Experten klären auf
Wie gefährlich sind unsere Schlangen?

Die zu Unrecht gefürchtete Kreuzotter – Vipera berus. | Foto: Hans Esterbauer
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Von heimischen Schlangen geht in der Regel keine Gefahr aus – was bei einer Begegnung zu tun ist.

STEYR. „Heimische Schlangen greifen den Menschen niemals direkt an. Allgemein ist zu sagen, dass vor allem beim Fotografieren der heimischen Schlangen, einSicherheitsabstand von mindestens der doppelten oder gar dreifachen Körperlänge des Tieres einzuhalten ist!“ Man sollte bei einer Begegnung die nötige Ruhe bewahren. Vorerst stillstehen oder langsam zurückweichen.

„Auf keinen Fall direkt auf die Schlange zugehen, denn wenn sie sich bedrängt fühlt, könnte sie sich durch Bisse verteidigen.“

Deshalb ist es besser, der Schlange von Anfang an aus dem Weg zu gehen. Macht das Reptil keinen Rückzug, kann man langsam und mit einem Abstand von mindestenszwei Metern an ihm vorbeigehen.

„Schlangen möchten nicht in ihrem Lebensraum gestört werden. Aus diesem Grund darf man sie nicht reizen oder gar einfangen – auch wenn sie vermeintlich tot sind. „Schlangen können auch Stunden nach dem Tod durch Muskelreflexe noch zubeißen!“

Äskulapnatter, Zamenis longissimus. | Foto: Hans Esterbauer
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Vermehrt Schling- oder Äskulapnattern

Heimisch sind in der Region die Ringel-, die Würfel-, die Schling- und die Äskulapnatter. „Gerade die beiden letzteren Arten treten hier vermehrt auf.“ Aber natürlich gibt es in der Region auch einen giftigen Vertreter: die Kreuzotter. „Zu erkennen ist sie an ihrer braunen oder grauen Farbe sowie an ihrem dunklen Zickzack-Muster. 

Ringelnatter | Foto: Hans Esterbauer

„Abstand halten und Finger weg“

„Wer unterwegs oder im eigenen Garten einer Schlange begegnet, sollte unbedingt Abstand halten. Und natürlich das Tier nicht berühren oder in die Enge treiben!“  Weiters sollte die Polizei oder Feuerwehr verständigt werden. Die meisten Fälle landen dann bei Hans Esterbauer. „Zusätzlich ist es aber auch wichtig, die Schlange zu beobachten. Denn viele wissen dann oft nicht mehr, wo sie hin ist.“

Die zu Unrecht gefürchtete Kreuzotter – Vipera berus. | Foto: Hans Esterbauer
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Europäische Hornotter, Vipera ammodytes | Foto: Hans Esterbauer
  • Europäische Hornotter, Vipera ammodytes
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Biss endet selten tödlich

Angst muss man bei einer Begegnung nicht haben. Denn die meisten Tiere sind friedlich: „Es gibt keine Schlange in Österreich, die von sich aus angreift“, so der Steyrer.

„Und die Nattern verflüchtigen sich ohnehin.“ 

Ignoriert man aber die Tipps des Experten, könne es zu einem Biss kommen. „Wird man zum Beispiel von einer Kreuzottergebissen, sollte man sich so wenig wie möglich bewegen“, erklärt der Schlangenexperte. Auf keinen Fall dürfe man die Wunde ausschneiden, aussaugen oder gar abbinden. Esterbauer empfiehlt: „Die Wunde zu bandagieren und schnellstmöglich einen Arzt aufzusuchen.“ Für gewöhnlich stelle ein Biss für gesunde, erwachsene Menschen keine Lebensgefahr dar.

„Vorsicht und Eile ist jedoch bei Kindern, Schwangeren oder alten Personen geboten.“ 

Der Biss einer ungiftigen Schlange, wie der Würfel-, Ringel-, Schling- und Äskulapnatter, ist harmlos und fast immer schmerzfrei, selbst, wenn die Bisswunde nicht selten etwas blutet. „Auch Infektionen oder Entzündungen sind nicht zu erwarten, sofern eine etwaige blutende Wunde nachträglich nicht verunreinigt wird. Trotzdem ist nach einem Biss die Desinfizierung der Bissstelle empfehlenswert.“

Würfelnatter, Natrix tessellata. | Foto: Hans Esterbauer
  • Würfelnatter, Natrix tessellata.
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Auch Hunde im Auge behalten

Sollte der Hundeine Schlange entdecken, muss man dafür sorgen, dass er ebenfalls einen Abstand zum Reptil einhält – es gelte ohnehin Leinenpflicht! Begegnet ein Hund beim Gassigehen einer Giftschlange, kann er gebissen werden.

