11.04.2016, 19:31 Uhr

"Wir wollen uns verteidigen können"

Beim Selbstverteidigungs-Training: Tom Binder und Tanja Hofmann. (Foto: Zeiler)

Jiu Sektionsleiter Bernhard Graser bietet – gemeinsam mit Thomas Binder – Kurse in der Region an.

TULLN / LANGENLEBARN / BAUMGARTEN. Bernhard Graser und Thomas Binder haben jahrzehntelange Kampfsporterfahrung im Jiu Jitsu und sind staatlich geprüfte Trainer. Sie biten auch Selbstverteidigung (SV) für Frauen in der Region an. Die Bezirksblätter baten zum Interview.

Warum empfehlen Sie Frauen, einen Selbstverteidigungskurs machen?
GRASER: Er erhöht das Bewusstsein für Gefahrensituationen und zeigt den Frauen, dass es auch mit einfachen Mitteln möglich ist, sich gegen einen Angreifer zur Wehr zu setzen, auch wenn dieser körperlich überlegen ist. Es ist erwiesen, dass sich Angreifer Opfer suchen, die „leichte Beute“ sind. Frauen, die in Selbstverteidigung geschult sind, strahlen das auch durch eine aufrechtere, selbstbewusste Körperhaltung und ein aktiveres Verhalten im Konfliktfall aus.

Was sind die Lerninhalte des Kurses?
Unsere Kurse starten mit einer Theorieeinheit, in der es um Täterprofile geht, richtiges Verhalten in Gefahrensituationen besprochen wird und Sicherheitstipps aus der Praxis gegeben werden. Da einer unserer Trainer ein aktiver Polizeibeamter ist, können wir wertvollen Input geben, der sehr praxisnah ist. In den darauffolgenden praktischen Einheiten lernen die Teilnehmerinnen die richtige Abwehrhaltung, sowie sich mit einfachen Techniken nämlich Schlägen, Befreiungen und Einsatz von Nervendruckpunkten aus einem unmittelbaren Angriff zu befreien um dann in Folge vor dem Angreifer erfolgreich flüchten zu können. Die Techniken werden in den Einheiten immer wieder wiederholt und in verschiedenen Situationen auch unter körperlichem und geistigem Stress geübt, damit sie tatsächlich verinnerlicht werden.
Daher bieten haben wir unsere Kurse auch über 10 Wochen konzipiert, an einem einzelnen Wochenende können zwar Techniken gezeigt werden, aber um sie tatsächlich einsetzen zu können ist intensives Üben über einen längeren Zeitraum absolut notwendig.

Es ist nicht abschätzbar ob der Täter „auf’s Ganze gehen“ oder "nur" ein Handy klauen will…
Wenn es einem Täter nur darum geht, Wertsachen zu stehlen raten wir dazu, ihm diese zu geben. Kein Handy oder Geldbetrag rechtfertigt, dass man mit einem Angreifer in den Kampf geht, der möglicherweise sogar bewaffnet ist. Speziell Messerangriffe sind nahezu unmöglich zu blocken – kein Geldbetrag rechtfertigt eine schwere Verletzung die man bei einem Kampf davontragen kann.

Welche Körperhaltung sollte die Frau einnehmen?
Wichtig ist, einen sicheren Stand einzunehmen, die Hände zum Schutz hochzunehmen, Distanz zu wahren und mit lauter Stimme energisch den Angreifer ansprechen. Das ist extrem wichtig um dem Angreifer klar zu machen, dass man kein wehrloses Opfer ist und auch um die Leute in der Umgebung auf die Situation aufmerksam zu machen. Wir raten auch, Leute in der Umgebung direkt anzusprechen und mit lauter Stimme um Hilfe zu bitten: „Sie da drüben mit dem roten Pullover – rufen Sie die Polizei, der Mann hier belästigt mich!“ ist weit effektiver als ungezielt um Hilfe zu rufen.

In der letzten Stunde wurde auch der Einsatz eines Kubotans trainiert, wie funktioniert das Ding?
Der Kubotan ist ein Schlüsselanhänger in Form eines Stabes, der die perfekte Ergänzung zu den erlernten Techniken darstellt. Er vervielfacht sich die Wirkung von Schlägen und auch für Nervendruckpunkte ist er perfekt einsetzbar. Zusätzlich können beispielsweise Haustor- oder Autoschlüssel als Schlagwaffe benutzt werden. Der Kubotan ist eine erlaubte Waffe und kann aufgrund seiner Größe bequem in jeder Tasche mitgeführt werden. Wir raten eher zum Tragen eines Kubotans als zum Pfefferspray, da man mit dem Pfefferspray ähnlich wie bei einer Schusswaffe sehr gut umgehen können muss, das richtige Ziehen, Entsichern, Zielen und Sprühen muss man ausreichend üben. Infos: bernhard.graser@gmail.com

Zur Sache:
Die Trainer
, Tom Binder und Bernhard Graser, haben jahrzehntelange Kampfsporterfahrung im Jiu Jitsu und sind staatlich geprüfte Trainer.
Die neuen Selbstvertiedigungskurse für Frauen starten am 11. und 15.4. in Tulln und Baumgarten. Im Sommer wird ein eintägiger Spezialkurs angeboten, der sich dem Thema "Umgang mit dem Pfefferspray" widmet.
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