16.02.2011, 22:00 Uhr

Muraunberg - Der St.Veiter Hausberg

Forstweg zur Schwarzen Muttergottes
Der Muraunberg dient heute vielen St.Veiterinnen und St.Veitern als Naherholungsraum. Spaziergänger, Wanderer, Nordic Walker, Reiter und Läufer nutzen den Forst. Von den Höhenzügen aus bieten sich wunderschöne Fernblicke ins Zollfeld und ins Obere Glantal an. Vom Neubauer Feld, einer Lichtung oberhalb der Waldkapelle Maria Loreto, sieht man bis hinauf ins Krappfeld, auf Taggenbrunn und Hochosterwitz. Von der Weberitsch Höhe sieht man ins Glantal hinunter. Der geschlossene Fichten-, Kiefer- und Buchenwaldkomplex umfaßt eine Größenordnung von rund 600-700 ha.

Text und Fotos: Franz Waditzer

Der Berg trägt einen berühmten Namen, der sich von der kelto-romanischen Stadt Virunum ableitet. Das Wort Virunum wurde volkstümlich verzerrt zu Varunum-Marunum- Maraunberg-Muraunberg. Aus der Zeit stammen auch zwei Wallanlagen auf der schützenden Höhe des langgezogenen Berges, die als befestigte Siedlungen der Vorzeit oder Fliehburgen des Frühmittelalters mit Wall und Graben umgeben waren und heute noch erkenntlich sind.

Der Sportberg

Am Nordhang des Muraunberges stand eine Sprungschanze. Deren kritischer Punkt lag bei 45 Metern. Mit Holzschi, Bindungen aus Riemen und Spanner wurde gesprungen. Gebaut wurde der Backen in Eigenregie. Der Schanzenrekord lag bei 47 Metern. Gesprungen wurde im Sprungstil von Bubi Bradl mit vorgehaltenen Armen. Hannes Schipfer war der Skisprungpionier der Herzogstadt. Er machte das Skispringen in der Stadt populär. Schipfer stellte auch den Schanzenrekord auf. Nach ihm wurde die Schanze benannt. Zweitausend Besucher bei den Bewerben waren keine Seltenheit. 1950, nachdem ein Schanzenneubau eine falsche Flugparabel brachte, kam das Aus für die Anlage.

Am Neubauerfeld und auf der Kumer Leitn trafen sich noch in den Sechziger- und Siebziger Jahren die wackeren Wintersportler der Herzogstadt zum gemeinsamen Brettln und Skilaufen. Die Kumer Leitn war auch oftmals Austragungsort regionaler Skimeisterschaften. Auf zwei Forstwegen, einer davon führte hinauf zur Waldkapelle Maria Loreto, wurde der Rodelsport betrieben und öfters Stadtmeisterschaften im Volksrodeln durchgeführt.

Projekt unterm Muraunberg

1997 sorgte der Vorschlag einer für den Verkehr zuständigen Stadträtin für Heiterkeit. Die Kommunalpolitikerin stütze ihre Forderung nach Verkehrsberuhigung zwischen Süden und Westen auf ein Projekt, das 20 Jahre vorher schon einmal andiskutiert worden ist: Sie schlug eine Untertunnelung des Muraunbergs vor. Damit sollte der Verkehr unterirdisch an der Herzogstadt vorbeigeleitet werden. In einer ersten Kostenschätzung berief sich die Stadträtin auf den damaligen Lhstv. Karl-Heinz Grasser, später Österreichischer Finanzmininster, der den finanziellen Aufwand dafür mit 80 bis 100 Millionen Schilling angegeben hatte. Der Ausdruck einer tagespolitischen Profilierungsneurose verschwand bald wieder in einer Schublade.

Der Pulverturm

Das Munitionslager am Muraunberg hat schon eine lange Tradition. Schon in Zeiten der Österreichisch-Ungarischen Monarchie war der Muraunberg Sitz eines Munitionslagers. Damals nannte man die Anlage noch Pulverturm. „Riesige Mengen von offenem Pulver und ganz beträchtliche Mengen von Dynamit, die auch bei der Bevölkerung von St. Veit große Furcht erregen“, waren damals am Muraunberg gelagert. So stand es zumindest in historischen Dokumenten.

