14.03.2017, 13:55 Uhr

Heinz Kuttin: "Dieses Team ist noch nicht am Zenit"

Weltmeister als Aktiver, jetzt auch Weltmeister als Trainer: Heinz Kuttin aus Zlan in der Gemeinde Stockenboi (Foto: Tiefling)

Nach der Super-Skisprung-WM in Lahti: Der Stockenboier Cheftrainer Heinz Kuttin im WOCHE-Gespräch.

STOCKENBOI (Peter Tiefling). Zwei WM-Titel durch Stefan Kraft, insgesamt vier Medaillen: Der Stockenboier Heinz Kuttin ist als Cheftrainer der österreichischen Skispringer der Abräumer der WM in Lahti (Finnland). Der WOCHE gibt er Einblicke in die komplexe Gedankenwelt beim Skispringen.

WOCHE: Herr Cheftrainer, Gratulation zu diesen WM-Leistungen. Was nehmen Sie persönlich aus Lahti mit?
KUTTIN:
Danke! Aus Lahti nehme ich viel Dankbarkeit und Genugtuung mit.

Sie sind nun zweifacher Doppel-Weltmeister. Einmal als aktiver Sportler und nun als ÖSV-Sprung-Cheftrainer. Was sind die Unterschiede?
Der Unterschied ist, dass du als Athlet nur für dich selbst zuständig bist! Das bedeutet: Totaler Fokus auf das eigene Handeln. Du musst nur schauen, ruhig zu bleiben und nicht zu überpowern! Für Trainer gilt: Jeder deiner Athlet ist unterschiedlich. Bei Weltmeisterschaften kommt Druck dazu, da es um Medaillen geht. Jeder Athlet möchte eine gewinnen. Auch wenn sie nicht dazu in Form sind. Da ist es als Trainer schwierig, dem Athlet zu helfen. Da lassen sich einige Athleten ganz schwer führen. Danach ist die Enttäuschung umso größer.

Und die, die in Form sind, wie Stefan Kraft?
Die lassen sich hingegen sehr gut führen. Sie vertrauen sich selbst und den Inputs der Trainer, Physiotherapeuten oder Servicetechniker.

Machen solche Erfolge Lust auf mehr?
Nur, wenn man weiß, was alles dahintersteckt. Wie viel Arbeit, Schweiß und Einsatz jeder Einzelne aufbringt. Denn es kann auch anders laufen, da wird man nicht immer so gut belohnt wie wir derzeit. Das muss man immer vor Augen haben.

Wie lange läuft Ihr Vertrag mit dem ÖSV?
Das ist egal. Mein Vertrag läuft irgendwann aus. Dann wird man verlängern, oder es wird ein anderer Cheftrainer weitermachen. Für mich ist es noch nicht klar, wie meine Zukunft ausschaut. Darüber denke ich erst ab 27. März nach, wenn die Saison vorbei ist.

Wo und wann wurde in Ihrer bisherigen Trainertätigkeit eigentlich der Grundstein für den derzeit großen Teamerfolg gelegt?
Ich habe mit meinen Leuten vor drei Jahren dieses Team übernommen. Wir haben teilweise sehr gute Erfolge erzielt, aber auch Niederlagen einstecken müssen. Wir haben aber immer an der Struktur und unserem Plan festgehalten. Denn fix ist: Diese Mannschaft ist noch nicht am Zenit.

Stefan Kraft hat noch große Chancen vor sich: Gesamtweltcup, Skifliegen in Planica. Was trauen Sie ihm heuer noch zu?
Stefan hat sehr gute Chancen, heuer noch erfolgreicher zu sein. Dies wird ihm auch gelingen, wenn er so cool und fokussiert bis Planica weiterarbeitet.

Welche Ziele haben Sie sich noch für die Saison gesetzt?
Ziele werden grundsätzlich vor der Saison gesetzt. Die Nationenwertung und der Einzel-Gesamtweltcup – das sind noch Ziele. Wir haben derzeit drei Athleten in den Top 10. Das wollen wir auch in Planica sehen.

So erfolgreich die WM für Österreich war, so traurig war sie für Kärnten: kein Kärntner am Start. Wann können wir wieder mit Kärntner Beteiligung in der Weltcuptruppe rechnen?
Stimmt nicht ganz. Kombinierer Philipp Orter ist mit einer Medaille nach Hause gefahren. Er ist Kärntner, und der erste junge Athlet, der nach langer Durststrecke wieder an großartige Erfolge anschließen kann. Bei den Springern wird es noch zwei bis drei Jahre dauern. Die jungen Burschen haben bei der Junioren-WM dieses Jahr bereits Medaillen gemacht. Ich rede von Mika Schwann, Markus Rupitsch und Samuel Mraz, alle von der SG Klagenfurt.
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