„Der Biss ist in der Regel für das Tier nicht tödlich.“

Auch Hunde sollten nach einem Biss dem Tierarzt vorgestellt werden, und wenn möglich getragen bzw. nicht mehr zu stark bewegt werden, da sich, wie bereits erwähnt, bei Bewegung das Gift schneller im Körper verteilt.

Der Schlangen-Experte Hans Esterbauer erklärt, wie man sich bei einer Begegnung mit einer Schlange richtig verhalten sollte. | Foto: Hans Esterbauer
  • Der Schlangen-Experte Hans Esterbauer erklärt, wie man sich bei einer Begegnung mit einer Schlange richtig verhalten sollte.
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Vorsorgen beim Wandern

Der beste Schutz für Menschen ist, von den Schlangen Abstand zu halten. „Für Bergwanderungen bieten jedoch festes Schuhwerk und lange Hosen einen ausreichenden Schutz. Auf keinen Fall sollte man barfuß unterwegs sein.“ Beim Durchqueren dichter Vegetation wie Latschenfeldern kann der Einsatz eines Stockes zum Abklopfen von in den Weg ragenden Ästen hilfreich sein.

Glatt- oder Schlingnatter, Coronella austriaca, Männchen. | Foto: Hans Esterbauer
  • Glatt- oder Schlingnatter, Coronella austriaca, Männchen.
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Kommt es doch zum Biss

„Wird jemand von einer Schlange gebissen, dann ist es von Vorteil, zu wissen, um welche Art es sich handelt. Nach einem Kreuz- oder Hornotter-Biss treten abgesehen von den sehr schmerzhaften Schwellungen des gebissenen Körperteils ernstere gesundheitliche Folgen, vor allem Nierenschäden, oft erst ein paar Tage später auf.“ Daher sollte nach einem Biss unbedingt ein Arzt oder ein Spital aufgesucht werden. „Als Ersthilfesind die Beruhigung der betroffenen Person und eine hohe Flüssigkeitsaufnahme durch Wasser, aber kein Alkohol, hervorzuheben. Nach einem Biss sollte der Betroffene sofort und möglichst ruhig aus der unmittelbaren Nähe der Schlange gebracht werden, da ein zweiter Biss die Gefahr deutlich erhöht. Panik ist jedenfalls nicht angesagt!“ Den gebissenen Arm oder Fuß nicht abbinden, sondern bandagieren. „Der Gebissene sollte sich so wenig wie möglich bewegen, damit sich das Gift nicht weiter im Körper verteilt. Auch sollte man das Opfer nicht auf den Rücken legen. Auf keinen Fall darf die Bisswunde ausgesaugt, auswaschen, eingeschnitten oder gar ausgebrannt werden – das ist ein Mythos! Ringe, einengende Schmuckstücke oder Kleidung sollte entfernt werden, da es zu Schwellungen an der betroffenen Stelle, aber auch am ganzen Körper kommen kann. Wie schon darauf hingewiesen, ist eine genaue Beschreibung der Schlange für den behandelnden Arzt natürlich hilfreich - für Fotos sollte, aber kein Risiko eingegangen werden. Auch die Schlange einzufangen und mitzubringen ist keine Option“, so Esterbauer.