Alte Pläne der „K. u. k. Militär-Bauabteilung in Graz“ zeigen auch, dass rund um den Pulverturm am Muraunberg eine Bauverbotszone herrschte. Ähnlich streng ist es noch heute: Fotografieren und das Benutzen des Handys ist dort verboten. Auch Wachen patroullieren rund um das abgesperrte Gebiet.

Waldkapelle Maria Loreto als Kultstätte am Muraunberg

Die Waldkapelle wird im Volksmund einfach nur "Schwarze Muttergottes" genannt. Der kleine Kapellenbau mit flacher Tonne und einer hölzernen Vorlaube wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von einem St. Veiter Bürger gestiftet und beherbergt eine schwarze Muttergottesstatue, die der Kapelle ihren Namen gab. Eingeweiht wurde sie am 17. Juli 1864. Die Kapelle hat eine Ost-West-Ausrichtung und ist öffentlich zugänglich. Im Inneren steht eine schwarze Muttergottesstatue.
Außen am Giebel befindet sich die Aufschrift: "Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin."

Als Kultstätte gelten die Quellen bei der Schwarzen Muttergottes. Die Kapelle soll auf drei Quellen erbaut sein, die zusammengefasst wurden und heute in einem Bach vereint sind. Die Schüttung der "Heiligen Quelle" beträgt etwa zwei Liter pro Minute.

Der St.Veiter Verschönerungsverein und der Berg

Der Muraunberg gehört zum pflegerischen Dauerauftrag des Vereines. Am Muraunberg werden Wanderwege gepflegt und Parkbänke aufgestellt. Ein Privater unterstützt diese Bemühungen neuerdings tatkräftig und hat eine Vielzahl von Holzbänken am Muraunberg errichtet. Die Bemühungen haben Erfolg und der Berg präsentiert sich frisch gekampelt und im besten Licht: Als das Blumenhotel errichtet wurde hat es Gerüchten zufolge Beschwerden aufgrund der nicht ansprechenden Aussicht vom Blumenhotel in Richtung Rennbahn gegeben. Friedrich Orasch, der Pressesprecher der Stadt St.Veit an der Glan meinte dazu: „Die Gäste haben eine wunderschöne Aussicht auf den Muraunberg.“

Die Kuh Blondi

Glück im Unglück hatte 2006 „Blondi“. Die Kuh des St. Veiter Bauern Robert Koller war beim Grasen am Muraunberg von einem Hang abgerutscht – die siebenjährige Kuh kam am Rücken zu liegen. Die Freiwillige Feuerwehr St. Veit war gleich am Unfallort. Mit Gurten, die extra für schwere Tiere verwendet werden, wurde Blondi geborgen. Nach einer Infusion zur Beruhigung, ging es dem Tier bald wieder gut.

Einstige Richtstätte

Nahe der heutigen Klagenfurter Straße befand sich am Muraunberg einst die Richtstätte mit dem Galgen. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich zahlreiche Sagen gebildet. Am Osthang, dem Standort des Galgens, sollen allerlei Spukgestalten um Mitternacht ihr Unwesen treiben. Es gibt sehr zart besaitete, hochsensible St.Veiterinnen und St.Veiter, die sich im Muraunberg unwohl fühlen und den Berg meiden.


Der Muraunberg indes sorgt weiterhin Jahr für Jahr für Geschichten, die das Leben so schreibt: Sagen ranken sich um ihn, tollkühne Ideen und Projekte im und am Berg lassen aufhorchen. Dann und wann rutscht eine Kuh aus und kollert einen seiner Steilhänge hinunter und sorgt für internationale Schlagzeilen. Hunderte Wundergläubige wandern zur Waldkapelle hoch, um sich an der Heilquelle zu laben und das Wasser in Plastik- und Glasflaschen abzufüllen, um dann sich und das heilige Wasser wieder den Berg hinunterzuschleppen. Allein den Berg kümmert es wenig. Er bleibt, was er schon immer war: Der schöne und auch ein wenig unheimliche Hausberg der St.Veiterinnen und St.Veiter.



Bericht über die Waldkapelle:

http://www.woche.at/sankt-veit-an-der-glan/kultur/...
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Alfons Lepej aus St. Veit | 23.11.2013 | 13:59   Melden
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