Ohne gutem Mix keine Energiewende
Expertin rät: "Viele Wege führen zum Ziel"
- Sonja Wogrin forscht mit ihrem Team an der TU in Graz, wie die Energiewende funktionieren kann.
- Foto: F. Lunghammer
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Die gebürtige Brücklerin Sonja Wogrin leitet das Institut für Elektrizitätswirtschaft und Energieinnovation der TU Graz. MeinBezirk hat bei ihr nachgefragt, ob und wie die Energiewende erfolgen kann.
BRÜCKL, GRAZ. Ihre Ausbildung zur technischen Mathematikerin genoß Sonja Wogrin an der TU Graz, am MIT in den USA und an der Universidad Pontificia Comillas in Madrid. Spezialisiert hat sie sich im Laufe der Zeit auf Optimierung. In ihrer Zeit in Spanien ist sie mit den Themen Energie und Elektrizitätswirtschaft in Berührung gekommen. Nach dem Studienabschluss hat sie einige Projekte mit der Endesa (Anm. vergleichbar mit der Kelag in Kärnten) durchgeführt und ist vom Thema Energie und Elektrizitätswirtschaft regelrecht "angesteckt" worden.
Komplexe Systeme
"Bei diesen Projekten habe ich sehr viel über Strom- und Energiesysteme gelernt", erinnert sie sich, "und wie komplex diese Systeme sind. Das sind wahre Ingenieursleistungen." Das schwierige an Stromsystemen ist, dass Strom nicht gut speicherbar ist. "Das Komplexe an der ganzen Sache ist, ein Gleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch herzustellen", erklärt Wogrin, "wenn das nicht funktioniert, kommt es im schlimmsten Fall zum Blackout."
- PV-Anlagen sind überall in unserer Region sichtbar. Von Dächern auf Einfamilienhäusern über industrielle Anlagen bis hin zu Wiesen- und Ackerflächen.
- Foto: KWG
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Unterschiedliche Anforderungen
Laut Sonja Wogrin sind wir in Zentraleuropa gut aufgestellt, was Stromerzeugung und auch Speicherkapazitäten betrifft. Dabei hilft es auch, dass wir an andere Länder angebunden sind. "In den letzten Jahrzehnten hat sich vorallem im Bereich erneuerbare Energie und Stromsysteme sehr viel getan", führt sie aus, "erneuerbare Energien sind für die Umwelt besser, weil kein CO2 emittiert wird, aber die Herausforderung ist, dass sie nicht immer verfügbar sind." Damit spricht sie Sonnen-, Wind- und Wasserkraft an: "Im Winter ist die Sonneneinstrahlung geringer, die Wassermassen fangen auch erst nach der Schneeschmelze zu rinnen an. Dafür gibt es im Sommer einen Überschuss." Die Herausforderung ist es die Stromgewinnung zeitlich und räumlich auszugleichen.
- Das Kraftwerk in Hüttenberg. Die Energie stammt vom Steirerbach.
- Foto: Kelag
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Ein Mix führt zum besten Ergebnis
Auf die Frage, welche erneuerbare Energie die beste ist lässt sich nicht einfach beantworten. "Es kommen viele Komplexitäten zusammen und es gibt nicht die eine richtige Art," stellt Wogrin fest, "es gibt mehrere Wege, die zum Ziel führen". Also kann nur ein Mix aus allen Varianten zum besten Ergebnis führen.
- Auch die Windkraft wird Teil der Energiewende sein.
- Foto: EcoWind
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Sonne, Wind und Wasser
Sonnenenergie, also Photovoltaik, ist auch in unserer Region sicher die am meisten ausgebaute Variante, um zu sauberen Strom zu kommen. PV-Anlagen sind nicht nur auf privaten Häusern, oder Industrieanlagen zu sehen - mittlerweile werden ganze Wiesen mit PV-Elementen vollgestellt, um zu Sonnenenergie zu kommen. Gegen die Windkraft hingegen gibt es Proteste. Dabei führt Sonja Wogrin hier ein interessantes Beispiel an: "Wir haben am Institut an der TU im Vorfeld zur Windkraftabstimmung in Kärnten ein Projekt durchgeführt und einen digitalen Zwilling vom Energiesystem abgebildet. Damit können wir "Was-wäre-wenn-Fragen" beantworten. Herausgekommen ist dabei, wenn nicht in Windkraft investiert wird, wird der Strom bis 2040 um rund 60 Prozent teurer werden."
- Am Ausbildungscampus der Kelag in St. Veit wird die Notwendigkeit von Wasser, Wind- und Sonnenkraft deutlich. (Am Bild im Rahmen einer Veranstaltung in der Fachberufsschule St. Veit)
- Foto: MeinBezirk.at/Astrid Siebert
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Positive Bilder notwendig
Somit ist für Sonja Wogrin klar: "Die Energiewende braucht positive Bilder. Sie ist keine unliebsame Hausaufgabe, sondern eine extrem coole Sache. Und wir haben in Österreich die Chance, Vorreiter zu sein und zu zeigen, dass ein erneuerbares Stromsystem funktionieren kann. Die Technologien sind soweit und es sollte eigentlich eine Goldgräberstimmung in der Luft liegen. Es ist oft schwierig Veränderungen herbeizuführen, wenn die Gewohnheiten da sind. Aber das Leben ist Veränderung. Öl und Gas sind wir gewohnt, aber es ist teuer und das Geld dafür bleibt nicht im Land, sondern geht an Oligarchen in anderen Ländern. Der Klimawandel ist da, wer sich davor verschließt denkt zu kurzfristig."
Zusammen schaffbar
Ein weiterer Faktor für eine funktionierende Energiewende und Klimaneutralität ist das Zusammenspiel von Technologie, Ökonomie und der Gesellschaft. Letztere wird laut Sonja Wogrin zu wenig integriert. Wirtschaft, Industrie und Politik müssten besser miteinander agieren.
Zur Person
- Sonja Wogrin ist in St. Filippen bei Brückl aufgewachsen
- Sie hat an der Technischen Universität Graz, der Univerity of Sheffield in Großbritannien, dem Massachusetts Institute for Technology den USA und an der Universidad Pontificia Comillas in Spanien studiert und promoviert.
- Seit 2021 leitet sie das Institut für Elektrizitätswirtschaft und Energieinnovation der TU Graz.
- Im Oktober 2023 wurde sie als Österreicherin des Jahres in der Kategorie Klimainitiative ausgezeichnet. In ihrer wissenschaftlichen Arbeit beschäftigt sich Wogrin unter anderem mit der Optimierung von Computermodellen zur Modellierung komplexer, stabiler und klimaneutraler Elektrizitätssysteme.
- Privat lebt sie mit ihrem Mann und zwei Kindern in Graz.
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