rahmen der "16 Tage gegen Gewalt an Frauen", die am 25. November starten, wird mit der Fahne "frei leben – ohne Gewalt“ weltweit ein sichtbares Zeichen dagegen gesetzt. Auch die Landeshauptstadt lässt dem Stillschweigen keine Chance. Die Frauenplattform St. Pölten lädt schon am 24. November unter dem Motto „Ich pfeif‘ auf Gewalt“ zu Fahnenhissung und Pfeifkonzert.

Psyche ist erster Angriffspunkt

Erfahren Frauen Gewalt, ist ihre erste Anlaufstelle oft das Frauentelefon vom Familien- und Beratungszentrum St. Pölten. Bis Ende Oktober gingen hier 1.872 Anrufe ein, 886 Beratungen wurden durchgeführt, informiert Leiterin Barbara Wegscheider. "Es ist unglaublich wichtig, Gewalt an Frauen jedes Jahr aufzuzeigen, denn weniger wird sie nicht. Das zeigen unsere Anrufe." Dass Gewalt kein Kavaliersdelikt ist, sei mittlerweile in die Köpfe vorgedrungen, nun gilt es, die psychische Form zu thematisieren. "Wir hören immer wieder: Aber geschlagen hat er mich eh noch nie."

Zuflucht im Haus der Frau

Im St. Pöltner Frauenhaus finden jährlich etwa 75 Frauen und die selbe Anzahl an Kindern Zuflucht. Aus einem Grund: häusliche Gewalt. "Die Aktion hat schon großes Bewusstsein geschaffen, das bemerkt man auf der Straße aber sehr wohl auch bei den Frauen", so Leiterin Maria Imlinger. Die Aufenthaltsdauer im Haus reicht von drei Nächten bis zu einem halben Jahr. "Manche gehen nach Tagen, manche gehen zurück in die Beziehung und manche warten, bis die Trennung abgeschlossen ist."


St. Pölten: 88 Betretungsverbote

"Öffentliche Aktionen sind wichtig, damit Opfer erfahren, wohin sie sich wenden können", so Marlies Leitner, Geschäftsführerin des Gewaltschutzzentrums. Bis zum 17. November ordnete die Polizei in St. Pölten Stadt 88 und in Niederösterreich 1.258 Betretungsverbote an. Im Vorjahr waren es lokal um 12 weniger, im Bundesland um 83 weniger. "Wir gehen davon aus, dass nicht die Gewalt zunimmt, sondern Opfer vermehrt die Schutzgesetze nützen."

Zur Sache:
Hier finden Frauen Rat und Hilfe: 17 Fraueneinrichtungen sind auf der Homepage der Landeshauptstadt angeführt.

Die Nummer des Frauentelefons
lautet 0800 800 810. Anrufe sind kostenlos und anonym.

"Ich pfeif‘ auf Gewalt“:
24. 11., 10 Uhr, Treffpunkt vor dem Rathaus

Hier geht's zur Homepage des Gewaltschutzzentrums

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