Problemprodukt Billigfleisch
"Jeder Einzelne muss handeln"
- Erwin Bernsteiner, Berater im Büro für Umweltfragen
- Foto: KL
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Wir haben uns mit Erwin Bernsteiner vom Büro für Umweltfragen Bad Dürrnberg in Hallein getroffen und erfahren, was wir als Konsumenten für die Umwelt tun können.
HALLEIN. Derzeit sind es die enormen Waldbrände in Brasilien unter der Regierung von Jair Bolsonaro, die nun international für Aufsehen und Wut sorgen. Denn auch wenn der Amazonas für uns nicht direkt greifbar ist, betrifft die dortige landschaftliche Veränderung auch unser Klima – wir sitzen alle im selben Boot. Schuld daran, dass die Agrarindustrie in Brasilien Regenwald durch Brandrodungen in Nutzland verwandelt, ist vor allem die Massentierhaltung und unser enormer Billigfleischkonsum.
Jeder Einzelne muss handeln
Auf die Frage, ob der Einzelne in einem kleinen Land wie Österreich überhaupt etwas bewirken kann, antwortet Erwin Bernsteiner klar: "Ja. Wenn ich nur da sitze und sage 'ich kann eh nichts machen', wird sich nichts verändern. Die Taten jedes Einzelnen haben Auswirkungen und inspirieren andere."
Nicht jedes Fleisch gleich schädlich für Umwelt
Mehr auf Regionalität und Bio zu setzen, wäre sehr hilfreich, um die Klimaziele zu erreichen. "Bio-Rinder, die bei uns in der Region aufwachsen, bekommen kein Soja aus Brasilien, weil es von dort fast nur gentechnisch verändertes Soja gibt und das ist für Bio-Bauern nicht erlaubt", bemerkt Bernsteiner. Ein Problem stelle nur die Massentierhaltung dar. Denn dort bekämen beispielsweise Rinder Getreide und Soja und werden somit zum Nahrungsmittelkonkurrenten für den Menschen. In der Natur würden sich Rinder nur von Gras ernähren, so der Umweltberater.
Das System läuft komplett verkehrt
"Wir beziehen die Futtermittel für unsere Tiere aus Ländern, denen es nicht so gut geht. Dann produzieren wir zu viel Fleisch und geben den Überschuss an diese Länder zurück. Damit ruinieren wir dort den regionalen Markt", erklärt Bernsteiner den Teufelskreislauf. Von der Politik und der Werbung kommt der Druck, dass Lebensmittel günstig sein müssen. Daraus resultiere auch, dass wir heute nur rund 13 Prozent vom Nettoeinkommen für Nahrungsmittel ausgeben, während es vor 30 Jahren rund 30 Prozent gewesen seinen, so der Experte. "Man sollte hier mehr auf Qualität setzten als auf billige Lebensmittel", gibt er zu bedenken. "Wir sind gerade auf dem Weg zu größeren Betrieben, mehr Leistung, Massentierhaltung. Aber es müsste umgekehrt sein. Doch kleine Betriebe können nicht mehr von ihren Produkten leben und werden von der großen Konkurrenz verdrängt", so Bernsteiner. "Und auch die Förderung in der Landwirtschaft zielt sehr oft auf die Vergrößerung der Betriebe ab", fügt er hinzu.
"Der Konsument ist extrem gefordert, ein mündiger Konsument zu sein. Er hat es in der Hand, über sein Verhalten die Auswirkungen auf die Umwelt zu definieren. Gut, dass wir eine reiche Auswahl haben." Erwin Bernsteiner, Büro für Umweltfragen
Debatte: Weit gereiste Avocados vs. Billigfleisch
"Nahrungsmittel, die man bei uns nicht bekommt, wie etwa Avocados oder Kaffee, kann man mit Fleisch aus Tiermastbetrieben, für dessen Aufzucht großflächig gerodet wird, nicht vergleichen", gibt Bernsteiner zu bedenken. Was wir aber nicht brauchen sind zum Beispiel Kürbiskerne aus China. "Wozu? Die haben wir selbst", so der Umweltberater. Deshalb ist man beim Einkaufen als Konsument gefordert, zu überprüfen, woher die Produkte kommen. Ein Tipp: Den Konsum von exotischen Früchten und Gemüse nicht übertreiben und auf regionalen Biomärkten einkaufen. Im Tennengau gibt es zum Beispiel jeden Freitag den Biomarkt in Hallein oder den Bauernmarkt in Oberalm, bei dem regionale Anbieter und Biobauern ihre Produkte verkaufen.
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