Stephan Schoiswohl, Facharzt für Innere Medizin am Pyhrn-Eisenwurzen Klinikum Steyr.   | Foto: OÖG
  • Stephan Schoiswohl, Facharzt für Innere Medizin am Pyhrn-Eisenwurzen Klinikum Steyr.
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Gegengift ist am Pyhrn-Eisenwurzen Klinikum Steyr vorhanden

Erwähnenswert ist, dass die Giftmenge eines Verteidigungsbisses geringer ist als jene eines Beutebisses. „Etwa 30 Prozent der Bisse sind sogenannte trockene Bisse, bei denen gar kein Gift abgegeben wird. Todesfälle nach Bissen von Kreuzottern sind unwahrscheinlich, da die potenziell tödliche Giftmenge für einen durchschnittlichen Erwachsenen zeitgleichen Bissen von mehr als fünf Kreuzottern entsprechen würde. Die Gefahr schwerer Reaktionen besteht
vor allem für Kinder, ältere Personen und Menschen mit chronischen Erkrankungen. Auch Schwangere sollten im Falle eines Schlangenbisses großzügig ärztliche Hilfe suchen“, erklärt Stephan Schoiswohl, Facharzt für Innere Medizin am Pyhrn-Eisenwurzen Klinikum Steyr. Infolge eines Bisses durch eine Kreuzotter kommt es nach circa einer halben Stunde zu einer Schwellung rund um die Bissstelle. Diese Schwellung kann auch von starken Schmerzen begleitet sein. „Im schlimmsten Fall führt das Gift zu Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Atemnot, Lähmungen, Kreislaufschwäche und Herzbeschwerden. Da das Gift auch zum Zellzerfall führen kann, wird gelegentlich eine blau-violette Verfärbung als Zeichen von Einblutungen rund um die Bissstelle auffällig, auch eine Blasenbildung ist möglich. Die Beschwerden klingen in der Regel innerhalb von acht bis zehn Tagen ab“, so Schoiswohl.

Allergische Reaktion

Falls zwei Stunden nach dem Biss keine Symptome auftreten, kann davon ausgegangen werden, dass es sich um einen trockenen Biss gehandelt hat. „Lebensgefährliche Reaktionen sind unabhängig von der eigentlichen Giftwirkung jedoch auch durch eine allergische Reaktion auf das Schlangengift, wie dies auch bei Bienen- oder Wespenstichen bekannt ist, möglich. Wie bei allen Wunden, ist auch bei Schlangenbissen, sofern möglich, eine sterile Wundversorgung durchzuführen. Auch eine Tetanusprophylaxe bzw. -Auffrischung sollte erfolgen, falls kein ausreichender Impfschutz vorhanden sein sollte“, sagt der Mediziner. Das Antiserum zur Behandlung von Vergiftungen mit Toxinen europäischer Vipern ist im Notfalldepot des Pyhrn-Eisenwurzen-Klinikums vorhanden, erklärt, Schoiswohl, somit ist im Falle eines Schlangenbisses eine rasche, zielgerichtete Therapie in der Region gewährleistet.

Bei Notfall in den Bergen:

• betroffene Stelle hochlagern und kühlen, wenig bewegen. Nicht abbinden, die Wunde weder auswaschen noch einschneiden oder aussaugen!
• falls möglich: Schlange fotografieren (nicht fangen!).
• Ruhe bewahren, viel trinken.
• Notruf 140 oder 112 absetzen.

Zu beachten:

  • Schlangen sollte man nie angreifen: Sie sind zwar scheu und Nattern ungiftig, dennoch Hände weg. Hat sich's jedoch eine Schlange etwa im Keller oder Haus gemütlich gemacht, dann nur mit Gartenhandschuhen entfernen.
  • Abstand halten: In einer Entfernung von zwei Metern kann man sie gern beobachten. Jedoch wird sie sich relativ schnell aus dem Staub machen, denn Schlangen flüchten durch die Erschütterung des Bodens.
  • Drohverhalten ernst nehmen: Schlangen stellen sich auf und zischen. Ein Zeichen, dass sie im Kampfmodus ist.
  • Auf den Boden schauen: Gerade bei Spaziergängen und Wanderungen sollte man auf markierten Wegen bleiben. Beim Wandern auch nicht unachtsam ins Gestrüpp greifen. Gutes Schuhwerk tragen - etwa beim Schwammerl suchen.
  • Nahrungsreste mitnehmen: Wenn Speiseabfälle herumliegen, zieht das ganz gern Mäuse und Ratten an – und die stehen bekanntlicher Weise bei Schlangen auf der Speisekarte ganz oben.
  • Schlangen im Garten: Wenn man den Rasen kurzhält und keine Versteckmöglichkeiten wie Holzstöße, oder Teiche bietet, hat man meist auch keine Schlangen. Garantie gibt's dafür natürlich keine. 
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