Ärger in Vals
Schon wieder Hochwasser - Warum eine Lösung seit Jahren scheitert
- Unwetter zerstören oder beschädigen Weg und Talstation der Geraer Hütte regelmäßig. "Die beste Lösung wird vor dem Vorhang des Natura 2000-Gebiets verhindert", so Hüttenwirt und Almbauern.
- Foto: Weggemeinschaft
- hochgeladen von Tamara Kainz
In der Nacht auf Donnerstag wurde die Talstation der Materialseilbahn zur Geraer Hütte schon wieder überflutet. Die Betroffenen forcieren seit Jahren ein Projekt, dass "alles sicherer machen" soll – kommen damit aber nicht voran.
VALS. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag kam es im hinteren Valsertal zu einem Starkregenereignis. "Die Bäche schwollen an und haben Zufahrt und Zustieg zur Hütte sowie die Talstation der Materialseilbahn überflutet", berichtet der Wirt der Geraer Hütte, Arthur Lanthaler. Er ist sauer. Nicht nur, weil die Versorgung für seine Hütte damit unterbrochen ist, sondern vor allem, weil sich das Geschehen wiederholt. "Der Alterer Bach hat die Station schon 2012, 2020 und 2021 weggerissen oder in Mitleidenschaft gezogen. Auch mehrere Autos hat es erwischt. Und jetzt können wir die Materialseilbahn wieder für einige Zeit nicht benützen", erklärt Lanthaler. Für Fußgänger sei die Hütte aber erreichbar, ergänzt er.
"Verlegung wird verhindert"
Gemeinsam mit den Bauern der Alterer Alm bemüht sich der Hüttenwirt seit Jahren um eine Lösung. Der große Wunsch wäre eine Straßenverlegung bis zur Stütze eins plus ein Neubau der Talstation dort. Mit einem dahingehenden Projekt stoßen die Betroffenen aber auf Ablehnung. "Es gab schon viele Begehungen und am 29. Juli auch eine Verhandlung. Die Landesumweltanwaltschaft legt sich wegen des Natura2000-Gebiets quer", schimpft Lanthaler. Das sieht auch Vizebgm. Klaus Schmölzer so. Er ist einer der drei betroffenen Almbesitzer: "Leider musste die Talstation zuletzt für viel Geld wieder am selben Standort errichtet werden. Die Verlegung des Weges wird nicht genehmigt. Dabei ginge es nur um ein paar hundert Meter. Aktuell ist die Lage gefährlich – schlimmstenfalls auch für Wanderer."
Brutaler Eingriff in die Natur?
"Die Landesumweltanwaltschaft verhindert gar nichts", weist der stv. Landesumweltanwalt Walter Tschon die Vorwürfe vehement von sich und weist darauf hin, dass das Tal in einem Natura2000-Gebiet mit besonderem Schutzstatus stehe: „Wir werden jedoch vor dem Hintergrund der aktuellen Wetterereignisse diverse schon vorgebrachte und mit den Betroffenen vor Ort diskutierte Varianten besprechen. Vorrangiges Ziel muss es sein, rasch ein genehmigungsfähiges Projekt bei der Behörde einzureichen, um eine zeitnahe Umsetzung zu gewährleisten“, sagt er. Sowohl die Abwicklung derartiger Verfahren als auch die schlussendliche Entscheidung obliegt der Bezirkshauptmannschaft, betont Tschon weiters: "Wir können im Verfahren von unserer Parteistellung Gebrauch machen, ebenso wie die betroffene Gemeinde und der Antragsteller." Schmölzer meint dazu: "Der Ball wird hin- und hergeschoben und von uns werden weiterhin Alternativen gefordert. Wir haben aber bereits alle Varianten studiert und für viel Geld die Beste ausarbeiten lassen."
Rückendeckung vom Bürgermeister
Auch Bgm. Klaus Ungerank hoffte, dass die vorgeschlagene Lösung zustandekommt: "Diese Variante wäre auch meiner Meinung nach die einzige Möglichkeit, alles relativ sicher zu machen. Nachdem am Projekt noch Adaptierungen vorgenommen wurden, sah es auch für mich so aus, als würde endlich alles passen. Das Ganze zieht sich ja immens in die Länge – die Betroffenen sind seit fünf Jahren dran! Und jetzt scheint die Verwirklichung des Anliegens wieder unmöglich. Schade! Die derzeitige Situation ist wirklich alles andere, als ideal. Gar nicht auszudenken, wenn die Alterer Alm und die Geraer Hütte nicht mehr bewirtschaftet würden."
Zur Sache
Die Materialseilbahn führt über den Grund der Almbauern und versorgt neben der Geraer Hütte auch die Alterer Hochalm. Almbauern und Hütte betreiben dafür gemeinsam mit der DAV-Sektion Landshut eine Weggemeinschaft. "Gibt es keine Lösung, ist nicht ausgeschlossen, dass Almen und Hütte künftig nicht mehr bewirtschaftet werden können", ist man sich einig. Unser Ziel ist aber natürlich, das Gebiet weiter zu bewirtschaften. Das wäre grundsätzlich auch im Sinne der Natura2000-Schutzgebiete, die von der EU übrigens ohne Befragung verordnet wurden." Erwähnt sei zu guter Letzt noch, dass die Hüttenwirte Katharina und Arthur Lanthaler heuer ihre 20. und letzte Saison auf der Geraer Hütte absolvieren.
Das könnte Sie auch interessieren: 24,6 Millionen Euro für den Schutz von 800 Bewohnern in Neustift-Milders
Weitere Nachrichten aus dem Stubai- und Wipptal lesen Sie hier.
Link einfügen
Video einbetten
Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.
Karte einbetten
Social-Media Link einfügen
Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.
Code einbetten
Beitrag oder Bildergalerie einbetten
Foto des Tages einbetten
Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten
Du möchtest selbst beitragen?
Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.
Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.