Hausapotheke sorgt für Herbergssuche im Gesundheitswesen

Ärzte mit Hausapotheke können gleich Medikamente aushändigen, Patienten sparen sich dadurch Wege.
  • Ärzte mit Hausapotheke können gleich Medikamente aushändigen, Patienten sparen sich dadurch Wege.
  • Foto: Fotolia - Doris Heinrichs
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BEZIRK. Zeitdruck, dürftige Honorierung und die berüchtigte Kilometergrenze für die Hausapotheken werden häufig als Gründe für fehlende Kassenärzte genannt. Aber wie viele Ärzte fehlen wirklich und wie wird dem angeblichen Kollaps im Gesundheitssystem begegnet? In Steyr-Stadt gibt es 19 Kassenstellen für Allgemeinmediziner, die alle besetzt sind. Für Steyr-Land sieht die Oberösterreichische Gebietskrankenkasse (OÖGKK) 25,5 Planstellen vor, nur eine ist derzeit unbesetzt – noch. Reichramings Bürgermeister Reinhold Haslinger erklärt, warum: „Nach längerer Suche haben wir jetzt hoffentlich jemanden gefunden. Ich bin sehr zuversichtlich und guter Dinge, dass die Versorgung im Ort bald wieder stattfinden kann.“ 

Kilometergrenze gesenkt

"99 Prozent aller Krankenkassen-Vertragsarztstellen in Oberösterreich sind aktuell besetzt. Dieser Wert zeigt: Das Hausarztmodell ist grundsätzlich attraktiv. Aber: Damit es in Zukunft so bleibt, müssen wir die Hausarztrolle an die Erwartungen der nächsten Ärztegeneration anpassen. Viele Jungmediziner erwarten eine bessere Work-Life-Balance und mehr Teamarbeit – auch im niedergelassenen Bereich", erklärt Harald Schmadlbauer, Sprecher der Gebietskrankenkasse. Der Bezirksärztesprecher für Steyr-Land, Peter Mair, sieht auch Vorteile als Landarzt: „Das Persönliche ist unser großes Plus. Man ist in den Küchen – ja, sogar in den Küchenkasteln der Leut' unterwegs.“ Praxen mit Hausapotheke könnten außerderm gute Umsätze erwirtschaften, so der Arzt.

„Unser Arzt ist auf Hausapotheke angewiesen“

Bis zum Vorjahr kam es für die Hausapotheke auf jeden Meter an, mussten doch sechs Kilometer Distanz zur nächsten öffentlichen Apotheke gegeben sein. Die Grenze wurde von sechs auf vier gesenkt. In Adlwang muss Bürgermeister Karl Mayr mit Gemeindearzt Franz Kordasiewicz-Stingler jetzt etwas Neues suchen. „Unser Arzt ist auf die Hausapotheke angewiesen“, so der Ortschef. Für die Bemessung sollen auch (öffentliche) Güterwege herangezogen worden sein, und „deshalb geht es sich knapp nicht aus.“ Bitter: Kordasiewicz-Stingler hatte in der ursprünglich geplanten Ordination bereits mit Umbauten begonnen. Kurios ist die Situation auch in Dietach: Ebenfalls wegen der Kilometergrenze empfängt Gemeindearzt Raimund Auzinger die Patienten seit eineinhalb Jahren im Container. „Er wird bald wieder in den Ort übersiedeln“, ist Bürgermeister Johannes Kampenhuber zuversichtlich.

Kilometergrenze Hausapotheke

So funktioniert die Regelung für die Hausapotheke:
• Ärzte dürfen unter bestimmten Umständen auch in Gemeinden, in denen bereits eine öffentliche Apotheke vorhanden ist, eine Hausapotheke betreiben. Voraussetzung dafür ist, dass die Ordination mehr als sechs Kilometer von der nächsten öffentlichen Apotheke entfernt ist.
• Ebenfalls wurde eine im Jahr 2006 abgeschaffte Sonderregelung für Hausärzte, die eine Kassenstelle mit angeschlossener Hausapotheke übernehmen, wieder eingeführt: Für sie wird ein Mindestabstand von vier Kilometern zur nächsten öffentlichen Apotheke festgelegt.
Die Bewilligung einer Hausapotheke wird zurückgenommen, wenn zum Beispiel die Ordination verlegt wird und in weiterer Folge die Entfernungsvoraussetzungen nicht mehr gegeben sind.

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