23.06.2016, 11:04 Uhr

Ideale Bewirtschaftung von Waldflächen und Sicherheit bei der Forstarbeit

Johannes Leitner und Johannes Kröpfl im Gespräch

Johannes Leitner von der Fachschule Stiegerhof und Johannes Kröpfl, Sicherheitsberater der Sozialversicherungsanstalt der Bauern im Gespräch über Bewirtschaftung und Sicherheit im Wald.

FINKENSTEIN. Rund 60 % der Landesfläche Kärntens ist von Wald bedeckt. Der Großteil dieser Waldfläche ist in Privatbesitz und wird kleinflächig
bewirtschaftet.
Die WOCHE hat Johannes Leitner, Direktor der Landwirtschaftlichen Fachschule Stiegerhof, und Johannes Kröpfl, Sicherheitsberater der Sozialversicherungsanstalt der Bauern, zum Gespräch über Bewirtschaftung
und Sicherheit im Wald gebeten.

Forst- und Holzwirtschaft in Kärnten

Die Forst- und Holzwirtschaft hat seit jeher in Kärnten eine traditionell hohe Bedeutung, hat sich daran etwas geändert?
LEITNER: Wenn man bedenkt, dass Kärnten neben der Steiermark das waldreichste Bundesland Österreichs ist und ein Großteil dieser Waldfläche in
Privatbesitz, also kleinbäuerlich strukturiert ist, und auch viele Besitzer einen wesentlichen Teil ihres Einkommens aus der Waldbewirtschaftung beziehen, dann hat sich an der Bedeutung nichts verändert.

Was hat sich dann an der Forstwirtschaft verändert?
LEITNER: Sehr wohl verändert hat sich aber das Image der Waldarbeit. Waren es früher Knechte ohne Bildung, die im Wald gearbeitet haben, ist Waldarbeit heute
eine hochprofessionelle und anspruchsvolle Tätigkeit, die entsprechende Aus- und Weiterbildung benötigt, für die wir hier am Stiegerhof die entsprechende
Basis legen.

Wie sieht die Ausbildung am Stiegerhof aus?
LEITNER: So viele Privatpersonen haben Waldflächen die sie aber oft selbst nicht, bzw. nicht mehr bewirtschaften können. Das ist die Chance für professionell ausgebildetet Leute auch andere Flächen mitzubewirtschaften - sie sind Vertrauensleute direkt vor Ort, wie es auch oft bei bäuerlichen Waldwirtschaftsgemeinschaften der Fall ist. Hier am Stiegerhof bilden wir die jungen Menschen in den Punkten Sicherheit bei der Forstarbeit, Betriebswirtschaftlichkeit und im Waldbaubereich, sowie Holzverarbeitung aus. Die praktische Vertiefung und Ausbildung erfolgt dann in Zusammenarbeit mit der Forstlichen Ausbildungsstätte Ossiach.

Ist die Forstwirtschaft eine Arbeit mit Zukunft
LEITNER: Davon bin ich überzeugt. Bedenken Sie, dass wenn ich heute einen Baum pflanze, erst die nächste oder übernächste Generation etwas davon hat. Nach 80 bis 100 Jahren ist ein Baum ernetreif. Also ist die Forstwirtschaft auch eine der nachhaltigsten Arbeiten die es gibt. Und auch das Interesse an Holz steigt immer mehr, nicht nur im ländlichen Bereich, sondern auch im urbanen Raum ist der Werkstoff Holz immer mehr gefragt.

Der Wald als sicherer Arbeitsplatz

Welche Sicherheitsmaßnahmen sind im Wald von besonderer Wichtigkeit?
KRÖPFL: Der Schlüssel zur Arbeitssicherheit im Wald ist neben Ausbildung die Instandhaltung der persönlichen Schutzausrüstung und Maschinensicherheit.

Was ist bei der Bedienung von Arbeitsgeräten im Wald wichtig?
KRÖPFL: Wenn ich die Kraft einer Motorsäge auf einen Mittelklasse-Pkw umlege, müsste dieser im Vergleich rund 800 PS haben! Die Kette der Motorsäge dreht sich mit rund 100 km/h. Um dieses und andere Geräte sicher zu beherrschen bedarf es der entsprechenden Ausbildung und stetiger Weiterbildung.
Unfälle bei der Waldarbeit zählen zu den häufigsten und schwersten. Problematisch wird es auch bei Routinearbeit, diese verleitet gerne zum Außer-Acht-Lassen der Sicherheitsregeln.

Der Wald als sicherer Erholungsort

Was sollte ich als Erholungssuchender im Wald beachten?
KRÖPFL: Waldbesucher werden gebeten, Waldstücke in denen gearbeitet wird, aus Gründen der Sicherheit zu umgehen und entsprechende Sicherheitsabstände einzuhalten. Wenn ein Baum mit nur rund 30 cm Durchmesser zu Boden fällt, fällt er mit einem Gewicht von gut 1 Tonne

Wo kann ich mich über die Sicherheitsregeln bei der Waldarbeit informieren?

Informationen und Tipps zur Sicherheit bei Waldarbeiten erhält man jederzeit bei den forstlichen Ausbildungsstätten, den zuständigen Behörden des Landes Kärnten sowie bei der Sozialversicherungsanstalt der Bauern.
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