Grüne zur Westspange
„Wir brauchen diese Umfahrung nicht“
- Gemeinderätin Ruth Pohlhammer, Landesrat Stefan Kaineder und Landtagsabgeordnete Dagmar Engl bei der Pressekonferenz in Steyr.
- Foto: Grüne OÖ
- hochgeladen von Marlene Gürtler
Nach trügerischer Ruhe treiben die Verantwortlichen und Fürsprecher das Projekt Westspange Steyr wieder verstärkt voran. Kritik kommt von den Grünen, die empört sind, dass ÖVP, SPÖ und FPÖ trotz aller Kritik daran festhalten.
STEYR. Sie sprechen von einer Entlastung der Stadt und bekommen Rückendeckung von Verkehrslandesrat Steinkellner, der von einem Baubeginn 2026 ausgeht, nach Vorliegen der materienrechtlichen Bewilligungen. Dabei ist diesen so lange debattierte Straßenprojekt in vielerlei Hinsicht ein Unding. Angefangen mit den Kosten: 27 Millionen sollte diese rund vier Kilometer lange Umfahrung kosten, nunmehr wird sie mit 55 Millionen mehr als das Doppelte verschlingen. Das scheint aber fast nur ein Nebenaspekt zu den gravierenden Folgen für Mensch und Umwelt und den vollmundigen Entlastungsankündigungen, die so nicht eintreten werden. Auf beides weisen seit vielen Jahren Bürger-Initiativen hin, die in ihrem Widerstand die volle Unterstützung der Grünen auf Stadt- und Landesebene haben.
„Davon müssen wir endgültig weg“
„Wir Grüne stellen uns klar gegen dieses Projekt. Ein Projekt, das gewaltig viel Boden vernichtet, neuen Verkehr nach Steyr holt und jegliche Klimaschutzbemühungen konterkariert. Die Menschen brauchen diese Umfahrung nicht, die Umwelt schon gar nicht. Es ist die Wirtschaft, der einmal mehr sämtliche Folgen, Bedenken und Kritik untergeordnet werden. Es ist dieses alte Denken, dass nur noch eine Straße, noch ein umgewälztes Areal wirklichen Mehrwert bringen und die Wirtschaft ankurbeln. Dass ganz aktuell ein neues Amazon-Verteilzentrum in Kronstorf im Raum steht, ist vielsagend und rückt die Westspangendebatte in ein besonderes Licht. Ein neues Betriebsbaugebiet, ein Gewerbezentrum und dafür brauchen wir eine neue Straße. Und wenn die nicht mehr reicht, bauen wir eine weitere. Davon müssen wird endgültig weg und in Alternativen denken. Alternativen, die weder Lebensraum noch Klima zerstören und uns nicht den Planeten kaputt machen“, sagte der Grüne Landessprecher Stefan Kaineder in einer kürzlich statt gefundenen Pressekonferenz.
„Krasser Gegensatz zu neuer Mobilität“
Die Grüne Mobilitäts- und Wirtschaftssprecherin Lantagsabgeordnete Dagmar Engl dazu: „Die heimische Verkehrspolitik muss endlich in der Gegenwart ankommen und sich der Zukunft zuwenden. Uraltprojekte wie die geplante Linzer Ostumfahrung und eben die Steyrer Westspange enden in der Sackgasse. Sie stehen im krassen Gegensatz zu einer neuen Mobilität, die unausweichlich kommen wird und muss. Wir könnten hier Vorreiter sein, Beschleuniger einer Verkehrswende, statt immer noch nach alten Rezepten zu kochen. Das erfordert aber neues Denken über den Tellerrand hinaus. Wirtschaft, Klimaschutz und auch Bodenschutz sind kein Widerspruch. Es kommt darauf an, wie diese Bereiche verbunden und zu einer Chance geformt werden. Das erfordert Mut, Bereitschaft und Weitsicht, all dies sollte für VerantwortungsträgerInnen mittlerweile selbstverständlich sein. Das erwarten die Menschen, sie erwarten nachhaltige Lösungen auch im Verkehrsbereich“.
„Es darf nicht dort gebaut werden, wo unser Essen wächst“
„Die Ackerböden zwischen Linz und Steyr sind von herausragender Qualität und großer Bedeutung. Sie speichern viel Wasser und haben damit eine wichtige Funktion die Folgen des Klimawandeln abzufedern. Vor allem sind sie extrem fruchtbar und leisten damit einen essentiellen Beitrag zur Ernährungssicherheit. Nicht nur, dass durch steigende Temperaturen die traditionellen Anbaugebiete im Osten Österreichs geringere Erträge bringen werden, auch der schreckliche Krieg in der Ukraine wird nicht zuletzt auf unsere Ernährungssicherheit massive Auswirkungen haben. Wir brauchen diese Böden. Wir haben diese grundsätzlich zu schützen und vor allem darf dort nicht mehr gebaut werden, wo unser Essen wächst. Aber genau das droht mit der Steyrer Westspange. Das ist extrem kurzsichtig, verantwortungslos auch gegenüber den nachfolgenden Generationen und muss gestoppt werden. Die Wirtschaft will wachsen, aber das darf sie nicht permanent auf Kosten der Bevölkerung und der Umwelt“, so Grüne Fraktionsvorsitzende der Grünen Steyr, Gemeinderätin Ruth Pohlhammer.
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