Todesmarsch
Der letzte Weg im April von 1945

Diese Holzskulpturen „wanderten“ entlang der B115.
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  • Diese Holzskulpturen „wanderten“ entlang der B115.
  • Foto: Katholische Jugend, Region Ennstal
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Die Todesmärsche von Juden durch das OÖ Ennstal nach Mauthausen erfolgten im April 1945.

BEZIRK. Es handelte sich um 60.000 jüdische Zwangsarbeiter aus Ungarn und Kroatien, die wegen der anrückenden Sowjettruppen bis nach Österreich marschieren mussten, um im Konzentrationslager Mauthausen „vernichtet“ zu werden. „Nur wenige kamen überhaupt in Mauthausen an, die meisten starben am Weg“, weiß Geschichtsexperte Adolf Brunnthaler. Die Gefangenen wurden oft fürchterlich behandelt. In Weyer wurden in dieser Zeit Menschen, die nicht mehr weiterkonnten, einfach in die Enns geworfen. Die Nazis hatten den Ortsansässigen verboten, aus den Fenstern zu sehen, auch alle Türen mussten versperrt werden. Die heute 91-jährige Franziska Schachner aus Losenstein erinnert sich noch gut daran: „Wir saßen gerade beim Essen. Dann haben wir ihnen Kartoffeln beim Fenster rausgeschmissen. Wenn uns einer von den 'Gefährlichen' gesehen hätte – die waren aber eh bekannt – hätte das schlimm ausgehen können.“

„zum:verGehen:erinnern“

Die katholische Jugend hat die Märsche in ihrem Friedensprojekt „zum:verGehen:erinnern“ 2013 bis 2015 thematisiert. Entlang der Eisenbundesstraße erinnerten Holzskulpturen an die Ereignisse. „Nie wieder soll so ein menschenverachtendes System in unserer Gesellschaft Fuß fassen können,“ betont Anita Buchberger, Beauftragte für Jugendpastoral im Dekanat Weyer. Die Skulpturen erinnerten symbolisch an die Gruppe von Menschen, die gebeugt, geschwächt und niedergedrückt durchs Ennstal zogen.

„Toleranz & Nächstenliebe“

Standorte dieser einzigartigen Kunst-Installation waren die Gedenkstätte Dipoldsau in Weyer, Großraming, Garsten/Sand und Ternberg, wo die Skulpturen vor der Pfarrbaracke auch ihren bleibenden Platz fanden.
Der bestehende Gedenkraum in der Pfarrbaracke wurde im Zuge des Friedensprojekts um ein weiteres Mahnmal - den Todesmarsch - erweitert. „Als Katholische Jugend gehört es zu unserem Selbstverständnis, dass wir uns für Toleranz und Nächstenliebe in unserem Zusammenleben einsetzen. Besorgt nehmen wir wahr, dass Entwicklungen, die zur Katastrophe des Nationalsozialismus geführt haben auch in unserer gegenwärtigen Gesellschaft sicht- und spürbar sind. Wir Menschen sind aufgefordert, sensibel mit der Vergangenheit umzugehen, - das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus ist unumgänglich“ so Buchberger.

Gedenkraum Ternberg

Der Gedenkraum Ternberg ist gegen rechtzeitige Voranmeldung bei Anita Buchberger, Beauftragte für Jugendpastoral im Dekanat Weyer, 0676 8776 5716 geöffnet.
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